Mysterium in Wort und Klang

Zu einem bewegenden Erlebnis machten der Philharmonische Chor an der Saar, das Orchester und der Chor des staatlichen Konservatoriums Kazan sowie Palatina Klassik und vier Solisten die Aufführung der Bruckner-Messe Nr. 3 und des „Te Deums“. Es dirigierte Professor Leo Kraemer.

Das Kyrie erhebt sich fast unmerklich aus der Stille. Zart und doch fest in Klang und Intonation stellen die Sängerinnen wie im "Benedictus" flehentliche und demutsvolle Anrufungen in den Kirchenraum. Diese gedämpfte, zum Mysterium des Glaubens hin drängende Spannung explodiert jedoch im Jubel des "Gloria" - prägnant in Rhythmik und leuchtendem Klang über donnerndem Paukenwirbel. Doch der Chor fasziniert auch mit zarten, harmonisch fein abgestimmten A-cappella-Stellen. Mit dem "Agnus Dei" haucht Bruckner sein opulentes Kirchenwerk zart und mystisch aus.

Beide Chöre bilden eine homogene Einheit, wobei die jungen Sopranistinnen aus Kazan alles überstrahlen. Ebenso ist auf das Orchester Verlass. Intonationssicher, einfühlsam und technisch versiert setzen die Trompeten und Posaunen saubere Akzente, während die Streicher Bruckners gewaltigen Melodiebögen Atem und Wärme geben. Mit durchdachter Dynamik, die das Orchester vorgibt, wandert Dirigent Leo Kraemer durch die Partitur und gibt dem Sinfonisch-Blockhaften, das diese Messe auszeichnet, in angenehm flüssigen Tempi großen Raum.

Das ausgewogene Solistenquartett spiegelt sich in der Homogenität der Klangkörper. Charismatisch, wenn auch etwas verträumt, zieht Tanja Rohr, die für die erkrankte Susanne Bernhard eingesprungen ist, die Linien im Sopran, während Susanne Schaeffer ihrer Alt-Partie etwas mehr Glut und Intensität hätte verleihen dürfen. Oscar de la Torre glänzt mit strahlendem, klar geführtem Tenor und beeindruckt mit seinem Solo im Credo. Fest und kraftvoll in der Stimme, schön in der Farbe bewältigt Bariton Vinzenz Haab seinen Part.

Nach dem Kraftakt der Messe singen die deutsch-russischen Choristen das romantische und anrührende "Te Deum", mit dem sich der Meister den Himmel versprach. Und dann prasselt ein zweites Mal hoch verdienter Beifall auf die Akteure nieder.

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