Mozart-Requiem im Saardom

Dillingen. Lange wurde darüber gerätselt, welchem Auftraggeber Wolfgang Amadeus Mozart sein letztes Werk, das "Requiem", zugedacht hatte. Und da es mit dem Tod von Amadé (1791) unvollendet blieb, engagierte seine Witwe Konstanze gleich drei Schüler, "Hand an die abgebrochene Partitur" zu legen. Keinesfalls wollte und konnte sie auf das zweite Honorar verzichten

Dillingen. Lange wurde darüber gerätselt, welchem Auftraggeber Wolfgang Amadeus Mozart sein letztes Werk, das "Requiem", zugedacht hatte. Und da es mit dem Tod von Amadé (1791) unvollendet blieb, engagierte seine Witwe Konstanze gleich drei Schüler, "Hand an die abgebrochene Partitur" zu legen. Keinesfalls wollte und konnte sie auf das zweite Honorar verzichten. Das Rennen machte Franz Xaver Süßmayer, dessen Version bis zum heutigen Tag akzeptiert ist. Ihm gelang es wohl am besten, Mozarts Klangrede zu verinnerlichen und zu Ende zu führen. Im abschließenden "Lux aeterna" verwandte Süßmayer "dieselbe Musik wie im Introitus-Kyrie, ohne an dieser Stelle in der Partitur eine Tempovorschrift zu vermerken", heißt es. Bereits im "Introitus" vermitteln die Streicher das bedrückende Gefühl von Trauer und Bitternis über den Tod eines geliebten Menschen, und die "Prozession der Bass-Noten" denken den eigenen stets mit. Noch vor dem ersten Choreinsatz mahnen die Posaunen des Jüngsten Gerichts. Eindringlich gestaltet Mozart auch die ersten acht Takte des "Lacrimosa", die Stelle, an der ihm der Tod die Feder aus der Hand nahm. Dennoch entwickelt diese Komposition, die sowohl archaisch und düster wie dramatisch, flehentlich und lyrisch ist, eine Klangfülle, in der immer der Erlösungsgedanke mitschwingt. Kein anderes kirchliches Tonwerk verarbeitet den lateinischen Text der Totenliturgie ergreifender. "Hauptperson" (neben den Solisten) ist der Chor, der wie in einem griechischen Drama die Seele des Verstorbenen ins Paradies geleitet. Die unendlich dichte Musik, die Mozarts Ahnung vom eigenen bevorstehenden Tod ebenso verdeutlicht wie seine hoffnungsvolle Ergebenheit aus dem Glauben heraus, wird am 8. November auch die Zuhörer im Saardom in Bann ziehen: Es singt "Der Andere Chor" unter Leitung von Thomas Bernardy, der den Chor vor 20 Jahren gründete und mit ihm dank intonationssicherer, klarer, junger Stimmen seither glänzende Erfolge feierte. Die Wahl der Solisten ist mit Anne-Katrin Fetik, Sopran, Gabi Mai, Alt, Thomas Burger, Tenor, und Vinzenz Haab, Bass, ebenso viel versprechend. Die instrumentale Begleitung übernehmen Mitglieder der deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken/Kaiserslautern. Musik wird zu LichtMusikwissenschaftler Roland Kunz, Redakteur bei SR 2 und Countertenor, wird zu Beginn des Abends eine Einführung in das Requiem geben. Unterstrichen wird die Musik des Jahrtausendkomponisten Mozart mit Licht und einer Videoinstallation. Homogen sowie kontrastierend begleiten Florian Penner und Krischan Kriesten durch den Kirchenraum und übersetzen in Echtzeit die Kraft der musikalischen Sprache. Abstrakte Strukturen wechseln mit konkreten Bildern, die dem Betrachter die Freiheit zur Interpretation lassen. Kriesten ist freischaffender Lichtkünstler, Penner arbeitet als Designer im Fach visuelle Kommunikation und Medien.Karten zu 18, ermäßigt 16 Euro (Blick auf Chor und Videoinstallation), und zu 15/13 Euro (nur Sicht auf Videoinstallation) können im Internet bestellt oder in der Buchhandlung B. Blanchebarbe in der Lotteriestraße, Dillingen, gekauft werden.