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Interview mit Jens Schumacher
„Moderater Alkoholkonsum ist immer zuträglich“

Dillingen. Der Autor und Spieleerfinder spricht über die Arbeit an „Black Stories“ und gibt Tipps zum Lösen der Rätselgeschichten.

Der aus Mainz stammende Autor Jens Schumacher wohnt seit mehreren Jahren im Saarland. Er hat bereits mehr als 80 Bücher und Spiele für Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. 2017 erhielt er den Kinder- und Jugendbuchpreis des Saarlandes. Zu seinen Veröffentlichungen gehören auchmehrere Ausgaben der Spielereihe „Black Stories“. Über seine Arbeit an den Rätselgeschichten hat er im Interview berichtet.


In der neuen Edition der „Black Stories“, „Daily Disasters“ genannt, geht es um reale Missgeschicke und Katastrophen. Wie funktioniert die Recherche?

SCHUMACHER Meine Co-Autorin Corinna Harder und ich haben schon öfter Editionen über faktische Hintergründe verfasst, zum Beispiel reale Kriminalfälle, reale Todesfälle oder reale Missgeschicke im Alltag. Wir müssen in solchen Fällen zum Beispiel mit Polizisten sprechen und Zeitungsarchive durchsuchen, lassen uns die makabersten Sachbücher aus aller Welt kommen und verfolgen die Darwin-Awards in Amerika. Manchmal stößt man auch beim Abrufen von E-Mails auf irgendwelchen Internetseiten auf spektakuläre Meldungen. Wir sammeln solche kuriosen Sachen eigentlich das ganze Jahr über.



Macht es mehr Spaß, fertiges Material zu verwenden oder sich selbst irgendwas auszudenken?

SCHUMACHER Wir haben auch schon völlig fiktive „Black Stories“-Editionen getextet. Aber ich finde es bei „Black Stories“ durchaus spannend, Geschichten, die es schon gibt, so zu verknappen, dass sie in das „Black Stories“-Korsett passen: ein oder zwei Sätze auf der Vorderseite und den kompletten Sinnzusammenhang in weniger als 100 Wörtern auf der Rückseite. Das ist eine Herausforderung, die mir viel Spaß macht.

Wie ist der Schwierigkeitsgrad der Geschichten?

SCHUMACHER Den kann man kaum objektiv messen. Es gibt immer Karten, von denen wir denken, sie sind nahezu unlösbar. Und dann gibt es Karten, von denen wir denken, da kommt man mit ein, zwei Fragen drauf. Live stellt sich dann oft raus: Es ist ganz anders. Es steht und fällt immer damit, wie die Mitspieler drauf sind und welchen Rezeptionshorizont in der speziellen Thematik sie haben. Wir haben auf der Buchmesse in Leipzig die „Daily Disasters“ vorgestellt, da kannte ein Mitspieler einen konkreten Fall bereits. Nach zwei, drei Fragen konnte er die Karte lösen. Aber dafür sind ja immer 50 Karten drin, sodass es für jede Gruppe schwierigere und leichtere gibt.

Gibt es bei dieser Edition irgendein Vorwissen, das hilft?

SCHUMACHER Moderater Alkoholkonsum beim Raten ist der Sache immer zuträglich, weil das oftmals hilft, schräg beziehungsweise um die Ecke zu denken oder seinen IQ um etwa 100 Punkte zu reduzieren. So kann man sich leichter in das hineinversetzen, was irgendwelche Leute auf der Welt da möglicherweise Absurdes angestellt haben. So verkürzt sich manchmal der Weg zur Lösung.

Ist diese Edition auch für Kinder geeignet?

SCHUMACHER Wir haben schon „Black Stories“ mit Grundschülern gespielt. In diesem Fall empfiehlt es sich allerdings, die Karten vorher durchzuschauen und altersmäßig ungeeignete auszusortieren. Man könnte sogar die „Real Crime“-Edition über echte Verbrechen mit Kindern spielen – wenn man Karten wie die über den Kannibalen von Rothenburg vorher rausnimmt. Aber dann geht es durchaus.

Die Fragen stellte Barbara Scherer.