Miteinander statt nebeneinander

Dillingen. Von den 21 117 Einwohnern Dillingens sind 2651 Ausländer. Die Regierung wählen dürfen sie in Deutschland nicht, dafür aber Repräsentanten in der Stadt, in der sie leben. 20 Türken und Italiener wollen die Ausländer in Dillingen gegenüber der Stadt vertreten und kandidieren für die Wahl zum ersten Integrationsbeirat. Der ersetzt den bisherigen Ausländerbeirat

Dillingen. Von den 21 117 Einwohnern Dillingens sind 2651 Ausländer. Die Regierung wählen dürfen sie in Deutschland nicht, dafür aber Repräsentanten in der Stadt, in der sie leben. 20 Türken und Italiener wollen die Ausländer in Dillingen gegenüber der Stadt vertreten und kandidieren für die Wahl zum ersten Integrationsbeirat. Der ersetzt den bisherigen Ausländerbeirat. Aus den Kandidaten wählen die Ausländer in Dillingen am Sonntag, 27. Juni, zehn Mitglieder, fünf weitere stellt der Stadtrat (siehe Infokasten).Die Kandidaten blicken optimistisch in die Zukunft mit einer Beteiligung der Stadtratsmitglieder im Beirat. "Ich glaube, dass der Rat viele Anregungen von uns annehmen wird", sagt Francesco Parrinello. Insbesondere verspricht er sich bessere Kontakte zum Rat der Stadt. "Wir können unser Netzwerk erweitern und haben hoffentlich mehr Chancen, unsere Ideen umzusetzen", äußert auch Caterina Muscarella.Motiviert sind die neuen Kandidaten und vor allem: jung. Der Ausländerbeirat hatte kein Mitglied unter 40; über die Hälfte der Bewerber für den Integrationsbeirat ist unter 30, die beiden Jüngsten sind gerade 19 Jahre alt. Besonders die jungen Ausländer in Dillingen würden sie als Beirat ansprechen. "Die werden wohl noch ihr ganzes Leben hier verbringen", sagt Paolina Magro Malosso. Ihr Konzept: "Wir wollen erst gemeinsam mit den Menschen hier die Probleme ausfindig machen, bevor wir sie lösen."Als Beirat würden sie sich zunächst den anderen Ausländern in Dillingen vorstellen. Parrinello: "Wir glauben, viele wissen gar nicht, dass es uns gibt oder was wir tun." Sie wollen Präsenz an Schulen mit hohem Ausländeranteil zeigen, an Elternabenden zur Verfügung stehen, als Ansprechpartner, vielleicht als Dolmetscher. Sie wollen Fußballturniere und Feste für die Jugend organisieren, vielleicht einen gemeinsamen Gottesdienst, bei dem sich die verschiedenen Religionen vorstellen. Ob Italiener, Türken, Polen, Weißrussen: "Wir wollen Vorurteile abbauen, die verschiedenen Kulturen einander näher bringen und dabei in ihrem Traditionsbewusstsein stärken", sagt Magro Malosso. In Dillingen lebe man eher nebeneinander statt miteinander: "Man geht mal schnell zum Türken einkaufen, aber sieht nicht, mit welcher Kultur man es da zu tun hat."Welche Kandidaten letztendlich in den Integrationsbeirat gewählt werden, ist ihnen nicht wichtig. "Die anderen werden sowieso mitmachen, helfen, Ideen herbeibringen", sagt Malosso. Der Stadtrat hat die fünf Mitglieder bereits in der Sitzung vom 17. Dezember bestimmt.

HintergrundDer Integrationsbeirat setzt sich ein für die Belange von Ausländern, die in einer Kommune wohnen oder arbeiten und spricht deren Interessen in den Stadtratssitzungen an. Der Beirat hat dabei nur eine beratende Funktion.Wählen dürfen den Integrationsbeirat am Sonntag, 27. Juni, alle Ausländer, die mindestens 18 Jahre alt sind und in Dillingen wohnen. Wer zu den 2124 Doppelstaatlern in Dillingen gehört, also neben seinem ausländischen auch einen deutschen Pass hat, ist nicht wahlberechtigt.Der Stadtrat stellt Antonino Orlando (CDU), Nune Drabczuk (SPD), Norbert Fegert (Die Linke), Sabine Kiefer (ÖBL) und Jan Reiter (FDP) für den Integrationsbeirat. kj