Segelsport: Mit dem Leichtgewicht durch schwere See

Segelsport : Mit dem Leichtgewicht durch schwere See

Als sich die Mannschaft um den Dillinger Seglertreff für einen Törn im Atlantik entschieden hatte, war allen klar, dass es auch mal ruppig werden könnte. Kaum hatten sie abgelegt, kamen Wind und Wellen.

Rund vier Monate ist es her, dass eine Gruppe saarländischer Segler von den Kapverden aus in See gestochen ist. Ihr Ziel: die kroatische Küste. Detlef Trenz hatte im Redaktionsgespräch vor der Abfahrt von den Plänen der Gruppe rund um den Dillinger Seglertreff berichtet. Auf dem Plan stand ein so genannter Überführungstörn für einen Katamaran. In drei Etappen sollte es entlang der afrikanischen Atlantikküste zur Straße von Gibraltar, durchs Mittelmeer bis nach Split gehen.

„Mit einer siebenköpfigen Crew sind wir gestartet“, erzählt Detlef Trenz. Gleich zu Beginn des Törns hat das Starkwindgebiet um die Kapverden gezeigt, welche Herausforderungen es bereithält. „Die Hälfte der Crew wurde seekrank“, erzählt Trenz weiter. Die ersten Nachtwachen konnte nur übernehmen, wer fit war. Es folgte ein ausgeklügelter Wachplan. „Am Anfang haben wir viel Wasser geschaufelt“, erinnert sich Trenz. „Der Atlantik“, sagt er, „ist halt ein anderes Kaliber als das Mittelmeer.“

Dazu kamen ungünstige Windverhältnisse: Wind von vorne. Was für Segler entweder Kreuzen mit viel Zeitverlust bedeutet oder eben Motoreinsatz. Das wiederum kostet Diesel. Die Crew ist fast auf dem letzten Tropfen in La Restigna auf der kanarischen Insel Hierro zum Tanken angekommen.

Die zweite Etappe hat die Crew dann zu viert absolviert. Für Detlef Trenz, seinen Mitstreiter Werner Spurk und zwei weitere Mitfahrer hieß das „Wache und Schlafen im Fünfstundenrhythmus“, wie Spurk betont – ein anstrengender Rhythmus, der über mehrere Tage durchgehalten werden musste.

In der Zeit auf See haben sie das gecharterte Boot mit allen Stärken und Schwächen kennengelernt. Zum Beispiel, als eine der vorderen Kabinen durch ein mangelhaft abgedichtetes Schott doch ziemlich nass wurde. Dazu kam ohnehin jede Menge Feuchtigkeit unter Deck, weil wegen des Wetters nicht gelüftet werden konnte. „Alle unsere Sachen waren nass und in der Koje ist das Kondenswasser von der Decke getropft“, erinnert sich Trenz.

„Wir sind zum Teil mit langer Unterhose und Wollsocken ins Bett, damit die am nächsten Morgen zu benutzen waren.“ Angesichts dieser Erfahrung kommentiert Spurk relativ trocken: „Man gewöhnt sich an alles.“

Überhaupt gewinnt man bei dem Gespräch den Eindruck, dass die Crew viele Erlebnisse einfach sportlich und mit Humor genommen hat: Geangelt wurde viel – der meiste Fisch kam allerdings aus der Dose. Außerdem hätten sie die Erfahrung gemacht, dass man eine Menge Proviant spart, wenn die halbe Mannschaft seekrank ist, schmunzeln beide. Trotzdem gibt Trenz zu, „körperlich und psychisch in diesen ersten Tagen an die Grenze“ gekommen zu sein.

Der Törn hat neben dem Wetter und dessen Herausforderungen auch ganz andere Überraschungen für die Segler bereitgehalten. Ein Fischernetz, das sich in einer der Schrauben verfangen hatte und Frank Thiery zum Tauchgang im Atlantik zwang. Dazu ein Katamaran, von dessen Deck aus Delfine gefüttert wurden oder eine recht enge nächtliche Begegnung mit kleinen Fischerbooten vor der afrikanischen Küste. Besonders war eine Taufe für das Überfahren des nördlichen Wendekreises. All diese Erlebnisse werden die Teilnehmer des Törns wohl nicht vergessen.

Navigatorisch waren die Straße von Gibraltar mit den „vielen großen Pötten“ und die enge Straße von Messina eine besondere Herausforderung. Die Ausstattung des Katamarans mit Radar habe nicht nur dort gute Dienste geleistet. Abgesehen von kleineren Reparaturen lief alles glatt. Und im Zielhafen gab es vom Charter-Unternehmen ein Extra-Lob für den guten Zustand des Bootes.

Die Crew hat auf ihrem Weg zweimal gewechselt. Werner Spurk und Johannes Dittgen haben „durchgezogen“ und wurden dafür beim jüngsten Seglertreff in Dillingen von Mitfahrer und Treff-Initiator Christian Wirth geehrt.

Am Ende stand wohl für die meisten trotz aller Anstrengungen fest: „Wir würden es wieder tun“. Und das, sind sich Spurk und Trenz einig, liegt vor allem an der „einzigartigen Kameradschaft“, die sie auf diesem Törn erfahren haben.

Auf modernen Schiffen gibt es vielfältige technische Unterstützung. Foto: Detlef Trenz
Frank Thiery macht sich auf offener See bereit zum Tauchgang. Er muss mit dem Messer eine der Schrauben von einem Fischernetz befreien, das sich darin verheddert hat. Foto: Detlef Trenz
Frei nach „Fluch der Karibik“ macht sich Johannes Dittgen als Rasmus Seetanges bereit zur Wendekreistaufe. Foto: Detlef Trenz
Ankunft der ersten Besatzung auf Teneriffa. Foto: Detlef Trenz
Christian Wirth ehrt Johannes Dittgen (Mitte) und Werner Spurk (v.l.). Foto: Detlef Trenz
Die Crew hat ihren Katamaran Salina 48 festgemacht. Foto: Detlef Trenz

Daten, Etappenbeschreibungen und GPS-Tracks zum Törn gibt es im Internet auf der Seite des Seglertreffs.

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