"Meinen Segen hat er"

Kreis Saarlouis. Der Papst hat am Montag von einem selten genutzten Recht Gebrauch gemacht und seinen Rücktritt angekündigt. Damit kramt Benedikt XVI. den fast vergessenen Canon 332 des Kanonischen Rechts hervor; zum 28. Februar gibt er sein Amt auf. Diesen Schritt hat ein Papst das letzte Mal im Jahr 1294 gewagt. Die Menschen im Kreis Saarlouis sind überrascht - aber nicht verständnislos

Kreis Saarlouis. Der Papst hat am Montag von einem selten genutzten Recht Gebrauch gemacht und seinen Rücktritt angekündigt. Damit kramt Benedikt XVI. den fast vergessenen Canon 332 des Kanonischen Rechts hervor; zum 28. Februar gibt er sein Amt auf. Diesen Schritt hat ein Papst das letzte Mal im Jahr 1294 gewagt. Die Menschen im Kreis Saarlouis sind überrascht - aber nicht verständnislos."Es ist wirklich überraschend - er hat ja aber das Recht dazu", sagt Richard Kiefer (Fotos: Jenny Kallenbrunnen) aus Saarlouis. Negatives sieht er in dem großen Schritt des Papstes nicht: "Dann hat die Kirche auch einmal wieder die Chance, etwas zu verändern. Eine Neuerung wird in dieser kritischen und schwierigen Zeit für die Kirche sicherlich nicht schaden." Gabi Vogel aus Saarlouis zeigt sich zunächst verwirrt: "Ich dachte, das Amt des Papstes hätte man immer bis zum Tod inne?", sagt sie. Dass das Kirchenoberhaupt die Freiheit hat, zurückzutreten, findet sie gut und richtig. "Die soll er mal nutzen, wenn er sich nicht mehr fit genug fühlt. Gesundheit ist das Wichtigste. Aber wer weiß, ob da nicht noch etwas anderes mit dahinter steckt."

"Es ist eine vernünftige Entscheidung", findet Monika Leinen aus Saarlouis. "Er hat seine körperlichen Grenzen erkannt - das sehe ich durchaus positiv." Auch Holger Gorbic aus Schwarzenholz wirft Benedikt XVI. nichts vor. "Mit 85 Jahren! Das ist doch wohl kein Problem! Da sind andere schon sehr viel jünger in den Ruhestand gegangen", sagt er.

"Ich habe die Fotos von der Privataudienz mit Annegret Kramp-Karrenbauer gesehen", sagt Christine Gerber aus Fraulautern, "da habe ich mir so etwas fast schon gedacht. Da sah er wirklich schon ganz alt aus. Man hat ihm angesehen, dass er schwach geworden ist."

Marvin Frank aus Schaffhausen sagt von sich selbst, er habe mit Religion nicht sonderlich viel am Hut. Vielleicht fällt sein Standpunkt deshalb so verständnisvoll aus. "Der Mann ist alt - das geht schon in Ordnung." Und Isabelle Arnold aus Roden fragt: "Wieso sollte er nicht zugeben dürfen, dass er alt ist, und sich einen ruhigen Lebensabend machen - nur weil er der Papst ist? Meinen Segen hat er."

Fritz Heger aus Lebach kann seine Enttäuschung nicht verbergen: "Eigentlich sollte das ja nicht sein", findet er, "dieses Amt ist eine Ehre, man sollte es bis zum Tod halten. Es ist fast ein bisschen unverschämt, das aufzugeben."

"Vielleicht hat er ja eine Frau gefunden", scherzt Kevin Schlieben aus Hülzweiler. "Oder vielleicht sind ihm die ganze Kritik und all die Vorwürfe gegen die Kirche nach der Aufdeckung der Missbrauchsfälle auch einfach zu viel geworden. Könnte man ihm auch nicht verübeln."

"Ich habe großen Respekt vor dieser Entscheidung", sagt Beate Kiefer aus Saarlouis, "da ich denke, dass er sich diesen Schritt nicht leicht gemacht hat, sondern es ihm wirklich sehr schwer gefallen ist, so ein Amt aufzugeben. Ich hoffe auch sehr, dass es ihm auch weiterhin gut gehen wird mit seiner Entscheidung und dass er nichts bereuen wird in den nächsten Jahren." Foto: dpa