Mario Andruet macht seit 50 Jahren politische Kunst

Kunst : 50 Jahre geballte Schaffenskraft

Der 65-jährige Künstler Mario Andruet kann auf ein halbes Jahrhundert künstlerischer Arbeit zurückblicken.

Drei Pferde auf einer Weide stehen für den Beginn der außergewöhnlichen Schaffensgeschichte des Saarwellinger Künstlers Mario Andruet. „Das Bild habe ich im Alter von 14 Jahren gemalt, damals natürlich noch völlig unpolitisch“, erinnert er sich.

Das Talent, sagt er, liegt in der Familie, sein Vater und ein Onkel haben in den 1950er Jahren gemalt und auch ihn hat die Liebe zu Pinsel und Ölfarbe bereits früh gepackt. Mit gerade mal 65 Jahren blickt der Autodidakt in diesen Tagen auf 50 Jahre Schaffensgeschichte zurück. „Meine Frau hatte recht spontan die Idee, eine Veranstaltung zum Jubiläum zu organisieren, etwa 100 Leute sind gekommen“, freut sich Andruet.

Denn, das betont er beim Besuch in seinem Atelier, das er 2011 in seinem Elternhaus in Saarwellingen eingerichtet hat, seine Kunst braucht den Betrachter. Schon sehr früh, erinnert er sich, wollte er Bilder malen, die ähnlich einem Buch Geschichten erzählen und politisch Stellung beziehen. „Ich habe dies als Herausforderung gesehen und diese auch gerne angenommen“, erklärt er.

Vor allem die detailgenaue Darstellung von Gesichtern, hinter denen sich Schicksale verbergen, hat er perfektioniert. Mit seinen frühen, fotorealistischen Werken aus den 1970er Jahren ist ihm dies auf beeindruckende Weise gelungen. Frauen aus Mali schauen den Betrachter an, es gibt kein Entrinnen vor den vielen Augenpaaren.

Dabei, das betont Andruet, hat er keine fremden Welten bereist, seine Modelle entstammen Fotografien, seine Konstruktionen entstehen im Kopf. „Ich möchte, dass die Menschen, die meine Bilder betrachten, innehalten und sich Gedanken machen“, sagt er.

Ständig hat sich Andruet weiterentwickelt, das zeigt ein Blick in die Ausstellung. Er hat verschiedene Techniken ausprobiert, vor allem aber nimmt er seine Inspiration aus dem Weltgeschehen. Der zweite Blick lohnt sich, die Bilder enthalten Anspielungen auf die Weltgeschichte, ahnen voraus, was sich viele Jahre später bewahrheitet.

Die Themen, die sich in seinen Werken widerspiegeln: Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und ganz aktuell die Umwelt. „Für mich ist Kunst ganz klar politisch, ich möchte mit meinen Bildern etwas bewegen“, sagt Andruet. Mittlerweile hat er auch etliche Bilder verkauft – auch wenn die Motive alles andere als weichgespült daherkommen und vielmehr zum Nachdenken und Auseinandersetzen anregen. „Viele Künstler werden nach einer Ausstellung gefragt, ob sie Bilder verkauft haben. Mir ist vor allem wichtig, dass viele Menschen meine Bilder angeschaut und darüber diskutiert haben. Das werte ich als Erfolg“, sagt Andruet.

Auftragswerke sind nicht so sein Ding, „ich gestalte meine Freizeit so, wie ich es möchte“, sagt er. Diskutiert wird im Hause Andruet jeden Tag. Mit seiner Frau Waltraud, die sein künstlerisches Schaffen von Anfang an unterstützt hat und sich aktiv für den Frieden einsetzt, täglich mehrere Stunden im Internet recherchiert. „Man muss sich informieren über die Themen der Weltpolitik, die Zusammenhänge versuchen zu verstehen und hinausgehen in die Welt und aufklären“, sagt sie.

Mario Andruet nutzt dafür seit fast fünf Jahrzehnten seine Malerei. Immer wieder ein Höhepunkt, sagt Andruet, sind Workshops in Schulen. „Hier bin ich beeindruckt, welche Themen die Jugend in ihren Projekten bearbeitet“, sagt er. Der Bewegung „Fridays for Future“ geben die beiden realistische Chancen, erfolgreich zu sein.

Beide, das betonen sie, setzten sich aktiv für den Frieden ein. „Für uns steht der Frieden an erster Stelle. Ein friedvoller Mensch wirft keinen Müll ins Meer“, betont Mario Andruet. Ideen im Kopf, sagt der Künstler, hat er noch viele, hofft damit viele Menschen zu erreichen. „Unser Atelier ist ein offenes Haus, wir freuen uns über Gäste, freuen uns auf rege Diskussionen“, lädt er alle Interessierten ein.

Kontakt: Mario und Waltraud Andruet, Bilsdorferstr. 28, Saarwellingen, Tel: (0 68 38) 507 99 78.

Seit 50 Jahren ist Mario Andruet schon künstlerisch tätig. Foto: Waltraud Andruet

www.atelier-andruet.de

Mehr von Saarbrücker Zeitung