Madrigalchor Dillingen singt Chöre aus der Wiener Klassik im Saardom

Madrigalchor Dillingen : Abschiedskonzert bewegt die Gemüter

Es war ein fulminanter Schlusspunkt unter eine mehr als 50-jährige Karriere. Mit einem begeisterndem Abschiedskonzert trat der Madrigalchor Dillingen am Sonntag von der Bühne.

„Kurz und feierlich“ – so gefiel auch dem Erzbischof Hyronymus Graf Colloredo Mozarts erste Missa brevis et solemnis, mit der der Madrigalchor Dillingen unter Leitung von Regionalkantor Armin Lamar sein Konzert eröffnet. Mit 360 Takten ist sie eine der kürzesten Messen Mozarts. Passend zum samtenen Orchesterklang der Musiker der Deutschen Radio-Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern verfügt der Chor über warm timbrierte Stimmen, die über Jahrzehnte sowohl eine gute Artikulation als auch hervorragende Atemtechnik einstudiert haben. Perfekte Einsätze und Schlüsse sind sein Markenzeichen. Wie im brennend intensiv intonierten „Dona nobis pacem“ des Agnus Dei sind Momente bohrender Intensität zu erleben.

Eine weitere Besonderheit zeigt sich in der eingängigen und empfindsamen Melodik im Ensemble der hervorragenden Solisten wie in den Chören, die das musikalische Geschehen bestimmen. Lamar gelingt es nicht nur, den auch mit Gastsängern homogenen Chor zur Höchstleistung anzuspornen, sondern ebenso das Orchester zu pointiertem und emotionalem Spiel zu animieren. Die Musiker spielen differenziert und in der Balance zum Vokalklang sorgfältig abgestimmt. Des Weiteren bereichern erstklassige Solisten das Ensemble.

Schon in der „Spatzenmesse“ von Mozart, aber vor allem in der großen Sopranarie „Laudate Dominum“ aus „Vesperae solennes de Confessore KV 339“, den Mozartvespern, stellt Anne Katrin Fetik ihre Ausnahme-Qualitäten unter Beweis. Sie intoniert so kristallin klar und sphärenhaft zart, dass man eine der schönsten Liebesarien zu hören glaubt. Gabriele May vervollständigt mit ihrer schönen, mehrfach ausgezeichneten Altstimme Sopran und Tenor als Trio mit Chor im Offertorium „Alma Dei creatoris“ und im Graduale „Sancta Maria, Mater Dei“, Motetten von Mozart, die durch zügige Tempi beeindrucken. Chor und Streicher verschmelzen zu harmonischem Gesamtklang. Wie die wundervollen Frauenstimmen und Lukas Schmidt an der Orgel sind die Männerstimmen dem Madrigalchor seit langem verbunden. So begeistert immer wieder der kernig-profunde Bassbariton Vinzenz Haab, der unter anderem das Kyrie und Credo expressiv anstimmt. Über eine ebenso flexible Stimme verfügt der lyrische Tenor Algirdas Drevinskas. Fabelhaft harmonieren alle Stimmen im Quartett.

Zu Herzen geht das vom Chor mit schönem Legato innig vorgetragene „Ave verum“, das dramaturgisch ein „Agnus Dei“ ist – Mozarts wohl populärste Kirchenkomposition.

Ein letztes Mal bietet der Chor, bekannt als renommierter Klangkörper in der saarländischen Musikszene, alle Kraft und alles Können auf, um auf dem Zenit seiner über 50-jährigen Karriere mit Würde die kulturelle Bühne zu verlassen. Vereint mit den Solisten und dem durch weitere Bläser erweiterten Orchester singt er Haydns „Te Deum C-Dur für Kaiserin Marie Therese HOB XXIII c:2“, gefolgt vom Chor 13 aus seinem Aufklärungs-Oratorium „Die Schöpfung“. Mit dem Chor „Die Himmel rühmen“, in dem alle Mitwirkenden zur Ehre Gottes aufspielen, setzt Lamar den konzertanten Höhepunkt. Mit großer Verve und einem hohen Maß an rein vokaler wie musikalisch-rhetorischer Vollkommenheit gestalten die hervorragend disponierten Sänger und Sängerinnen dieses gewaltige Loblied. Noch einmal agiert der Chor auf höchstem Niveau. Seine Hochachtung erweist das Publikum stehend durch minutenlangen Beifall.

Vor dem Te Deum hielt Christa Klein, die Vorsitzende des Madrigalchors Dillingen, eine kleine Rede, in der sie die Gründe zum Aufgeben des Chors erläuterte und sich bei allen Wegbegleitern bedankte.

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