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Küsterin Ellen Huwig berichtet über ihre Arbei in Kirche während Corona

Kirchenbesuch : Als Küsterin braucht man viele Talente

Ellen Huwig ist Küsterin in St. Johann in Dillingen und in St. Maximin in Dillingen-Pachten. Sie erzählt, wie sie Corona-Zeit in der Kirche erlebt hat.

Bloß Glocken läuten und Kerzen anzünden? Von wegen! Die Aufgaben im Küsterdienst sind vielfältig und erfordern sogar eine Ausbildung. Doch während der Corona-Pandemie mussten Küsterin Ellen Huwig und ihre Kolleginnen und Kollegen sich auf eine noch nie dagewesene Situation einstellen.

„Das erste halbe Jahr war wegen der pandemiebedingten Gottesdienstabsagen erst mal fast gar nichts zu tun“, erinnert sich die 62-Jährige, die seit 2009 Küsterin in St. Johann in Dillingen ist und vier Jahre später zudem den Küsterdienst in St. Maximin in Dillingen-Pachten übernommen hat.

Arbeitslos sei sie dennoch nicht gewesen, da in den Kirchen Priester weiterhin Messen gehalten hätten – eben ohne Gottesdienstteilnehmer. „In der Zeit habe ich gemacht, was viele Leute auch zu Hause gemacht haben: Ich habe die Aufgaben erledigt, die sonst gerne liegen bleiben“, sagt Huwig. Sie räumte also die Schränke in der Sakristei auf, wusch und bügelte die Messdienerkittel.

Als wieder – entsprechend der Schutzkonzepte – Gottesdienste erlaubt waren, maß Huwig mit ihrer Schwester, die Pfarrsekretärin ist, die Kirchenbänke aus, klebte Abstandsmarkierungen und besorgte Desinfektionsmittel. „Während der Heizperiode haben wir auf das korrekte Lüften und Heizen geachtet“, sagt Huwig. Das bedeutete, dass während der Messe die Kirchen nicht beheizt werden durften. Gelüftet werden durfte erst nach den Gottesdiensten, da die spezielle Kirchenarchitektur verhindert, dass die virenbelaste Luft abtransportiert werden kann. Mit Ehrenamtlichen half Ellen Huwig zudem beim Empfangsdienst, der den Gottesdienstteilnehmern die Plätze zuwies und auf die Einhaltung des Schutzkonzepts achtete. „Während Corona kamen sogar mehr Leute als sonst in unsere Kirche St. Johann, da es sich herumgesprochen hatte, dass es hier immer noch einen freien Platz gibt, während andernorts alle Plätze vergeben waren“, blickt sie zurück.

Nun kehre langsam wieder Normalität ein. In den vergangenen Wochen habe es jede Woche eine Hochzeit oder Taufe gegeben, da die Vorschriften im Saarland gelockert worden seien. Normalität bedeutet für Ellen Huwig jeweils drei Gottesdienste pro Woche in Dillingen und in Pachten. Hinzu kommen Sterbeämter, Taufen und Trauungen in den beiden Kirchen.

Eine Dreiviertelstunde vor Messbeginn ist Huwig vor Ort, zündet Kerzen an, legt in der Sakristei das Messgewand aus, stellt Kelch und Hostienschale bereit ebenso wie die liturgischen Messbücher. Um den Blumenschmuck in St. Johann kümmert sich Huwig ebenfalls. Während in St. Johann die Glocken automatisch läuten, übernimmt die Küsterin, die eigentlich gelernte Apothekenhelferin ist, diese Aufgabe in St. Maximin.

Zum Küsterdienst sei sie durch ihre Vorgängerin gekommen, die gefragt habe, ob sie ab und an helfen könne. Aus dem Aushelfen sind inzwischen zwölf Jahre geworden, aber sie tue den Dienst gern, beteuert Huwig: „St. Johann ist meine Kirche, meine Taufe, Erstkommunion, Firmung und Trauung fanden hier statt. Auch meine Kinder wurden hier getauft.“

Glaubenslehre, Bibelkunde, Aufbau der Messfeier, die Feste im Kirchenjahr und die Pflege der Messgewänder sind Teile der Ausbildung zum Küster. Genauso dazu zählen Themenblöcke in Arbeitsrecht und Arbeitssicherheit. So gehört auch der Umgang mit Feuer und Feuerlöschern zur Ausbildung. Arbeitsschutz werde beim Aufstellen des großen Tannenbaums an Weihnachten großgeschrieben. „Das machen in St. Johann drei junge Männer, denen ich für ihre Hilfe sehr dankbar bin“, sagt Huwig. Als Küsterin schaue sie auch nach Schäden am Gebäude und melde diese dem Verwaltungsrat. Früher habe sie einmal pro Woche eine Messdiener-Gruppenstunde gehalten, sagt die Mutter von fünf Kindern. Doch inzwischen gebe es nur noch zwei Messdiener in St. Johann. In Pachten organisierten sich die Messdiener selbst.

Küsterin sei sie auch jenseits der Kirchenbauten, sagt Huwig und lacht: „Es ist mir schon passiert, dass ich im Supermarkt gefragt werde, ob man nicht gerade bei mir eine Messe bestellen und sich so den Weg ins Pfarrbüro sparen könne.“