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Verärgerte Eltern
Plötzlich hat die Krippe mittags zu

Erzieher, wie hier auf unserem Symbolbild, fehlen inzwischen überall in Krippen und Kindergärten. Doch berufstätige Eltern sind auf die verlässliche Betreuung ihrer Kinder angewiesen.
Erzieher, wie hier auf unserem Symbolbild, fehlen inzwischen überall in Krippen und Kindergärten. Doch berufstätige Eltern sind auf die verlässliche Betreuung ihrer Kinder angewiesen. FOTO: dpa / Jens Büttner
Dillingen. Dillinger Krippe schränkt ihre Öffnungszeiten deutlich ein. Die Eltern erfahren erst einen Tag vorher von den Folgen des Personalmangels. Von Nicole Bastong

Schock für die Eltern in der Dillinger Krippe „Regenbogen“: Bei einem Elternabend Ende Mai wurden sie darüber informiert, dass ihre Kita ab dem nächsten Tag statt wie bisher von 7 bis 16 Uhr nur noch bis 12.30 Uhr geöffnet sein wird. Der Träger der Krippe, der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) Untere Saar, begründete dies mit Personalmangel. „Von heute auf morgen sitzen die Kinder auf der Straße“, empören sich Eltern, die sich an die SZ gewandt haben. Die berufstätigen Väter und Mütter wüssten nun nicht, wie sie ihre Kleinkinder betreuen sollen, schildern sie verärgert.


„Wir wollen dies nicht auf dem Rücken der Kinder austragen“, beteuert der Vorstand des DKSB, Claus Ehehalt; nur mit verkürzten Öffnungszeiten sei eine qualifizierte Betreuung noch möglich – „im Moment“, wie er betont. Die Einschränkung sei nur vorübergehend, bis neues Personal gefunden sei. Nachdem ein Jahrespraktikant überraschend gekündigt habe, sei der anhaltende Personalmangel nicht mehr aufzufangen gewesen. „Wir suchen seit über einem Jahr händeringend Erzieher“, beklagt Ehehalt. „Der Markt ist leergefegt.“

Dass Lücken in der Personaldecke seit geraumer Zeit „nur mit Praktikanten gefüllt“ werden, beklagen auch die Eltern. Die Stadt Dillingen, der Kreis und das Ministerium seien pflichtgemäß informiert worden, sagt der Träger. „Die Situation gefällt uns auch nicht und wir arbeiten voll daran, sie zu ändern“, meint Ehehalt. Er setzt auf Bewerbungsgespräche, die diese Woche noch anstünden. Man gehe davon aus, dass die Situation sich in den kommenden Monaten wieder entspanne, so werde etwa im August ein neuer Jahrespraktikant beginnen.

Betreut werden zur Zeit noch neun Kinder zwischen 12 und 36 Monaten. Zur Verfügung stehen eigentlich elf Plätze; neue Kinder können trotz Warteliste nicht aufgenommen werden. Ausgeschrieben sind eine Vollzeit- und eine Teilzeitstelle, seit über einem Jahr. Dass man den Eltern erst am Abend vorher die neuen Öffnungszeiten mitteilen konnte, sei nicht anders machbar gewesen, meint Ehehalt.

Man habe mit ihnen inzwischen auch andere Öffnungszeiten ausgehandelt: Montag, Donnerstag und Freitag ist die Krippe nun von 7 bis 15 Uhr geöffnet, Dienstag bis 13 Uhr, am Mittwoch allerdings komplett geschlossen. Den Eltern sei auch angeboten worden, ohne Kündigungsfrist aus dem Vertrag zu scheiden, betont Ehehalt: Zwei Familien haben davon Gebrauch gemacht. Des weiteren habe man die Elternbeiträge von 275 Euro reduziert: „Wie die Betreuungszeit um genau ein Drittel.“



Erst im Januar hatte die katholische Kita Pachten Schlagzeilen wegen Personalmangels gemacht. Die Stadt Dillingen, die keine eigenen Kitas betreibt, erklärt dennoch auf Anfrage, bisher habe man gute Erfahrungen mit den freien Trägern gemacht; aktuell sehe man keinen Handlungsbedarf, Trägerschaften zu übernehmen.