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Krankenhausförderer in Dillingen lösen Verein auf

Krankenhaus-Förderverein Dillingen : Krankenhausförderer lösen Verein auf

Das Dillinger Krankenhaus schließt am 12. Juni. Der Förderverein hat sich nach 17 Jahren segensreichen Wirkens sich jetzt aufgelöst.

Am Mittwoch nach Pfingsten wird das Dillinger Krankenhaus nach jahrelanger Diskussion endgültig geschlossen. Der Förderverein des Krankenhauses hat sich daher am Mittwoch aufgelöst. Die verbliebenen Vereinsmittel kommen der Stadt Dillingen für gemeinnützige Zwecke zugute.

„Gehen wir jetzt auf eine Beerdigung?“, fragte der ehemalige Dillinger Pfarrer Warnfried Bartmann auf dem Weg durch den langen Krankenhausflur zum Konferenzraum. Dorthin hatte der Förderverein des Dillinger Krankenhauses zur Mitgliederversammlung eingeladen. Zunächst zur regulären Sitzung mit Jahres- und Finanzbericht, danach zur außerordentlichen Versammlung mit der „Beschlussfassung über die Auflösung des Fördervereins“.

War das Sterben des Krankenhauses ein langer, schleichender Prozess, so ging die Auflösung des Fördervereins kurz und bündig über die Bühne. Die schmerzlichen Diskussionen waren in den vergangenen Jahren längst geführt, der Kampf des Vereins für den Erhalt „nur noch eine lebensverlängernde Maßnahme“, wie der Vorsitzende Norbert Bannenberg betonte: „Wir konnten die Schließung leider nicht verhindern.“

Sein Jahresbericht in der regulären Sitzung, zu der knapp dreißig der 235 Mitglieder kamen, fiel sehr kurz aus. Nur eine Vortragsveranstaltung habe stattgefunden, ansonsten sei man mit der Abwicklung beschäftigt gewesen. Eine Inventarliste sei erstellt und an den Träger in Saarlouis übergeben worden, der erfreulicherweise den „ganz, ganz überwiegenden Teil“ des Inventars übernehme. Dadurch erzielt der Verein einen Erlös von fast 31 000 Euro, berichtete Schatzmeister Wolfgang Mohr in seinem Finanzbericht. Da nur noch wenige Ausgaben 2018 und 2019 getätigt wurden, belaufe sich das Vereinsvermögen auf 39 948 Euro Barmittel sowie vom Marienhaus-Klinikum nicht übernommene Gegenstände zum Zeitwert von rund 6000 Euro.

Sehr zügig, nach 15 Minuten, war die reguläre Sitzung abgeschlossen. Nach weiteren 15 Minuten ging es Punkt 18.30 Uhr mit der außerordentlichen Mitgliederversammlung weiter. Bannenberg erläuterte zunächst die Regularien der Satzung. Da der Zweck des Vereins mit der Schließung des Krankenhauses „nicht mehr gegeben“ sei, müsse die Auflösung nach Paragraf zwölf mit Dreiviertel-Mehrheit erfolgen. Die Satzung schreibe auch vor, dass das Vermögen an die Stadt Dillingen falle, die es für „gemeinnützige Zwecke im Bereich der Gesundheitspflege“ verwenden müsse. Bürgermeister Franz-Josef Berg, der sich entschuldigen ließ, habe bereits zugesagt, die Verwendung der Mittel eng mit dem Vorstand abzustimmen.

Nachdem Bannenberg, sein Stellvertreter Andreas Krüger sowie Wolfgang Mohr zu Liquidatoren bestellt wurden, erfolgte ebenso einstimmig per Akklamation der Beschluss zur Vereinsauflösung. Nach einer weiteren Viertelstunde war auch die außerordentliche Sitzung abgeschlossen.

Interessant wurde es dann jedoch im inoffiziellen Teil. Zunächst nutzte der Vorsitzende die Gelegenheit, nochmals Bilanz zu ziehen. Der am 14. Februar 2002 gegründete Förderverein habe in 17 Jahren rund 300 000 Euro („eine stolze Zahl“) zur Unterstützung des Krankenhauses aufgebracht. Bis zu 600 Mitglieder habe der Verein gehabt, sei zeitweise „mit Abstand größter Krankenhaus-Förderverein im Saarland“ gewesen. Erst die Diskussion um die Schließung habe die Mitgliederzahlen bröckeln lassen. Bannenberg dankte allen Mitstreitern ebenso wie Oberin Sabine Ruppert-Fürstos („eine ganz tolle Leistung“) und der ärztliche Direktor Dr. Bernhard Menges.

Menges übernahm es, einige auch namentlich besonders lobend zu erwähnen: die Gründer Dr. Mathias Schelden, Lothar und Andreas Krüger, die in einer schwierigen Phase diese Idee hatten. Die Vorsitzenden Bannenberg und de Bonneville, den Schatzmeister Wolfgang Mohr („sehr gewissenhaft“), die Chefarzt-Kollegen für „unentgeltliche Vorträge“ und die Beisitzerin Helga Jacobi, die „ganz wesentliche Beiträge zum Spendenaufkommen“ akquiriert habe. „Ich bin stolz auf Ihre Unterstützung“, sagte Menges. Das zeige, „wie sehr die Dillinger dem Krankenhaus verbunden sind.“ Wenn es den Förderverein nicht gegeben hätte, wäre die Schließung „schon Jahre vorher“ gekommen, denn die Rahmenbedingungen für das Haus seien „schon lange schwierig“ gewesen.

Und die spannende Frage, warum es statt der Auflösung des Vereins nicht zur Fusion mit dem Förderverein des Marienhaus-Klinikums Saarlouis gekommen sei, wurde erst ganz am Ende gestellt. Wolfgang Steffen aus Nalbach, seit 2002 Mitglied in Dillingen, hätte „einen Zusammenschluss erwartet.“ Das habe man diskutiert, aber „die Satzung gibt das nicht her“, sagte Bannenberg. Der Vorsitzende wolle aber die Mitglieder „ermuntern, es sich zu überlegen, sich dem Verein in Saarlouis anzuschließen“.

Offenbar gibt es über die formalen Gründe hinaus jedoch weitere Überlegungen gegen eine Fusion mit Saarlouis. Das machte jedenfalls der Debattenbeitrag von Andres Krüger deutlich. „Wir sind Dillinger und hatten lange das Gefühl, vom Träger in Saarlouis nicht ernst genommen zu werden“, sagte er. In der Abwicklung sei die Zusammenarbeit zwar „hervorragend“ gewesen, zuvor habe es jedoch viele Spannungen gegeben. Er selbst sei zwar Mitglied im Förderverein Saarlouis geworden, aber „einbringen werde ich mich dort nicht“.