JVA verwandelt sich in Manege

Lebach/Ottweiler. Bereits nach wenigen Minuten verwandelte sich die Turnhalle der Jugendvollzugsanstalt (JVA) Ottweiler in eine Manege. 24 Jugendliche im Alter von 16 bis 22 Jahren versuchten sich in Sachen Akrobatik

Lebach/Ottweiler. Bereits nach wenigen Minuten verwandelte sich die Turnhalle der Jugendvollzugsanstalt (JVA) Ottweiler in eine Manege. 24 Jugendliche im Alter von 16 bis 22 Jahren versuchten sich in Sachen Akrobatik. Seit 2009 kommen ein- zweimal im Jahr Mitglieder des Zirkus Keplerani nach Ottweiler, um mit jugendlichen Inhaftierten eine gute Stunde zu proben, ihnen Tricks und Kniffe in Bezug auf Jonglage beizubringen. Marvin (17), Pascal (16), Etienne (17), Simon (16) sowie Michelle (16) und Nancy (16) waren mit ihren Lehrern Burkhardt Claes und Kai Kreutzer diesmal dabei. Besonders beliebt waren die Diabolos. Ein Inhaftierter zeigte dabei besonderes Geschick. "Ich habe das als Kind in Bremen in der Schule gelernt", erzählt er. Beim Hochwerfen hat er soviel Schwung, dass das Diabolo im Netz unter der Decke hängen bleibt. Doch das Malheur ist schnell aus der Welt geschafft. Ein Fußball wird mehrmals ans Netz geschlagen. "Du musst mit den Augen nachschauen und die Leine straff halten", erklärt Claes, damit das Diabolo auch wieder eingefangen werden kann. Auch lernten die jugendlichen Inhaftierten, wie mit Keulen oder Bällen umgegangen werden muss. "Immer schön locker aus dem Handgelenk."

Das sieht sich so einfach an, aber dass dahinter sehr viel Üben steckt, merkten die Gefangenen schnell. 18 waren an diesem Nachmittag in die Halle gekommen. Sie sind zwischen 16 und 22 Jahre alt, sitzen wegen Diebstahl, Drogen oder Gewaltvergehen. In Ottweiler sind 91 Jugendliche in Strafhaft, 20 in U-Haft und 85 Erwachsene inhaftiert. Für die tägliche Sportstunde sind Hans Geib und Christoph Finkler seit vielen Jahren zuständig. Beide sind schon mehrere Jahrzehnte im Vollzug tätig. "Über den Sport bekommt man die Jungs gut geregelt", merkte Geib an, "da verstellt sich niemand". Die meisten der Gefangenen machen auch immer mit.

Auf die Frage, wie's denn so im Knast gewesen sei, sind sich die Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums einig: Der Umgangston war nett und sehr höflich. Simon wurde sogar von einem Inhaftierten gesiezt. Das hat er aber schnell abgelehnt, zumal er auch erst 16 ist. In drei Etappen wurde jongliert. Beim Wechsel klatschten einige sogar ab. Zum Schluss des Workshops konnte jeder sein Lieblingsgerät auswählen. Und die Diabolos waren am schnellsten vergriffen.

 Mitglieder des Lebacher Zirkus Keplerani besuchten die JVA in Ottweiler und jonglierten mit den dort einsitzenden Jugendlichen. Mit dabei war Burkhard Claes (Zweiter von links), Lehrer am Johannes-Kepler-Gymnasium. Foto: Andreas Engel
Mitglieder des Lebacher Zirkus Keplerani besuchten die JVA in Ottweiler und jonglierten mit den dort einsitzenden Jugendlichen. Mit dabei war Burkhard Claes (Zweiter von links), Lehrer am Johannes-Kepler-Gymnasium. Foto: Andreas Engel

Mit Applaus wurde auch nicht gespart, als die Keplerani zum Abschluss noch einige künstlerische Kostproben gaben - und damit die Jugendlichen weiterhin üben können, hatten die Lebacher noch ein paar Sätze Bälle mitgebracht. Aber auch sie erhielten vom Förderverein im Gegenzug ein Geldgeschenk.