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Jüdisches Museum on tour
Jüdisches Museum zu Gast in Dillingen

Das Leben jüdischer Jugendlicher thematisierte Museumspädagoge Johannes Schwarz (rechts, blauer Pullover) am TWG Dillingen.
Das Leben jüdischer Jugendlicher thematisierte Museumspädagoge Johannes Schwarz (rechts, blauer Pullover) am TWG Dillingen. FOTO: Johannes A. Bodwing
Dillingen. Zehntklässler des Technisch-Wissenschaftlichen Gymnasiums erfuhren Hintergründe über das jüdische Leben in Deutschland.

Das jüdische Leben in Deutschland ist keine Vergangenheit. Dennoch werde beim Thema Juden oftmals so geredet, als sei das alles vorbei, stellte am Donnerstag Alexander Green fest. Green und zwei weitere Vertreter des Jüdischen Museums Berlin besuchten von Montag bis Freitag fünf Schulen im Saarland. Darunter auch das Technisch-Wissenschaftliche Gymnasium (TWG) Dillingen. Den Kontakt hatte Björn Jacobs vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) hergestellt.


Zwölf Millionen Juden leben heute weltweit, 250 000 davon in Deutschland. „Etwa die Hälfte derer in den 30er Jahren“, sagte Green. „Damals waren es um die 500 000.“ Große rote Würfel lagen in der Aula des TWG. Mit Aufschriften an mehreren Seiten und eingefügten Gegenständen unter durchsichtigem Plastik. Beispielsweise eine Jeans, Nivea-Dosen und Kondome. Die regten Schülerinnen und Schüler zum Fragen an, denn bei allem gab es einen Bezug zum Jüdischen und zum heutigen Alltag. So erfand Levi Strauss 1870 in den USA die Jeans. In Deutschland entwickelte Oscar Troplowitz 1911 Nivea, und dort fertigte 1912 Julius Fromm erstmals nahtlose Kondome.

Es gehe darum, Vorurteile und Klischees abzubauen, sagte Museumsmitarbeiterin Ines Meyer-Kormes. Denn „in den Köpfen hat sich nicht viel geändert“. Seit 2007 ist das jüdische Museum mit dem Informationskonzept „on tour“ unterwegs, und ihrem Eindruck nach falle es inzwischen vielen Menschen zunehmend leichter, die alten Vorbehalte zu äußern.



Jüdische Jugendliche schlagen sich mit den gleichen Problemen herum wie christliche, stellten Schülerinnen und Schüler fest. „Da gehen auch welche nur deshalb in den Gottesdienst, weil es von ihnen erwartet wird“, sagten Mädchen einer Klasse. Dort hatte Museumsmitarbeiter Johannes Schwarz Tablets mit Tagebüchern junger Juden verteilt. „Wie stolz und selbstbewusst die mit ihrem Leben umgeht“, wunderten sich beispielsweise Jan und Helen über eine 20-Jährige, die mit elf Jahren aus der Ukraine nach Deutschland kam.

„Das ist Teil des regulären Unterrichts bei uns“, sagte TWG-Leiter Gerhard Jacob zu der halbtägigen Veranstaltung an der Schule. Es werde überlegt, so etwas öfter zu machen und auch mal länger. Am Donnerstag waren alle 10er-Klassen des TWG beteiligt, knapp 90 Schülerinnen und Schüler.

Das Jüdische Museum öffnete 2001 in Berlin und wurde zu einer Bundesstiftung. Täglich besichtigen etwa 2000 Besucher die Ausstellungen und Veranstaltungen, deren Schwerpunkt auf der Bildungsarbeit beruht. Seit 2007 ist es mit „on tour“ unterwegs. Weitere Informationen im Internet.

(az)