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„Johannes Hoffmann gab den Ausschlag“

„Johannes Hoffmann gab den Ausschlag“

Der aus Saarlouis stammende Rechtshistoriker Thomas Gergen hat erstmals die Gründungschronik des 1949 eingeweihten und 2009 aufgegebenen Klosters Bous veröffentlicht. Teil eins ist soeben in der Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend erschienen. Fortsetzung folgt, kündigt er im Gespräch mit SZ-Redakteur Johannes Werres an.

Herr Gergen, was haben Sie untersucht und veröffentlicht?

Gergen: Die Gründungschronik des Redemptoristenklosters Heiligenborn in Bous. Der erste Teil ist auf 80 Seiten in der neuen Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend abgedruckt. Er betrifft die Zeit von 1948 bis 1951. Diese historische Quelle war bisher noch nicht ausgewertet worden, sie ist bislang unveröffentlicht.

Was geht daraus hervor?

Gergen: Vor allem werden die Verbindungen des Klosters mit Bürgern, Unternehmen und Behörden in Bous und Umgebung in der Nachkriegszeit deutlich.

Können Sie ein paar Einzelerkenntnisse nennen?

Gergen: Die Gründungschronik macht deutlich: Das Kloster wurde von der christlichen Saar-Regierung gefördert, vor allem vom Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann selbst. Dieser wusste 1947/48 nicht, ob das traditionelle Benediktinerkloster Tholey wiederbesiedelt würde. Dies geschah ja erst 1949. Und außerdem sollte Bous eine Weiterführung des Klosters Wadgassen sein, das Ende des 18. Jahrhunderts untergegangen war und nie wieder eröffnet wurde. Tholey dagegen gelang ja eine Wiederbesiedlung 1949 und eine Existenz bis heute.

Was interessierte Johannes Hoffmann an der Klostergründung?

Gergen: Hoffmann wollte in jedem Fall ein Kloster an der Saar, das Gemeindemissionen durchführen sollte zusätzlich zur Betreuung der Gläubigen in den Pfarreien. Und so führten die Bouser Redemptoristen noch bis zur Schließung solche Gemeinde missionen durch. Die Klosterleitung hatte daher natürlich Sympathie für die Politik Hoffmanns und die seiner europäischen Lösung für das Saarland. Das wird auch die weitere Folge zeigen, wenn wir die Akten bis 1955 und danach im Abstimmungskampf anschauen. In der Gründungsphase wurde aber der Grundstein gelegt für die europa-freundliche Haltung des Klosters, im Gegensatz etwa zum Pfarrer in Bous St. Peter, der die CDU-Haltung einnahm, also die Position der so genannten Heimatbundparteien, die die Eingliederung in die Bundesrepublik wollten und gegen das Saar-Statut predigten. Hoffmann gab letztlich den Ausschlag und empfahl Bous. Das Kloster wurde auf den Mauern eines HJ-Heimes gebaut und symbolisierte so den Sieg des Christentums über den gescheiterten Nationalsozialismus.

Geht es weiter mit der Veröffentlichung?

Gergen: Ja. Ich freue mich, dass die Vereinigte Volksbank Sulzbach die weitere Veröffentlichung unterstützt. Die Zusage ist gerade eingetroffen.