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„Jetzt erfüllt mir der Chor einen großen Wunsch“

„Jetzt erfüllt mir der Chor einen großen Wunsch“

Nach zehn intensiven Jahren verlässt der künstlerische Leiter, Dirigent Stephan Langenfeld, den Madrigalchor Dillingen.

Stephan Langenfeld, 35, ist als Sohn von Chordirektor ADC (Arbeitsgemeinschaft deutscher Chorverbände) Walter Langenfeld mit Chormusik groß geworden. Somit wunderte es nicht, dass er in seine Fußstapfen trat. Die Grundlagen für seine Tätigkeit legte er mit der kirchenmusikalischen Ausbildung im Speyerer Bistum (C-Ausbildung). Ein Meisterkursus bei Frieder Bernius, dem deutschen Chorspezialisten und Leiter des international gefeierten Stuttgarter Kammerchors, schloss die Ausbildung als Chordirigent ab. 2007 übernahm er als künstlerischer Leiter den renommierten Madrigalchor Dillingen, den er nach dem Festkonzert am Sonntag, 25. Juni, 19 Uhr, im Saardom Dillingen verlassen wird.

Herr Langenfeld, Sie wollen den Madrigalchor Dillingen nach zehn Jahren abgeben. Warum?

Langenfeld Ich habe das Gefühl, dass der Chor einen neuen Impuls braucht. Dazu kommt, dass ich inzwischen eine Familie mit zwei kleinen Kindern habe, die ihre Ansprüche haben. Und da ich ja auch Organist in Beckingen bin, Leiter des Kirchenchors Saarfels und des Vokalensembles "picante", fühle ich mich mehr als ausgelastet. Außerdem und nicht nebenbei bin ich im Hauptberuf Sachbearbeiter im Bauamt der Gemeinde Mettlach.

Gibt es einen Nachfolger?

Langenfeld Ja, Armin Lamar aus Überherrn, Regionalkantor im Bistum Trier - Kantor der Pfarreien St. Ludwig Saarlouis und St. Crispinus und Crispinianus Saarlouis - Lisdorf. Innerhalb der Seelsorgeeinheit leitet er bereits mehrere Chorgruppen.

Der Madrigalchor verfügte nach 40-jährigem Bestehen bereits über ein großes Repertoire. Worauf haben Sie Wert gelegt?

Langenfeld Wichtig waren mir der A-cappella-Gesang und eine gepflegte Stimmkultur. Eingeübt haben wir Oratorien und groß angelegte Messen. Aber wir hatten auch kleinere Auftritte beim AKV (Arbeitskreis kultureller Vereine). Mit schöner Regelmäßigkeit haben wir die "Sommerserenade" im Dillinger Stadtpark mit einem Cross-over-Programm bestritten. Meinen Schwerpunkt habe ich auf die Einübung größerer Werke gelegt, insbesondere aus der Romantik wie die Cäcilienmesse "solonnelle" von Charles Gounod, die wir für das Jubiläumskonzert am 25. Juni proben. Diese wunderschöne Messe, die ich mit meinem Vater in Rom mit dem Gemischten Chor Weiskirchen und dem Kirchenchor Saarfels aufgeführt habe, ist mir ans Herz gewachsen. Jetzt - zu meinem Abschied - ist der Tag gekommen, an dem mir der Madrigalchor mit der Aufführung einen großen Wunsch erfüllt.

Was waren für Sie die intensivsten Momente in den zehn Jahren?

Langenfeld Das Jahreskonzert 2013 mit dem "Requiem für J. F. Kennedy" von Robert Carl, dem saarländischen Komponisten, und der Dvorák-Sinfonie "Aus der Neuen Welt". Es war gleichzeitig eine Hommage an meinen Vater, der kurz zuvor gestorben war. Ein anderes Erlebnis war die gelungene Aufführung der "Schöpfung" von Haydn Mai 2014. Gerne erinnere ich mich auch an den 50-jährigen Geburtstag des "Männerquartetts", aus dem der Chor hervorgegangen ist: insbesondere an den "Lobgesang" von Mendelssohn-Bartholdy im Dom und die "Carmina Burana" von Orff im Dillinger Lokschuppen.

Macht Sie der Abschied vom Madrigalchor Dillingen nicht traurig?

Langenfeld Natürlich. Ich hätte nie erwartet, dass ich einmal die Möglichkeit bekommen würde, mit diesem damals bereits renommierten Chor so anspruchsvolle Musik aufzuführen. Dafür bin ich dankbar.

Das Gespräch führte Jutta Stamm.