Hitze macht aus Reifen Öl

Dillingen. "Wir können alle Bestandteile eines Reifens nutzen", erklärt Klaus Peter Schulz, Entwickler und Patentinhaber der neuartigen Recycling-Anlage von Pyrum Innovations. Dafür sei keine Energie von außen nötig. 6,5 Meter ragt der schmale Kondensationsturm in einer Halle im Dillinger Industriegebiet Nord auf

Dillingen. "Wir können alle Bestandteile eines Reifens nutzen", erklärt Klaus Peter Schulz, Entwickler und Patentinhaber der neuartigen Recycling-Anlage von Pyrum Innovations. Dafür sei keine Energie von außen nötig. 6,5 Meter ragt der schmale Kondensationsturm in einer Halle im Dillinger Industriegebiet Nord auf.50 Messpunkte kontrollierenEs ist ein geschlossenes System, sobald die Zufüllklappe zurückfährt. Aggregate und Leitungen stecken in einem Stahlgerüst mit der Grundfläche 2,5 mal 2,5 Meter. Etwa 50 Messpunkte kontrollieren unter anderem Druck, Temperatur und Gasanteile. "Es gibt weltweit nichts Vergleichbares", stellt Pyrum-Präsident Pascal Klein dar. Mittels Pyrolyse werden alte Autoreifen schadstofffrei bei 500 bis 800 Grad in ihre Ausgangsstoffe zerlegt. In wieder verwendbaren Koks, in Ruß und Öl. Entstehendes Gas sorgt für die Betriebstemperatur. Wie in einer Destillationsanlage bilden sich in drei Stufen Schweröl, Mittel- und Leichtöl. Derzeit aus rund einer Tonne Gummigranulat im 24-Stunden-Betrieb.Eine Großanlage könnte pro Jahr 30 000 Tonnen Altreifen bewältigen und etwa 30 Arbeitsplätze schaffen. Die Kosten dafür werden auf rund 20 Millionen Euro geschätzt. Der modulare Aufbau lasse fast beliebig Erweiterungen zu, auch für das Recycling von Kunststoffen und organischen Substanzen. Mit der Pilotanlage zeige Pyrum, dass diese Technik auch in der Praxis funktioniere, sagt Klein.Bei der Suche nach Investoren könne man nach gut zwei Jahren Planung nun konkrete Daten und Endprodukte vorweisen. Von bislang 350 000 Euro für das Projekt stammt etwa die Hälfte aus den eigenen Taschen. Pascal Klein und Julien Dossmann sind Hauptgesellschafter von Pyrum Innovations, mit je 45 Prozent Anteil. Michael Kapf und Stephan Adams halten je fünf Prozent.Suche nach FördermittelnDas Durchschnittsalter von 23 Jahren wird zuweilen zum Nachteil bei der Suche nach Fördermitteln. Im Saarland habe es bislang wenig Interesse gegeben, sagt Klein, auch nicht beim Bund. In Frankreich sehe das anders aus. So war am Samstag Adrien Zeller, Präsident des elsässischen Regionalrates, extra angereist. Auch die EU wolle mit Fördermitteln einsteigen. Vor diesem Hintergrund deutet sich nun an, dass die Großanlage im Raum Straßburg entstehen wird.

HintergrundPyrum Innovations besteht aus der französischen Pyrum Innovations SAS; Ziel ist, Anlagen zu betreiben. Pyrum Innovations ESC plant und entwickelt Anlagen, eine luxemburgische Gesellschaft von Pyrum Innovations hält das Patent. az