| 21:27 Uhr

Helfer finden zwei tote Luftwaffensoldaten

Bei Ausgrabungen am Samstag wurden zwei tote deutsche Luftwaffen-Soldaten des Zweiten Weltkrieges auf einem Feld zwischen Pachtener Heide und Beckingen entdeckt. Fotos: Bodwing
Bei Ausgrabungen am Samstag wurden zwei tote deutsche Luftwaffen-Soldaten des Zweiten Weltkrieges auf einem Feld zwischen Pachtener Heide und Beckingen entdeckt. Fotos: Bodwing
Beckingen/Dillingen. "Da läuft es mir immer noch kalt den Rücken runter", sagt Hans-Peter Jung am Samstagmittag und lässt auf einem Feld nahe Beckingen das Handy sinken. Gerade hat er erfahren, dass rund 800 Meter weiter im Wald ein Gefallener des Zweiten Weltkrieges gefunden wurde Von SZ-Mitarbeiter Johannes A. Bodwing

Beckingen/Dillingen. "Da läuft es mir immer noch kalt den Rücken runter", sagt Hans-Peter Jung am Samstagmittag und lässt auf einem Feld nahe Beckingen das Handy sinken. Gerade hat er erfahren, dass rund 800 Meter weiter im Wald ein Gefallener des Zweiten Weltkrieges gefunden wurde. Einer von rund 300 deutschen Soldaten, die in dem Abschnitt zwischen Pachtener Heide und Beckingen noch immer als vermisst gelten. Seit Ende 1944, als der Zweite Weltkrieg die Saar erreichte.


Um das Schicksal Vermisster aufzuklären, war an Karfreitag und Samstag erneut der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa, kurz VBGO, im Einsatz. Mit ehrenamtlichen Helfern aus Holland, Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Hans-Peter Jung ist zweiter Vorsitzender des Vereins.

An der Fundstelle im Wald wartet ein kleines Team mit dem Niederländer Harald Kryszat. Der war mit seiner Sonde auf den Toten gestoßen. Den entscheidenden Hinweis jedoch habe ein alter Mann gegeben, erklärt Jung. "Als Kind war der hier und wusste noch, dass dort tote Soldaten lagen." Das könne man nun schon als eine Art Notgrabung sehen, sagt Jung. Denn immer wieder seien Leute mit Sonden unterwegs, die nach Militaria suchten. Die nähmen wenig Rücksicht, um an Koppeln heranzukommen, an Stahlhelme oder Patronentaschen. "Wir machen das mit dem nötigen Respekt vor den Toten", führt Jung weiter aus, während die Fundstelle behutsam freigelegt wird. Eine Archäologin dokumentiert dabei Suche und Funde. Etwas ratlos arbeiten sich die VBGOler mit Spachteln und Pinsel tiefer in die Erde hinein. Denn in der rechten Ecke des Grabes ragen nun Stiefelspitzen auf, fast im rechten Winkel dazu stecken links ein Essgeschirr im Boden und Rippenteile.



"Das sind zwei!", heißt es schließlich. Etwa einen halben Meter tief liegen die Überreste der Soldaten nebeneinander in der Erde. Jeweils mit dem Kopf auf Fußhöhe des anderen. Beide gehörten zur Luftwaffe, wie ihre Koppelschlösser erkennen lassen. "Vermutlich um Weihnachten 1944 gestorben", vermutet Dominik Peter, VBGO-Organisationsleiter. Damals seien Luftwaffensoldaten am Trierer Bahnhof gewesen für den Weitertransport zur Oder. Wegen starker Vorstöße der Amerikaner bei Dillingen habe man sie in Eilmärschen an die Saar gebracht.

Knochen sind alles, was von den Toten selbst übrig geblieben ist. Sie werden gegen Abend geborgen. Dazwischen tauchen ein Füller auf, Taschenspiegel, Tabletten zur Wasseraufbereitung und Ausrüstungsgegenstände. Aus Resten einer Zeltplane folgert der VBGO, dass die Toten "einigermaßen ordentlich beigesetzt" wurden. Verdreckte und mit feuchtem Erdreich verklumpte Geldbeutel kommen zum Vorschein. Das sei später Arbeit für Fachleute, sagt Jung. Vielleicht fänden sich darin Ausweise, ein Brief, irgendwas, das auf die Identität der Toten verweise.

Auch die Erkennungsmarken sind vorhanden, jeweils eine Hälfte ist abgebrochen. Trotz ihres schlechten Zustandes kann Hans-Peter Jung an Ostermontag die Nummern durchgeben. "Das eine ist die 1663", sagt er am Telefon. "Der gehörte zu einer Flak-Abteilung." Die andere Nummer laute 584, Soldat einer Technischen Kompanie. "Mit all dem haben wir gute Chancen, herauszufinden, wer die beiden Toten sind."

Helfer des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) bergen die Toten.
Helfer des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) bergen die Toten.
Bei Ausgrabungen am Samstag wurden zwei tote deutsche Luftwaffen-Soldaten des Zweiten Weltkrieges auf einem Feld zwischen Pachtener Heide und Beckingen entdeckt. Fotos: Bodwing
Bei Ausgrabungen am Samstag wurden zwei tote deutsche Luftwaffen-Soldaten des Zweiten Weltkrieges auf einem Feld zwischen Pachtener Heide und Beckingen entdeckt. Fotos: Bodwing
Helfer des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) bergen die Toten.
Helfer des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) bergen die Toten.
Bei Ausgrabungen am Samstag wurden zwei tote deutsche Luftwaffen-Soldaten des Zweiten Weltkrieges auf einem Feld zwischen Pachtener Heide und Beckingen entdeckt. Fotos: Bodwing
Bei Ausgrabungen am Samstag wurden zwei tote deutsche Luftwaffen-Soldaten des Zweiten Weltkrieges auf einem Feld zwischen Pachtener Heide und Beckingen entdeckt. Fotos: Bodwing
Helfer des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) bergen die Toten.
Helfer des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) bergen die Toten.