Classics Night : Großartiges Crossover in großartiger Kulisse

Classics Night : Großartiges Crossover in großartiger Kulisse

Wieder fand die Classics-Night im Dillinger Lokschuppen vor zweimal 1000 Besuchern statt. Die Leitung hatte Thomas Bernardy. Und auch bei der neunten Auflage waren die Liebhaber von Pop und Klassik wieder begeistert.

Alle Superlative vermögen nicht die Leistung der über 70 Musiker und Musikerinnen sowie die überschäumende Stimmung im Publikum zu beschreiben. Wer das von Thomas Bernardy arrangierte Konzert nach dem Vorbild der „Last Night of the Proms“ in der Londoner Royal Albert Hall besuchte, gehört mit Sicherheit zu denen, die nach zwei Zugaben ihrem angestauten Jubel Luft machten.

Wie in den Jahren zuvor ist der „Andere Chor“ mit seinem geschulten Stimmpotenzial und seinen rhythmischen Gesängen hervorragend aufgestellt. Und auch das Classics-Night-Orchester sowie die Band begleiten Chor und Solisten erstklassig. Beeindruckend geschlossen und homogen gelingt ihnen mit dem Arrangeur und Konzertdirigenten Bernardy am Klavier der Auftakt mit der festlichen „Champignons-League-Hymne“ von Tony Britten. Fetzig geht es weiter mit „September“, dem bekannten Song der amerikanische Soul- und Funk-Band „Earth, Wind & Fire“ aus den 1970er Jahren. Zehn Jahre später (1981) entstand der weltberühmte Song „Arthur‘s Theme“ von Christopher Cross, den Horst Friedrich, beliebter Popsänger und in der Region bestens bekannt, mit Leidenschaft vorträgt – ebenso wie beispielsweise (im Gedenken an Roger Cicero) die wunderschöne Ballade „In diesem Moment“. Friedrich gehört bereits zur Crew der Classics-Night und hat nicht an Beliebtheit eingebüßt.

Auch seit Jahren dabei ist die texanische Sopranistin Elizabeth Wiles, die bisher zum Ensemble des Saarbrücker Staatstheaters zählte und jetzt in die Selbständigkeit wechselte. Ihre zauberhafte, bewegliche Stimme mit großer Spannbreite begeistert ebenso wie ihr kesses schauspielerisches Talent, mit dem sie ihr Publikum in ihren Bann schlägt. Sie fasziniert unter anderem mit der Arie „Una voce poco fa“ aus dem Barbier von Sevilla von Rossini sowie mit „Once upon a time in the West“, dem berühmten Song von Ennio Morricone (Sänger der Manfred Mann‘s Earth-Band), den Wiles bewegend romantisch interpretiert, indem sie die Melodie, nicht aber den Text singt.

In jeder Classics-Night stellt Bernardy einen Nachwuchskünstler vor – diesmal Hubertus Pablo, der sein brillantes Können als Geiger unter Beweis stellt. Der 16-jährige Schüler des Dillinger Albert-Schweitzer-Gymnasiums spielt mehrere Instrumente, wurde an Oboe und Saxophon ausgebildet, favorisiert jedoch inzwischen die Violine. Während sein erstes Stück als Paradestück – das „Prélude“ aus Partita Nr. 3 von Bach – seiner Virtuosität gewertet werden kann, verzaubert er mit Sarasates „Introduction et Tarantelle“.

Die absolute Überraschung dieses fulminanten Abends ist außer Frage die junge Belgierin Typh Barrow. Mit ihrer rauchigen Blues-Stimme, ihrem bescheidenen Auftreten und ihren einzigartigen Interpretationen begeistert sie und motiviert zu Stehenden Obationen. Gerne wird ihr Timbre mit dem von Janis Joplin und Amy Winehouse verglichen, was ihr nicht sehr gefällt und ihr doch ein bisschen schmeichelt, wie sie im Gespräch mit Bernardy verrät.

Der absolute Star des Abends ist und bleibt aber dennoch Bernardy, dem es wieder einmal gelungen ist, zwei außergewöhnliche Konzerte mit außergewöhnlichen Künstlern zu präsentieren. Bravissimo!