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Gerade Kindern fehlen Perspektiven

Gerade Kindern fehlen Perspektiven

Dillingen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt in Dauerarmut, schätzt Dieter Filsinger, Soziologe an der HTW Saarbrücken. Ein weiteres Drittel sei hier und da auf Unterstützung angewiesen, und nochmals ein Drittel der Bevölkerung sei nie arm

Dillingen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt in Dauerarmut, schätzt Dieter Filsinger, Soziologe an der HTW Saarbrücken. Ein weiteres Drittel sei hier und da auf Unterstützung angewiesen, und nochmals ein Drittel der Bevölkerung sei nie arm. Gerade Kindern fehlten vielfach die Perspektiven, führte Filsinger weiter aus, "das sollte sich eine Gesellschaft auf keinen Fall leisten". Armut hat auch im Saarland Fuß gefasst. Das kam am Dienstagabend im Konferenzraum der Stadthalle Dillingen zur Sprache. Dorthin hatte die Katholische Erwachsenenbildung Dillingen Vertreter von Politik und sozialen Einrichtungen zu der Gedenkveranstaltung 2009 an Oswald von Nell-Breuning eingeladen. Das brisante Thema "Armes Deutschland!" fand zirka 40 Zuhörer. Aktuelle Zahlen für die Stadt Dillingen gehen davon aus, dass 13,8 Prozent der Einwohner Sozialleistungen erhalten. Jedes siebte Kind lebe an oder unter der Armutsgrenze. Und was als Dillinger Tafel bekannt ist, hilft täglich rund 360 Menschen. Vor zwei Jahren waren es etwa 90. "Wir haben 1331 Erwachsene und 763 Kinder in unserer Kartei", sagte Heidi Zech von der Dillinger Tafel.Sozialkaufhaus geplant Als "Mahnmal an die Gesellschaft" bezeichnete Gerd Thewes vom Caritasverband die Tafeln. Das lindere die Not, löse jedoch nicht die Probleme. "Ich hoffe, dass wir diese Einrichtungen irgendwann nicht mehr brauchen." Von Beklemmung sprach Wolfgang Biehl vom Diakonischen Werk angesichts der erforderlichen Hilfen. Das reiche von Kleiderkammern über Essensausgabe bis demnächst zu einem Sozialkaufhaus in Saarlouis. Bei anhaltender Armut sieht Dieter Filsinger die Gefahr einer neuen Unterschicht, bestehend aus einem Drittel dauerhaft armer Menschen. "Dann hätten wir wieder eine Klassengesellschaft." Die Lösung des Problems umfasse aber nicht nur materielle Unterstützung. Wichtig sei, die Kompetenzen der Betroffenen zu stärken. Die massive Ausrichtung an Leistung und Eliten hielt Filsinger im Gespräch mit Moderator Gerhard Alt für nicht zielführend. Vielmehr habe die soziale Gerechtigkeit mit zur Stärke des Landes beigeführt, dazu gebe es sogar wissenschaftliche Befunde. Eines der "grundsätzlichen Probleme" in Deutschland sei es, Länder wie Großbritannien und USA nachzuahmen, sagte Sozialminister Gerhard Vigener. "Dort stand immer das Kapitel im Vordergrund. Die stürzen momentan von oben nach unten." Die eingeladenen Parteien wirkten vielfach wahlkampflastig, aber wenig konkret, was das Armutsproblem angeht. Von CDU, FDP, Grünen, Linke und SPD kamen vor allem die längst bekannten Positionen. "Schockiert" zeigte sich eine Landtagsabgeordnete, dass Arme zehn Jahre früher sterben. Darauf Dieter Filsinger: "Das ist seit 20 Jahren bekannt."