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Bürgerinitiative
Anwohner befürchten „Massenverkehr“

Die Zufahrt zur Kompostieranlage in Dillingen auf der Pachtener Heide, am Ende der Berliner Straße. Anwohner befürchten, dass der Verkehr dorthin massiv zunehmen wird.
Die Zufahrt zur Kompostieranlage in Dillingen auf der Pachtener Heide, am Ende der Berliner Straße. Anwohner befürchten, dass der Verkehr dorthin massiv zunehmen wird. FOTO: Joshua Schwinn
Dillingen/Wallerfangen. Geplante Kooperation beim Grünschnitt zwischen Dillingen und Wallerfangen sorgt für Empörung bei Bürgern.

Die geplante Zusammenarbeit der Nachbarkommunen Dillingen und Wallerfangen bei der Grünschnitt-Annahme (die SZ berichtete mehrfach) sorgt für Ärger. Vereinbart ist, dass Wallerfanger Bürger künftig ihren Grünschnitt gegen Gebühr zur Annahmestelle in Dillingen bringen können. Hintergrund ist, dass seit Januar alle saarländischen Kommunen für die jeweilige Grünschnittannahme selbst zuständig sind und Wallerfangen keine eigene Annahmestelle hat.


Anlieger des Dillinger Stadtteils Pachtener Heide/Fischerberg haben nun eine Bürgerinitiative gegründet, weil sie befürchten, dass der Verkehr zur Dillinger Anlage deutlich zunehmen wird. Sie wollen „eine weitere Verkehrsbelastung dieser Stadtteile verhindern“. Die Bürger fühlen sich übergangen, da der Stadtrat die Kooperation „ohne Unterrichtung der betroffenen Anwohner in nichtöffentlicher Sitzung beschließen will“.

In der Stadtratssitzung am Donnerstag, 22. März, soll der Dillinger Rat beschließen, was sein Ausschuss schon vorberaten hat: Dillingen übernimmt, zunächst nur für das Jahr 2018, den Grünschnitt der Gemeinde Wallerfangen in der Kompostieranlage Pachtener Heide. Wallerfangen zahlt der Stadt Dillingen im Gegenzug eine „Miete“ von 15 000 Euro für die Mitbenutzung der Anlage. Die Gebühren für die Annahme werden zudem auch in Dillingen steigen.

„Um zur Dillinger Kompostieranlage zu gelangen, müssen die Grünschnitt-Anlieferer nicht nur die ohnehin schon extrem umwelt- und verkehrsbelastete Stadt Dillingen mit ihren PKW und LKW durchqueren, sondern auch die ruhigsten reinen Wohngebiete der Stadt, Fischerberg und Pachtener Heide“, heißt es im Schreiben der Bürgerinitiative.

Die Anwohner empört vor allem, dass ihnen eine „zusätzliche Umweltbelastung durch Feinstaub, Lärm und Massenverkehr“ zugemutet würde, obwohl die Gemeinde Wallerfangen „auf dem Gau genügend Raum zur Verfügung“ habe, um eine eigene Deponie zu betreiben. Und sie kündigen an: „Die Bürgerinitiative wird diesen Anschlag auf ihre Gesundheit und ihre Wohngebiete nicht ohne Gegenwehr hinnehmen.“



Der Dillinger Bürgermeister Franz-Josef Berg, selbst Anwohner auf der Pachtener Heide, wundert sich über die Aufregung: Seit 2008 wird die Kompostieranlage auf der Pachtener Heide genutzt, und zwar bisher vermutlich auch von vielen Bürgern anderer Kommunen. „Wir haben das aber nie kontrolliert.“ Das wird mit der Gesetzesänderung nun anders: Künftig dürfen nur doch Dillinger anliefern, das wird an der Kasse überprüft. Und, wenn die Vereinbarung von beiden Kommunen beschlossen ist, auch Wallerfanger Bürger.

Berg geht davon aus, dass der Verkehr durch die neue Regelung nun sogar weniger wird. Mit einem „Massenansturm aus Wallerfangen“ rechnet er jedenfalls nicht. Und er betont auch, dass besagte Vereinbarung zunächst nur für 2018 gilt: „Es ist eine Probephase, danach sehen wir weiter.“

Zur Verwirrung der Bürger hat auch beigetragen, dass der Gemeinderat von Wallerfangen bereits im Februar die künftige Gebührenordnung beschlossen hat, während Dillingen das Thema erst kommende Woche auf der Tagesordnung hat.

Bürgermeister Günter Zahn nennt die Zusammenarbeit mit Dillingen „einen Glücksfall für Wallerfangen“, denn seine Gemeinde könne keine eigene Anlage stellen. Auch Zahn rechnet nicht mit einem zusätzlichen „großen Andrang“, zumal etliche Wallerfanger auch vorher schon nach Dillingen geliefert hätten. Es gebe zwar bisher keine belastbaren Zahlen, aber auch die Berechnungen des EVS seien von einer eher geringen Menge Grünschnitt, der in der Gemeinde verwertet werden muss, ausgegangen.

Die Bürgerinitiative will dennoch Unterschriften sammeln und gegen die Vereinbarung vorgehen; spätestens auch im nächsten Jahr, wenn über eine Verlängerung entscheiden wird.