Frauenanteil in Gemeinderäten ist im Kreis Saarlouis leicht gestiegen

Kostenpflichtiger Inhalt: Kommunalpolitik : Die Räte sind nicht weiblicher geworden

Dem Kreistag gehören prozentual die wenigsten Frauen an. In den Stadt- und Gemeinderäten sieht es etwas besser aus.

Mehr Frauen in die Kommunalpolitik – dieses Ziel hat sich der Deutsche Städte- und Gemeindebund gesetzt. Denn Frauen sind in ganz Deutschland, im Saarland, auch im Kreis Saarlouis, deutlich unterrepräsentiert: sowohl an den Rathausspitzen als auch in den kommunalen Räten. So sind auch nach der jüngsten Wahl im Mai nur zwei von 13 Bürgermeistern im Kreis Saarlouis Frauen (davon eine unter dem Oberbürgermeister). An Bewerberinnen hatte es diesmal in den Kommunen nicht gemangelt. Und dennoch: In Deutschland wird nur jedes zehnte Rathaus von einer Chefin regiert, ähnlich sieht es in den Landratsämtern aus.

Die Teilhabe von Frauen in den Stadt- und Gemeinderäten hat sich kreisweit im Schnitt nur ganz leicht verbessert: von 24,17 auf runde 25 Prozent. Auch wenn der Frauen-Anteil in den Räten von mageren 15,15 Prozent in Saarwellingen bis zu ansehnlichen 38,46 Prozent in Dillingen reicht: In keinem der 13 Kommunalräte sind auch nur annähernd die Hälfte der gewählten Volksvertreter weiblich. Vom Kreistag, in dem sich gerade mal 12,12 Prozent Frauen finden, ganz zu schweigen.

Mit dem Thema beschäftigte sich der „Erste Deutsche Frauenkongress kommunal“ im September in Mainz. „Derzeit haben wir zu wenig Frauen in den Kommunalparlamenten und in den Führungspositionen der Kommunalverwaltungen“, betonte dort Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Dabei gehe es nicht nur um demokratische Gesichtspunkte, sondern um bessere Politik in den Kommunen insgesamt. „Frauen bringen Kompetenzen, Sichtweisen und Erfahrungen mit, die unverzichtbar sind und die örtliche Gemeinschaft stärken.“

Der Städte- und Gemeindebund fordert ein Leitbild für Frauenförderung in der Kommunalpolitik: etwa familienfreundlichere Sitzungen, was Tagungszeit und Teilnahmepflicht betrifft, aber auch Nachwuchsgewinnung und Mentoring-Programme.

Frauenanteil_in_den_Raeten. Foto: SZ/Steffen, Michael

 Eine Kinderbetreuung während der Sitzungen oder eine Online-Teilnahme daran sind Ideen für die konkrete Umsetzung, auch kommunalpolitische Führung in Teilzeit und Paritätsgesetze, wie sie Brandenburg und Thüringen bereits beschlossen haben.

„Die Sitzungszeiten sind für viele ein Problem, auch für Väter übrigens“, weiß Astrid Brettnacher, Frauenbeauftragte des Landkreises Saarlouis. „Entweder ist man noch auf der Arbeit oder am Abend fehlt eine Kinderbetreuung.“ Ihrer Meinung nach wären jedoch „verbindliche Anfangs- und vor allem Endzeiten“ der Sitzungen ein Anfang.

Die Frauenbeauftragten der Kommunen thematisieren den Frauenmangel in Politik und Verwaltung schon lange. „Ich denke, die Problematik ist inzwischen erkannt“, meint Brettnacher, „auf Verwaltungsebene muss sich aber noch vieles ändern.“

Dass mehr Frauen sich in den Räten engagieren, hält sie für unverzichtbar: „Denn die Kommunalpolitik ist auch ein Sprungbrett in Führungspositionen in der Verwaltung. Die meisten Bürgermeister waren vorher im Gemeinderat.“ Auch weibliche Beigeordnete und Amtsleiter sind weitaus seltener als männliche.

Trotz zahlreicher Kampagnen in den vergangenen Jahren ließ sich der Frauen-Anteil in Kommunalparlamenten kaum steigern. Selbst vom Niveau der 90er Jahre, „die Hochzeit der Frauenbeteiligung“, wie Brettnacher anmerkt, ist man derzeit noch entfernt. Das liege nicht unbedingt daran, dass Frauen sich nicht zur Wahl stellen wollten, weiß sie: „Das Interesse ist bei vielen da, aber das bedeutet nicht, dass sie auch auf aussichtsreiche Listenplätze kommen.“

Frauenförderung und Netzwerkarbeit hält Brettnacher deshalb für immens wichtig. So würde sie sich auch mehr Frauenbeiräte im Kreis wünschen. „Das ist nicht nur sinnvoll, um die Sicht von Frauen darzustellen, sondern auch um in die Rats-Arbeit reinzuwachsen und dann vielleicht auch den Sprung in den Gemeinderat zu wagen.“

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