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Dreharbeiten
Wie Ausbildung in Deutschland funktioniert

Dreharbeiten im praktischen Unterricht von Thomas Schmitt (Zweiter von rechts) am TGBBZ Dillingen.
Dreharbeiten im praktischen Unterricht von Thomas Schmitt (Zweiter von rechts) am TGBBZ Dillingen. FOTO: Axel Künkeler
Dillingen. Ein französisches Filmteam drehte für ein Bildungsprojekt auch im Berufsschulunterricht der KFZ-Mechaniker am TGBBZ Dillingen. Von Axel Künkeler

Drei Tage lang war der Schulalltag am Technisch-Gewerblichen Berufsbildungs-Zentrum (TGBBZ) in Dillingen für einige Lehrer und Schüler mal ganz anders. Im Unterricht einer Klasse des dritten Ausbildungsjahres zum KFZ-Mechaniker führte ein französisches Kamerateam Dreharbeiten durch. Neben der Schule waren die KFZ-Innung sowie das Landesseminar für das Lehramt an beruflichen Schulen in Saarbrücken, ein Dillinger Ausbildungsbetrieb und die Technische Universität in Kaiserslautern weitere Drehorte.


Damit ist die Dillinger Schule Teil eines Projektes, das in acht Ländern Besonderheiten der europäischen Bildungssysteme untersucht. Die Themen sind breit gefächert, reichen von den Rahmenbedingungen für Schulleiter über die Beziehung von Eltern und Schulen sowie die Kindergarten-Erziehung bis zur Berufsausbildung in Deutschland. „Dabei geht es nicht darum, die Länder miteinander zu vergleichen“, sagt Pascal Fancea, der Leiter des Projekts. Vielmehr sollten zu jedem Thema die jeweiligen Besonderheiten eines Landes gezeigt werden.

In Deutschland ist das eben das System der dualen Berufsausbildung in Schule und Betrieb. Pascal Fancea arbeitet für das Netzwerk Canopé, eine Art Landesmedienanstalt, im Auftrag des Pariser Bildungsministeriums. Er will denjenigen, die im französischen Bildungssystem arbeiten, „die Augen öffnen“ und ihnen damit die verschiedene Herangehensweisen in Europa zeigen. Seit zwei Jahren arbeitet er an dem Projekt, das im Frühjahr 2019 abgeschlossen werden soll. Dann werden die Informationen zu den einzelnen Themen auf der Internet-Plattform von Canopé mit Textbausteinen und kurzen Filmen bereitgestellt.



In Deutschland sei die Arbeit „sehr einfach gewesen“, erzählt Fancea, „hier war alles bestens organisiert“. Als die Franzosen am Montagabend anreisten, hatte das TGBBZ alles vorbereitet, nachdem die Abstimmung mit den Franzosen schon seit April lief.

Gleich am Dienstag ging es dann in den Ausbildungsbetrieb in Dillingen und am Mittwoch zur KFZ-Innung nach Saarbrücken. Am Donnerstag folgten die Dreharbeiten am TGBBZ in Dillingen. Betreut wurden die Franzosen dabei von Fachlehrer M’hamed Flitti, der auch als Dolmetscher fungierte.

Der Kollege Matthias Pohl, Lehrer im KFZ-Bereich, zeigte mit seinen Schülern den theoretischen Unterricht, Thomas Schmitt als Lehrwerkmeister den praktischen Teil der Ausbildung am TGBBZ. Für die Lehrkräfte war die Abwechslung im Schulalltag „durchaus gewöhnungsbedürftig“, räumte Pohl ein. „Wir sind ja nicht jeden Tag im Fernsehen“, ergänzte Schmitt. „Zunächst fast ein wenig unangenehm, dann aber ganz normal“, war es auch für die Schüler, wie Max Reiter bestätigt. Es sei jedenfalls „interessant, das mitgemacht zu haben“, ergänzt sein Klassen-Kamerad Sebastian Zapp. Fragen an die Schüler seien durch die Franzosen aber nicht gestellt worden, die Kommunikation nur mit den Lehrern geführt worden, berichten sie.

Das Erlebnis verdanken sie der starken deutsch-französischen Kooperation des Technisch-Gewerblichen Berufsbildungs-Zentrums. Schulleiter Werner Thiel nahm im vergangenen Jahr auf Einladung des saarländischen Bildungsministeriums an einer Tagung in Poitiers teil. „Darüber ist letztlich auch der Kontakt zum Institut Canopé entstanden“, berichtet Thiel.

Ende Oktober gibt es für ihn bereits die nächste Gelegenheit, Gäste aus Frankreich an seiner Schule zu begrüßen. Dann werden die Schulleiterin und der Arbeitsdirektor sowie zehn Schüler einer Partnerschule aus La Réunion in Dillingen erwartet.