Flexibilität zahlt sich aus

Eigentlich suchte Jörg Trenz einen mobilen Außendienstmitarbeiter für seine Dillinger Firma. Dass sich Markus Heiser als Rollstuhlfahrer trotzdem bewarb, erwies sich als Glücksfall für beide.

Was einen guten Unternehmer ausmacht, ist, flexibel denken zu können. So einer ist Jörg Trenz, Chef des Dillinger Unternehmens Trenz Managementsysteme. Für ihn zählt vor allem die Qualifikation. Und so fackelte er auch nicht lange, als sich 2014 auf seine Stellenausschreibung für den Außendienst ein bestens qualifizierter Mann bewarb, der aber leider einen Nachteil mit sich brachte: Er sitzt im Rollstuhl. "Dass er das Potenzial hatte, war für mich keine Frage", sagt Trenz. "Also fragte ich mich: Wie kann ich ihn einbinden?" Der Außendienst entfiel auf Grund der eingeschränkten Mobilität. "Ich musste die interne Struktur komplett überdenken." Also bot er dem Bewerber ein Praktikum an und war gleich vollends überzeugt: "Er arbeitet extrem schnell und gut", lobt er.

Eine Chance für beide Seiten

Markus Heiser, promovierter Biogeograph, ist nun schon seit über einem Jahr in Trenz' Firma angestellt. Zwar nicht, wie ursprünglich von Trenz geplant, im Außendienst , sondern als "Back Office" zu Hause in Saarburg - doch diese Zusammenarbeit, sagt Trenz, hat der Firma viel gebracht. "Für uns war es auch eine Chance."

Trenz' Firma berät und betreut Unternehmen, vom Kleinstbetrieb bis zum Weltkonzern, im Qualitätsmanagement, Arbeits- und Umweltschutz. Da kannte sich Heiser aus: Zuvor hatte er in dem Bereich bei einer Baumaschinenfirma in Konz gearbeitet - allerdings nur im Rahmen eines Praktikums, ohne Chancen auf Übernahme. Zwei Jahre lang war der Dr. rer. nat. dann arbeitssuchend - eine frustrierende Zeit voller Absagen, erinnert sich der 33-Jährige: "Das hier war die große Chance." Dass Trenz und Heiser im Büro in der Dillinger Rosenstraße zusammentreffen, kommt eher selten vor. Denn Trenz ist die meiste Zeit bundesweit unterwegs und Heiser arbeitet normalerweise vom heimischen Schreibtisch aus. So wie es auch die anderen drei Mitarbeiter der Firma vorrangig tun. Der Kontakt zwischen den Kollegen und zu den Kunden läuft über Telefon, E-Mail und Video - "Hier sind neue Medien ein Riesenvorteil", meint Trenz.

Vorbehalte der Kollegen und auch der Kunden gab es nie, beteuert der 47-Jährige: "Ganz im Gegenteil hat mich manch einer positiv überrascht." Wegen seiner Querschnittslähmung braucht Heiser im Alltag ständige Pflege und Betreuung - auch unterwegs. Das ist derzeit der einzige Mehraufwand für Trenz: Stehen Dienstreisen für Heiser an, was sich nicht immer vermeiden lässt, muss eine Pflegeperson mitreisen. Für diese Mehrkosten wurde Trenz anfangs eine Erstattung zugesagt; doch bis heute hat er vom Integrationsamt Saarbrücken "wenig Entgegenkommen" erfahren, sagt er. Auch gebe es bisweilen Hindernisse, für Rollstühle wirklich geeignete Hotelzimmer zu finden, bedauert Heiser. "Man muss halt anders planen", meint Trenz: Flexibel sein.

Für "die vorbildlichen Eingliederungsbemühungen von schwerbehinderten Menschen" ist die Firma Trenz nun mit dem Inklusionspreis des Saarlandes ausgezeichnet worden - nachdem sie auch schon bundesweit den dritten Platz beim Deutschen Inklusionspreis des Unternehmerforums belegte.

Beispielhafte Inklusion

"Das soziale und überdurchschnittliche Engagement des Arbeitgebers ist vorbildlich und bedarf der besonderen Erwähnung. Die Unternehmensphilosophie , auch benachteiligten Menschen eine Chance zu geben, wird hier beispielhaft umgesetzt", lobte Staatssekretär Stephan Kolling.

Dass nicht mehr Arbeitgeber wie er handeln, versteht Trenz nicht: "Alle rufen immer nach Fachkräften. Aber was wir an Potenzial haben, wird nicht genutzt."