„Et es scheen gen, on mer trifft sich wieder“

„Et es scheen gen, on mer trifft sich wieder“

Die Hargarter haben ihre Flachsstube in Besitz genommen. In einjähriger Bauzeit entstand ein 75 Quadratmeter großer, heller Raum. „Die rund 138 000 Euro sind gut angelegt“, sagte Bürgermeister Erhard Seger.

Mit der neuen Flachsstube hat der kleinste Ort der Gemeinde Beckingen zu dem Dorfplatz, der Weidentalhalle und anderen, dem Ansehen des rund 660 Seelen zählenden Dorfes förderlichen Bauwerken, eine weitere Bereicherung erfahren. Denn die Bürger und örtlichen Vereine können sich, nachdem das letzte Gasthaus Wilbois vor einiger Zeit zumachte, nun über einen entsprechenden Raum für ihre Arbeit freuen.

Musik und Gesang

Ortsvorsteher Robert Schomers hieß zur Einweihungsfeier am Sonntagmorgen unter den Gästen auch Bürgermeister Erhard Seger, Pastor Norbert Klos, den ersten Kreisbeigeordneten Konrad Pitzius und den Gemeindebeigeordneten Frank Finkler, MdL, willkommen. Der Musikverein Erbringen-Hargarten und der Landfrauenchor Hargarten-Erbringen sorgten mit Musik und Gesang für die Umrahmung.

Schommer gab einen Rückblick auf das Entstehen des Raumes. Schon vor acht Jahren, als die Schule geschlossen wurde, sei der Gedanke gekommen, diese für die Vereine zu nutzen. Die Realisierung sei jedoch wegen der zu erwartenden hohen Nebenkosten nicht möglich gewesen. "Der Gedanke, eine Räumlichkeit für die Vereine zu haben ging uns nicht aus dem Kopf. Und als das Schulgebäude verkauft wurde, kam mit der Zusage, dass der Verkaufserlös in Hargarten verwendet werden soll, die Idee wieder auf", erklärte der Ortsvorsteher.

Ein Dorfhaus mitten im Dorf sollte her. Es wurde geplant und diskutiert, bis dann die Idee für einen Anbau an die bestehende Weidentalhalle reifte. Hier waren die erforderlichen Toiletten vorhanden, ebenso eine geräumige Küche mit Kühlraum. Der Ortsrat sah zunächst die Finanzierung nicht gegeben. Erst ein Zuschuss, um den sich Bürgermeister Seger bei der Landsregierung bemühte, konnte das Startsignal sein.

Gemeindebauingenieur Martin Speicher erstellte den vom Ortsrat nach mehreren Beratungen befürworteten endgültigen Plan und übernahm die Bauleitung. Es waren nur einheimische Handwerksbetriebe am Werk. Nach einer einjährigen Bauzeit entstand ein 75 Quadratmeter großer, heller Raum mit Theke und kleiner Küchenzeile sowie Video-Audio-Anlage, der mit Tischen für 60 und nur bestuhlt für 80 Personen Platz bietet. "Ich denke, und da haben mir schon viele zugestimmt: "Et es scheen gen, on mer trifft sich wieder", meinte Ortsvorsteher Schomers und bedankte sich bei allen, die zum Gelingen des Bauwerks beigetragen haben.

Bürgermeister Seger sagte, dies sei "wieder ein großer Tag für Hargarten. Mit dem Namen Flachsstube ist das Dorf wieder zu seinen Wurzeln als einstiger Flachsgarten und Zeiten, in denen jedes Haus eine Flachsstube war, zurückgekehrt."

"Vorbildiches Miteinander"

Er unterstrich die Bedeutung des Heimatbewusstseins und lobte den sehr rührigen Heimat- und Kulturverein Hargarten. Seger ging auf die Chronologie und die Diskussionen um die Flachsstube ein, die der Ortsvorsteher treffend und objektiv dargestellt habe. Es sei ein vorbildliches Miteinander geworden. "Die rund 138 000 Euro sind gut angelegt", befand der Bürgermeister und wünschte, dass in der Flachsstube künftig reger Betrieb, ob bei Vereinstreffen oder privaten Feiern, herrscht.

Pastor Norbert Klos nahm dann die Einsegnung des Raumes vor. Ortsvorsteher Schomers ehrte anschließend die engagierte Mitbürgerin Mathilde Hellbrück jr., von der der unter vielen Vorschlägen favorisierte Name "Flachstube" stammt. Eine interessante Ausstellung rund um den Flachs und entsprechenden Informationen bot der HKV Hargarten unter Federführung seines Vorsitzenden Helmut Lubitz, der zuvor bereits den Flachsanbau allgemein erläutert hatte, in der angrenzenden Halle.

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