Erste Ausstellung im Zentrum August Clüsserath in Dillingen

Neu zu entdecken : Einer der ganz Großen des 20. Jahrhunderts

Erste Vernissage im Zentrum August Clüsserath in Dillingen: Die Arbeiten des Malers beeindrucken den Betrachter.

August Clüsserath ist einer der wichtigsten saarländischen Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als Mitbegründer der Künstlergruppe „Neue Sezession“ und Gründungsmitglied der „neuen gruppe saar“ prägte er mit anderen namhaften Künstlern die Kunstszene des Saarlandes. 1966 starb er mit 67 Jahren in Saarbrücken.

Der Verein Zentrum August Clüsserath (ZAC), der seinen Nachlass verwahrt und sich zur Aufgabe gemacht hat, sein Werk wieder schlaglichtartig zu beleuchten und ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, ist im Mai 2018 von Saarbrücken nach Dillingen umgezogen. Jetzt wurden die sehr schönen Räumlichkeiten in der Stummstraße 33 mit etwa 60 Werken von Clüsserath in einer Vernissage gezeigt. Über 300 Gemälde soll er geschaffen haben.

Clüsserath, der bei Fritz Grewenig, Christoph Voll, Adolf Bauer sowie Oskar Trepte an der damaligen Schule für Kunst und Gewerbe in Saarbrückens studierte, malt dem Realismus der Zeit entsprechend zunächst Stillleben, Selbstporträts sowie Bildnisse von Frauen und Mädchen. Zu Beginn der 1930er Jahre kommen Landschaftsdarstellungen hinzu, auch religiöse Themen. Bei den frühen Arbeiten sind Tendenzen der Neuen Sachlichkeit und des Bauhauses spürbar, aber auch das Werk von Matisse und Picasso wird er verinnerlicht haben.

Ähnlich wie sie setzt er blockhaft die Farbe ein, modelliert ornamental Flächen. Mitte der 1950er Jahre pendelt er zwischen Figuration und Abstraktion. Picasso und der Kubismus mit seinen verzerrten Perspektiven dienen dem Maler und Grafiker zur Inspiration. Immer öfter reduziert er die Figuration. Seine Landschaftsdarstellungen bestehen bald nur noch aus farbigen geometrischen Elementen. „Bemerkenswert ist, wie Clüsserath die Komposition mit Hilfe von Farbe und Form austariert. Linien und Striche sorgen für Dynamik . . .“, sagt Beate Kolodziej in ihrer Laudatio.

Als die sicherlich radikalsten Formulierungen gelten Clüsserath die schwarz-weißen Lackbilder: gestische Arbeiten, bei denen sich die Linien locker auf dem Untergrund bewegen oder sich zu einer kompakten Fläche verdichten. Mit diesen Arbeiten schließt er auf zu den großen Protagonisten der abstrakt-ungegenständlichen Malerei jener Zeit wie Kline, Hartung oder Soulages. Neben den schwarz-weißen Bildern entstehen eindrucksvolle Kompositionen, in denen Clüsserath die Farbe zur Geltung bringt, mit schnellem Pinselduktus gemalt und von schwarzen Linien und Strichen akzentuiert.

Ab Ende der 1950er Jahre gelangt er zu einem vollkommen abstrakt gestischen Stil. Formen lösen sich auf, Linien und Strukturen bewegen sich rhythmisch frei in seinen Bildern. Diese großformatigen Arbeiten seiner letzten Schaffensperiode beeindrucken besonders: die Gemälde „Brücke“ und „Seepferdchen“ – beide von 1965. „Aber auch hier geht es August Clüsserath nicht um ein Abbild, sondern um ein Sinnbild – um das innere Bild, das für jeden etwas anderes sein und bedeuten kann und einem mit großer Freiheit zu einem neuen Sehen und einen intensiven Kunstgenuss einlädt“, sagt die Laudatorin.

Im neuen Zentrum August Clüsserath (ZAC) in der Stummstraße in Dillingen hängt Kuratorin Beate Kolodziej die Bilder für die erste Ausstellung. Foto: Stadt Dillingen/G. Schmidt

Die Ausstellung, deren Eröffnung musikalisch von Antonia Uerchels (Klarinette) und Dante Montoya (Flöte) umrahmt wurde, ist bis 2. Februar zu sehen: Donnerstag, Freitag, Sonntag 15-18 Uhr, Samstag 11-14 Uhr. Der Eintritt ist frei.