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Kinderbetreuung
Betreuungsmangel in der Kita Pachten

Keine Zeit zum Spielen: In der Kita Pachten betreut zeitweise eine Erzieherin 25 Kinder.
Keine Zeit zum Spielen: In der Kita Pachten betreut zeitweise eine Erzieherin 25 Kinder. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Dillingen. Seit Monaten fehlt Personal: Besorgte Eltern machen Druck mit Brief an Ministerien, Kreis und den Träger Kita gGmbH Von Nicole Bastong

Die Eltern der Kindergartenkinder in der Kita St. Maximin Pachten protestieren gegen den anhaltenden Erziehermangel, unter dem die Betreuung ihrer Kinder leidet. In der Einrichtung der Kita gGmbH des Bistums Trier fehlen seit Wochen Fachkräfte, berichten die Elternvertreter, die sich mit ihrem Unmut auch an die Medien gewendet haben. Immer wieder sei es in den vergangenen Jahren zu extremen Engpässen gekommen, berichtet Elternsprecherin Katharina Kiefer, teilweise sei die Aufsichtspflicht nicht mehr gegeben.


Im Dezember habe die Kita sogar kurz vor der Schließung einzelner Gruppen gestanden, weil seit Monaten eine Vollzeitstelle vakant ist und es weitere Ausfälle gab. „Eine Erzieherin kümmert sich dann allein um 25 kleine Kinder“, beklagt Kiefer. „Da ist eine gute Betreuung nicht mehr gewährleistet.“ Die Kita selbst macht sie dafür nicht verantwortlich. „Die Erzieherinnen und auch die Leitung können dafür ja nichts“, meint Kiefer. „Die tun, was sie können. Und manchmal tun uns die Erzieherinnen auch richtig leid.“

Die Kita St. Maximin hat 100 Kindergarten- und zehn Krippenplätze. Der dauerhafte Betreuermangel sorgt auch dafür, dass Projekte ausfallen müssen, beklagen die Eltern. So etwa der wöchentliche Musikunterricht oder das gemeinsame Frühstück. Sogar Eingewöhnungen neuer Kinder mussten mangels Personal verschoben werden. Das bringe Eltern, die wieder arbeiten müssen, wirklich in die Bredouille, betont Kiefer. Auch für die Kinder sei der Kita-Alltag unbefriedigend, sagt sie: „Ständig werden sie in andere Gruppen verlegt.“



Mit einer Unterschriftensammlung in der Kita will der Elternausschuss nun verstärkt auf die Betreuungsprobleme aufmerksam machen. Über 50 waren es allein am ersten Tag, erklärte Kiefer gestern. Auch mit den Eltern der umliegenden Kindergärten wollen sich die Pachtener zusammentun. Die Liste soll dem Träger Kita gGmbH vorgelegt werden, auch das Sozial- und das Bildungsministerium sowie Stadt und Landkreis wurden über den Missstand informiert.

Die Elternschaft fordert, dass der Träger dafür sorgt, dass zumindest der landesweit vorgeschriebene Betreuungsschlüssel erreicht wird. „Damit die Betreuung überhaupt weiter gewährleistet werden kann“, ergänzt Kiefer. Außerdem wollen die Eltern die Einrichtung eines lange versprochenen Springer-Pools, damit Notlagen überbrückt werden können. Und sie machen Druck: „Wir sind nicht mehr bereit“, erklärt Kiefer, „für diese mangelhafte Betreuung den vollen Elternbeitrag zu zahlen.“

Einen „akuten Personalmangel“ räumt Thomas Schmitz, pädagogischer Geschäftsführer der Kita gGmbH, in St. Maximin ein. „Die Situation ist sehr angespannt, aber auch wir können leider nur mit den Fachkräften arbeiten, die auf dem Markt sind. Wir schreiben aus und hoffen auf passende Bewerber.“ Krankheitsfälle oder Beschäftigungsverbote bei Schwangerschaft verschärften die Lage, betont Schmitz: „Es ist nicht immer möglich, zeitnah Stellen wiederzubesetzen.“ In St. Maximin sei ab März eine neue Erzieherin gefunden, die sechs Wochen bis dahin müssten noch überbrückt werden. Konkret heißt das: Bei Projekten müssten Abstriche gemacht werden, die Leiterin arbeite in der Krippe mit, bei Engpässen müssten Notgruppen gebildet werden. „Die Situation ist auch für uns unbefriedigend“, sagt Schmitz.

Die Einrichtung eines Springer-Pools für den gesamten Träger sei „für Sommer im ersten Schritt angedacht“, kündigt Schmitz an. Aber: „Auch dafür müssen wir erstmal Personal finden, das auch bereit ist, ständig zu wechseln.“ Und auch den Forderungen nach einem besseren Personalschlüssel stellt er entgegen: „Mit wem sollten wir das umsetzen? Der Markt ist bekanntermaßen leer gefegt.“