Eine angenehme Alternative zu einem Fernsehabend

Konzert : Ein Abend mit viel Humor und auch Kritik

Die Musiker des MV Dillingen-Pachten zeigten in der Dillinger Stadthalle beim Jahreskonzert ihre Vielseitigkeit.

Wie ein morgendliches Erwachen füllt eine sanfte Melodie aus den Klarinetten, Flöten, Posaunen und Trompeten die Dillinger Stadthalle.

In die ausklingenden Töne preschen ein wirbelndes Schlagzeug und donnernde Becken und treiben die Fanfare „The Benefaction from Sky and Mother Earth“ zum prächtigen Choral voran. Mit diesem Titel des japanischen Komponisten Satoshi Yagisawa demonstrierten die Musikerinnen und Musiker des MV Dillingen-Pachten von Beginn an ihre vielseitige Bandbreite. Rund zwei Stunden lang boten sie beim Jahreskonzert 2019 am Sonntagabend eine angenehme Alternative zu Fernsehen und trübem Wetter. „Nach diesem Konzert werden sie sich nochmal ein paar Jahre jünger fühlen“, versprach Moderator Franz-Josef Kopp.

Seine Informationen zu den Musikstücken garnierte er salopp und mit viel Humor. Aber auch harsche Kritik blitzte auf, als Kopp von der heimlichen Nationalhymne Englands aus zu einem Seitenhieb gegen die Despoten dieser Welt ausholte.

Wie es nach dem Tod weitergehen könnte, hat der amerikanische Komponist Rossano Galante in Noten gefasst. Die brachte das Große Orchester des MV Dillingen-Pachten mit an die 60 Musikern unter Dirigent Thomas Kopp als eine Reise durch das Bewusstsein. Über eine Zwischenpassage mit dissonanten Holzbläsern führte sie zur neuen Daseinsebene.

Als erster Solist des Abends verlieh Pablo Hubertus dem Werk „Theme from Schindler’s List“ von John Williams zusätzliche emotionale Tiefe. Sein Violinspiel drückte voller Sehnsucht die Gratwanderung zwischen Hoffnung und Traurigkeit der im Nationalsozialismus vom Tod bedrohten Menschen aus. In starkem Kontrast dazu stand die lebenslustige Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauss Sohn. Diese Komposition für einen Faschingsball beschreibt musikalisch ein Sommergewitter mit donnernden Pauken und Becken.

Der Nachwuchs zeigte im Schülerorchester unter Dirigent Franz-Josef Kopp eine vielversprechende Leistung. Die etwa 30 meist jungen Musiker steigerten sich von „Land of Hope and Glory“ über das zauberhafte „Irish Dream“ zum stimmungsvollen „Gospel Day“. Mit „Viva la Vida“ von Coldplay wurde die Zugabe zum beschwingten Ausflug in die Sphären des Pop. Großes Kino erweckte das Große Orchester nach der Pause in dramatischen Klängen zum Leben. Dazu diente die Geschichte des Grafen von Monte Christo in der Komposition von Otto M. Schwarz. Beim „Schwedischen Reitermarsch“ aus dem 30-jährigen Krieg dominierte der stramme Rhythmus militärischer Paraden, bei „Tico-Tico“ waren es schnelle Tonfolgen und Zutaten eines brasilianischen Samba.

Den zweiten Soloeinsatz des Abends hatte Sophie Kockler. Mit kurzen Haaren stand sie am Bühnenrand, die nackten Füße schlugen abwechselnd den Takt. Und ihre Klarinette interpretierte das „Concerto for Clarinet“ von Arti Shaw brillant bis hin zum höchsten C auf ihrem Instrument.

Mit Hits der Neuen Deutschen Welle aus den 80er-Jahren bereitete der MV Dillingen-Pachten seine Zugaben vor. Darunter das fiebrige „Uptown Funk“ und der volkstümliche „Klarinettenmuckl“. Letzteres in einer ausgefallenen Version mit Pablo Hubertus an der Violine und Sophie Kockler an der Klarinette.

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