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Inklusion
Ein großes Fest für alle Partner der Inklusion

MIt dem neuen Song zum Sommerfest der Inklusion brachten sich die Gäste in Feierlaune. Mit von der Partie: Sozialministerin Monika Bachmann (Zweite v. r.) und Dillingens Bürgermeister Franz-Josef Berg (l.)
MIt dem neuen Song zum Sommerfest der Inklusion brachten sich die Gäste in Feierlaune. Mit von der Partie: Sozialministerin Monika Bachmann (Zweite v. r.) und Dillingens Bürgermeister Franz-Josef Berg (l.) FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Dillingen. Von Carolin Merkel

Der erste Applaus der zahlreichen Gäste am Samstagvormittag gebührte im Dillinger Lokschuppen der jungen Moderatorin Anna Gitzinger. Sie hatte sich nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr beim Sommerfest der Inklusion erneut die Moderation mit ihrem Vater, Georg Gitzinger, geteilt und fühlte gleich zu Beginn der Veranstaltung, die inzwischen auf eine fünfjährige Tradition zurückblicken kann, den Podiumsgästen auf den Zahn. So fragte Anna Ministerin Monika Bachmann ganz direkt, was das Wichtigste an Inklusion sei. „Dass Sie wieder die Moderation machen, das finden wir alle großartig. Inklusion sollte Normalität sein“, erklärte Bachmann und bekam viel Beifall.


Staatssekretär Stephan Kolling hatte die Aufgabe, die wichtigsten Dinge, die im Ministerium in Sachen Inklusion geplant sind, aufzuzählen. „Die wichtigste Aufgabe ist es, Barrieren abzubauen, in den Köpfen, aber auch in den Behörden“, sagte er. Vor allem die einfache Sprache, aber auch die Novellierung des saarländischen Behindertengleichstellungsgesetzes, erklärte er, stehen auf der Agenda.

Schließlich war es an Anna auch Bürgermeister Franz-Josef Berg zu fragen, wie es denn in Dillingen mit der Inklusion stehe. „Mit der Awo leben wir die Inklusion schon seit Jahrzehnten“, antwortete der Verwaltungschef. Doch auch in Zukunft will Dillingen Vorreiter sein, verriet Berg.

„Wir werden in der nächsten Stadtratssitzung beschließen, einen Inklusionsbeirat, ein Modellprojekt in Deutschland, einzurichten. Wir haben bereits viele Monate daran gearbeitet“, erklärte er. Applaus gab es für ihn und alle weiteren Redner übrigens auch von den gehörlosen Gästen – gleich drei Gebärden-Dolmetscher standen parat, um auch diese Barriere abzubauen.

Ihren ersten Auftritt in Dillingen hatte Kerstin Schikora, seit 1. Mai im Amt der Inklusionsbeauftragen des saarländischen Ministeriums für Soziales. „Ich möchte die Partner in der Inklusion weiter vernetzten“, benannte sie eines ihrer Ziele.



Nach dieser kurzen, offiziellen Begrüßung wurde es auf den beiden Bühnen bunt: Lieder, Tänze, Zauberei, dazu eine Menge Information zum Thema Inklusion standen auf dem abwechslungsreichen Programm der beiden Bühnen. Denn das Programm wechselte immer wieder auf die andere Seite des Lokschuppens. Daneben erwarteten die Besucher an den zahlreichen Ständen im und vor dem Lokschuppen völlig barrierefrei viele Informationen, aber auch zahlreiche Mitmachangebote.

Überaus gut gelaunt lud Percussionist Dédé die Besucher zum Mitsingen und Klatschen ein. „Das hier ist doch kein Trauerfest, sondern ein Sommerfest“, erklärte er und übte so lange an dem neuen Inklusionssong, bis er lautstark durch den Lokschuppen hallte und für beste Stimmung sorgte.

Die hatte auch die Tanzgruppe der Lebenshilfe Obere Saar mit nach Dillingen gebracht: Mit ihren farbenfrohen Sambakostümen zauberten die neun Bewohner aus Püttlingen mit ihrer Anleiterin Silvia Aoun lateinamerikanischen Hüftschwung auf die Bühne. „Die Gruppe ist eines der Freizeitangebote in unserem Haus und hat schon viele Auftritte hinter sich gebracht“, erklärte Aoun. Sie betonte, wie wichtig das Sommerfest der Inklusion für die Gruppe sei. „Aber wir gehen mit unseren Bewohnern auch zu Festen in der Umgebung. Wir zeigen damit aktiv, dass wir uns mittendrin integrieren“.

Absolut angenommen beim Sommerfest der Inklusion fühlte sich Eugen Schnadinger aus der Wohnstätte Rehlingen-Siersburg. Von Geburt an ist er behindert, Erinnerung an seine Kindheit, sagt er, seien nicht immer schön. „Ich wurde viel in der Schule gehänselt. Mittlerweile habe ich Freunde gefunden, die mich so nehmen wie ich bin. Es kann jedem jeden Tag passieren, dass er plötzlich behindert ist“, erklärte er. Zusammen mit Svenja Birk zog er mit einem Korb voll selbstgemachter Schlüsselanhänger umher und war sichtlich erfreut, wie großzügig die Besucher waren. „Die Leute sind alle sehr nett und freundlich hier, ein richtig schönes Fest“, sagte Birk, die zum ersten Mal in Dillingen zu Gast war.

Derweil mixten Jennifer, Vera und Sascha vom Café Courage aus Dillingen, eine Einrichtung der AWO, kalte Getränke mit frischen Zitrusfrüchten. Die fanden bei den tropischen Temperaturen reißenden Absatz. Insgesamt beteiligten sich in diesem Jahr 99 Vereine und Institutionen mit rund 700 Mitwirkenden am 6. Sommerfest der Inklusion.