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Dillinger Kino steht vor dem Aus

Dillinger Kino steht vor dem Aus

Das letzte verbliebene Dillinger Kino steht vor dem Aus. Kino-Fan Christian Holbach, der das Filmhaus aus den Fünfziger Jahren nebenberuflich betreibt, kann sich sein teures Hobby nicht länger leisten.

Das Dillinger Kino ist vergittert, kalt, dunkel, leer. Im Foyer sitzt Christian Holbach, der das Kino am Dillinger Marktplatz seit 1995 betreibt. Zunächst hauptberuflich, aber seit die Besucherzahlen kontinuierlich sanken, neben seinem eigentlichen Beruf als Elektro-Ingenieur. Ihre ganze Freizeit verbrachten Holbach und seine Frau Birgit in den letzten 20 Jahren an der Kinokasse oder über der Buchhaltung. Jeder Cent, den die Familie übrig hatte, floss in das Kino. Doch es half alles nichts: Nach fast 20 Jahren steht der leidenschaftliche Kino-Fan vor dem Aus. "Es ist einfach zu viel Aufwand geworden, vor allem finanziell. Irgendwann lohnt es sich einfach nicht mehr", sagt Holbach. Verdient hat er am Kinobetrieb schon sehr lange nicht mehr, bekennt er: "Ich war ja froh, wenn ich mal eine schwarze Zahl hatte."

Dennoch gab der 47-Jährige die Hoffnung nicht auf. Der Europa-Palast war bis September jeden Tag geöffnet. Manchmal auch nur für eine Handvoll Leute. Mit dem "Dillinger Kino-Montag", eine Kooperation mit der KEB, kam wieder etwas Schwung rein - aber eben auch nur ein Mal im Monat. "Und das reicht nicht mal, um im Winter den Saal zu heizen", bemerkt der Inhaber.

Warum immer weniger Leute kamen, kann Holbach nicht genau sagen. Gravierende Einbrüche gab es schon bei der Euro-Umstellung und später bei der Eröffnung des Cinestar-Kinos in Saarbrücken, erinnert er sich. In den letzten Jahren sanken die Besucherzahlen unaufhaltsam. "Aber das trifft auch andere Kinos ", weiß Holbach. Der Trend zum Heim-Kino oder die Verfügbarkeit auch brandneuer Filme auf illegalen Internetseiten tragen dazu bei.

Dabei ist der Europa-Palast, 1955 erbaut, ein echtes Schmuckstück, mit einem original erhaltenen Foyer. "Leute von außerhalb staunen, dass es so ein altes Kino überhaupt noch gibt." Technisch ist das Filmhaus aber auf dem neuesten Stand, betont er: "Manche denken: altes Kino, alte Technik. Aber wir sind THX-zertifiziert, Bild und Ton sind erstklassig. Da müssen wir uns nicht verstecken", bekräftigt der Diplom-Ingenieur.

Kino 1 hat Holbach komplett digitalisieren lassen, die anderen beiden Säle schon nicht mehr, da sie kaum bespielt wurden. Rund 120 000 Euro hat ihn das gekostet; eine Summe, die er wieder einzuspielen hoffte. Eine Zeit lang versuchte es Holbach mit einer "kombinierten Nutzung": Er vermietete die großen Säle und das Foyer für Veranstaltungen, private und kommerzielle Feiern wie die Oberstufenparty der Dillinger Schüler. Doch dann machte ihm die Ortspolizeibehörde einen Strich durch die Rechnung: Obwohl er eine Konzession hat, untersagte das Amt ihm Veranstaltungen im Kino. "Das wäre eine Möglichkeit gewesen, den Filmbetrieb zu retten", meint Holbach.

Die Sache ist eigentlich klar: Holbach kann das Kino nicht mehr alleine weiterbetreiben. Zu kostenintensiv, zu zeitaufwendig für ein Hobby . Wenn er keinen Pächter findet, und alle bisherigen Interessenten haben abgesagt, wird er das Kino schließen und das Haus verkaufen müssen. Angebote für die Immobilie hat er bereits. "Aber es würde mir im Herzen wehtun, hier einen Tierfutterhandel oder ein Fitnessstudio reinzusetzen", sagt er.

Eine leise Hoffnung hat er noch: "Meine Idee wäre, dass sich vielleicht ein gemeinnütziger Verein gründet, der das Programmkino fördert, ähnlich wie in Wadern", erklärt er. Diese Idee hat er auch schon der Stadt vorgeschlagen, doch bisher gab es keine Reaktion.

Holbach ist Kinobetreiber in der dritten Generation. "Meine Eltern haben immer gesagt: Mach was Anständiges, aber ich war unbelehrbar. Kino ist einfach mein Leben", schwärmt er. Und fügt traurig hinzu: "Aber jetzt kann ich es mir wohl nicht mehr leisten."

Meinung:

Eine Stadt ohne Kino?

Der Europa-Palast in Dillingen ist technisch auf dem neuesten Stand, doch die Kino-Fans fehlen. Fotos: Rolf Ruppenthal.

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Dillingen ohne Kino? Das darf ja wohl nicht wahr sein. Gerade einer Stadt, die viel Wert auf Kulturarbeit legt und alles daran setzt, eine fast ausgestorbene Innenstadt wiederzubeleben, sollte daran gelegen sein, das zu verhindern.

Warum nicht mit einem Förderverein? Jeder Dillinger, der an dem alten Kino hängt, könnte sich da einbringen. Andernorts hat das auch funktioniert, es ist einen Versuch wert. Und wenn sich nicht genügend Unterstützer finden, kann Christian Holbach getrost sein Kino absperren. Denn dann gibt es einfach kein Publikum mehr für Filme in Dillingen . Aber kann man sich das wirklich vorstellen?