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„Dillinger Tage der Innovation“
Wie sich die Hütte fit für die Zukunft macht

Tim Hartmann, der neue Vorstandsvorsitzende von Dillinger, hatte bei den Innovationstagen seinen ersten Auftritt in dieser Funktion.
Tim Hartmann, der neue Vorstandsvorsitzende von Dillinger, hatte bei den Innovationstagen seinen ersten Auftritt in dieser Funktion. FOTO: Uwe Braun/Dillinger / Uwe Braun
Dillingen. Dillinger gibt bei den „Innovationstagen“ Einblicke in die Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Schülerforschungspreis ausgelobt. Von Nicole Bastong

Immer festere und zugleich zähere Stähle herstellen – das ist eines der großen Ziele der 74 Mitarbeiter starken Abteilung „Forschung & Entwicklung“ bei Dillinger. Etwa 2000 Stahlgüten kann das Unternehmen heute produzieren; Spezialstähle nach Kundenwunsch sind ein wichtiger Markt der Hütte.


Dafür muss man den Werkstoff und seine chemischen Eigenschaften genau kennenlernen, aber auch ständig neue Ideen entwickeln und umsetzen. Wie entsteht Innovation? Wie treibt man sie gezielt voran? Wie spielen Innovation und Digitalisierung zusammen? Fragen, mit denen sich die „Dillinger Tage der Innovation“ am Dienstag und Mittwoch im Lokschuppen Dillingen beschäftigten.

Erstmals öffneten sich die Innovationstage, die zuletzt 2016 stattfanden, dabei auch mit einem Besuchertag allen Mitarbeitern und der Öffentlichkeit. Vorträge, eine Diskussionsrunde und eine kleine Ausstellung aus 26 Bereichen des Unternehmens sorgten für Einblicke in die Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei Dillinger: Vorgestellt wurden verschiedenste Praxisbeispiele, vom Digitalen Walzwerk-Zwilling bis hin zur Mikrostrukturbasierten Werkstoffentwicklung.



Seit März hat Dillinger im Alten Schloss zudem eine eigene Abteilung Innovation eingerichtet und Christian Weber zum Innovationsmanager ernannt. Multidisziplinäre Teams arbeiten dort kreativ an der Ideenfindung und -realisierung, zu Bereichen wie Arbeitssicherheit oder Energie und Effizienz. Das erste Projekt stellte Weber am Dienstag vor: die Dillinger Kunden-App, die über Barcodes auf den Blechen genaue Daten dazu direkt auf das Handy des Kunden liefert.

Die saarländische Stahlindustrie hätte ohne Innovation kaum so lange überleben können, sagte der neue Vorstandsvorsitzende von Dillinger, Tim Hartmann, der seinen ersten Auftritt in dieser Funktion just zu den Innovationstagen hatte. „Jede Innovation bedeutet erstmal Abschied von Altem, Liebgewonnenem, aber es geht darum, rechtzeitig Neues in unseren Alltag zu lassen.“ Sich gemeinsam inspirieren und antreiben zu lassen, sei Sinn der Veranstaltung.

Schirmherr Ministerpräsident Tobias Hans betonte in einem Vortrag die Bedeutung der Stahlindustrie für das Saarland; rund 22 000 Arbeitsplätze in der Region hingen daran. „Im Saarland können Innovationen ganz hervorragend gedeihen: Nicht zuletzt, weil wir Digitalisierung als Chance begreifen und mit einer dynamischen Hochschul- und Forschungslandschaft exzellente Rahmenbedingungen bieten“, hob Hans hervor. Diese Rahmenbedingungen wolle man im Dialog mit der Industrie weiter verbessern.

Geeigneten Nachwuchs an Fachkräften zu finden, stellt sich auch bei Dillinger zunehmend als Problem dar. Noch ein Novum ist deshalb der Schülerforschungspreis, den das Unternehmen auslobt: Arbeiten zu Themen aus Dillinger Unternehmensbereichen wie Rohstoffe, Logistik, Materialforschung, Verfahrens- oder Produktionstechnik werden dabei prämiert. Hartmann bezeichnete es als wichtigen Auftrag, Schüler früh für Naturwissenschaften, für Innovation und Digitalisierung zu begeistern. „Innovation und Digitalisierung geben den Takt für die Zukunft an“, erklärte Hartmann. „Gemeinsam wollen wir die Taktzahl für Innovation noch erhöhen.“

„Digitalisierte Primärindustrie: ein Zukunftsmodell!“ lautete dann auch das Thema einer abschließenden Podiumsdiskussion mit Ministerpräsident Hans, Bernd Münnich, Technikvorstand von Dillinger, Thomas Hanschke, Präsident der Technische Universität Clausthal, und Sven Busch, Mitglied der Geschäftsführung der PSI Metals GmbH.

Michael Bott, der Leiter des Walzwerks, führte Ministerpräsident Tobias Hans mit Technik-Vorstand Bernd Münnich und Vorstandschef Tim Hartmann (von links) durch die Ausstellung.
Michael Bott, der Leiter des Walzwerks, führte Ministerpräsident Tobias Hans mit Technik-Vorstand Bernd Münnich und Vorstandschef Tim Hartmann (von links) durch die Ausstellung. FOTO: Uwe Braun/Dillinger / Uwe Braun