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Dillinger Hütte präsentiert Jahresbilanz 2018 und Ausblick 2019

Jahresbilanz Dillinger : „Diese Qualität können andere nicht“

Ein Zahlenwerk über teils riesige Werte präsentierte der Vorstand von Dillinger am Dienstag. Die Bilanz 2018 wie der Ausblick 2019 spiegeln eine schwierige Marktlage wider. Aber die Dillinger sehen Chancen, dagegen zu halten.

Die Tischordnung ist anders als in den Vorjahren. Statt Podium an der Stirnseite mit Reihen für die Medienmenschen sitzen Vorstand von Dillinger und Presse, Funk und Fernsehen wie an einer Tafel. Das Gespräch wird direkter werden, der Austausch intensiv. Jahresbilanz-Pressekonferenz im Gästehaus von Dillinger, zum ersten Mal geführt vom Vorstandschef Tim Hartmann, und auch für Technikvorstand Martin Baues ist es Dillinger PK-Premiere. Peter Schweda, Vorstand Personal und Arbeitsdirektor, und Günter Luxenburger, Vorstand Vertreib, sind schon seit Jahren dabei.

Sie alle haben viele Zahlen zu berichten (wir berichteten am Mittwoch). Da geht es um tausende Tonnen Stahl, Millionenbeträge, Umsätze und Gewinnmargen. „Ein schwieriges Marktumfeld“, wie Hartmann unterstreicht. Zuerst referiert aber Schweda. Er muss von einem „kleinen Rückschritt“ berichten, denn die seit Jahren stetige Abnahme der Arbeitsunfälle (60 im Jahr 2014, 21 im Vorjahr) ist 2018 auf 30 gestiegen. Ein Ansporn für die Zukunft, aber alles andere als bei diesem Unternehmen beängstigend.

Ebenfalls Schwedas Part: die Personalentwicklung. Es bleibt beim Ziel, 2020 bei Dillinger auf 4700 Beschäftigte zu kommen (Ende 2018: 4919). Das werde aber „stahltypisch sozialverträglich“ zu schaffen sein.

Luxenburger beschreibt steigende Eisenerz-Preise, und auch bei der Kokskohle zeigt die Linie jüngst nach oben. Im langfristigen Projektgeschäft lassen sich die Rohstoffpreise nicht eins zu eins auf die Kunden abwälzen, sagt er. Die Auslastung bei Dillinger ist dennoch „sehr gut“ – „eins minus“ sagt Hartmann –, aber die genaue Prozentzahl wollen sie den Mitbewerbern lieber nicht verraten; über den europaweiten knapp zwei Dritteln, liege sie aber „deutlich“.

Das ist, wie Hartmann sagt und Baues untermauert, nicht im Wettbewerb um Mengen zu machen, sondern mit der Qualität, für die Dillinger Grobbleche stehen. „Diese Qualität können andere nicht“, erklärt Baues. Entsprechend muss das auch die Aufgabe für die Zukunft sein. Automatisierungsgewinne sind da weniger zu erwarten. Technischer Vorsprung wie die Weltrekord-Stranggießanlage, über die 2017/18 viel zu berichten war, ist dabei ein Pfund, mit dem Dillinger wuchern kann.

Potenzial bietet aus Hartmanns Sicht, wie die SZ schon nach der Bilanz-PK von Saarstahl berichtete, der Abbau von Doppelstrukturen der beiden Unternehmen. Dieses Jahr soll ein zweistelliger Millionenbetrag eingespart werden. Aber spannender wird es bei der strategischen Ausrichtung. Die werde zwischen Dillinger und Saarstahl abgestimmt. Dabei behalten die beiden aber ihre Selbstständigkeit – „alles andere wäre produktionstechnischer Unsinn“ (Hartmann).

„Schauen Sie, wie viele Leute auf der Brücke stehen: Dillinger Stahl hält was aus“, scherzte der Vorstandsvorsitzende von Dillinger, Tim Hartmann, zu diesem Bild der Kienlesberg Brücke in Ulm, die 270 Meter lang ist, 1750 Tonnen Dillinger Stahl enthält und Chancen auf Architekturpreise hat. Foto: KREBS+KIEFER/Knight Architects

Kurz- und mittelfristige Planungen sind das eine. Baues blickt aber noch weiter voraus. Heute kaum vorstellbar, aber seiner Schätzung nach „gut möglich in 30 Jahren eine Anforderung an uns“: CO2-freier Stahl. Nein, die Medienvertreter haben sich nicht verhört. Die hiesiger Stahlindustrie steht vor großen Herausforderungen.