Dillingen wird grün und wild

Das Projekt „Essbare Stadt“ vereint den Gedanken der Nachhaltigkeit mit der Integration von Flüchtlingen. Mehrere Kräuter- und Wildpflanzenbeete und eine Streuobstwiese sollen angelegt werden.

Marietta Klein aus Dillingen strahlte mit der Sonne um die Wette. Mit ihrer selbst genähten, bunten Schürze und Flügeln, die ihr großes Herz symbolisierten, packte sie eifrig beim Bepflanzen des Blumenbeets am Odilienbrunnen an. "Es macht mir total viel Spaß. Ich habe leider keinen eigenen Garten, kann aber dafür hier mithelfen. Die Symbolik, den jungen Neubürgern durch die Pflanzen Wurzeln zu geben, finde ich total gut", erklärte sie.

"Den Wurzeln Flügel verleihen" - unter diesem Motto machten die Mitglieder der Zukunftswerkstatt in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Die Schirmherrschaft zum Auftakt hatte Dillingens Bürgermeister Franz-Josef Berg übernommen. Er freute sich, dass es in dem Projekt gelungen ist, das Thema "Essbare Stadt" mit der Integration von Flüchtlingen zu vereinen.

Angelegt, erläuterte Rudi Peter, Vorsitzender der Zukunftswerkstatt Saar, ist das Projekt auf drei bis vier Jahre, die Nachhaltigkeit ist somit gewährleistet. "Nach Andernach und Bamberg wollen wir auch Dillingen langfristig zu einer essbaren Stadt machen", sagte Peter. Neben dem Blumenbeet mitten in der Stadt sollen zahlreiche Pflanzinseln mit Kräutern und Wildpflanzen umgestaltetet werden, eine Zusammenarbeit mit dem Kleingartenverein Nord wurde bereits besiegelt, ein Gelände am Saarufer soll in Zusammenarbeit mit Schulklassen als Streuobstwiese angelegt werden. Dieser Wildpflanzenpark wird von Birgit Loris, Wildpflanzenfachberaterin, betreut.

Für die offizielle Vorstellung des Projektes hatten Christine Wagner und Jenny Theobald, Theaterpädagoginnen, ein buntes Programm zusammengestellt. Natürlich durfte das Bepflanzen des Beetes nicht fehlen. Hier packten auch Berg und Peter mit Schippe und Gießkanne mit an. Damit die Pflanzen noch besser wachsen und gedeihen, hatten sich die Teilnehmer eine ganz besondere Beschwörungsformel ausgedacht. "Wir haben die Formel aus arabischen und deutschen Wörtern zusammengestellt und hoffen natürlich, dass die Pflanzen besonders gut angehen", sagte Wagner. Zur Formel kam dann noch ein kleines Tänzchen rund um das Beet hinzu.

Während Marietta Kleins Flügel in Herzform gehalten waren, hatte sich Ahmad Flügel in Form einer Brille gebastelt. "Ahmad hat ein Praktikum beim Optiker hier um die Ecke bekommen. Für ihn symbolisiert die Brille seine Zukunft in Dillingen ", sagte Christine Wagner.

Zukunftswerkstatt Saar, Petra Stein, Telefon (01 77) 8 92 59 20.

zwsaar.de

Meinung:

Grüne Lunge , wildes Herz

Von SZ-Redakteur Marc Prams

Rudi Peter, Vorsitzender der Zukunftswerkstatt Saar

Dillingen wird zur essbaren Stadt - was für ein tolles Projekt. Denn jedes Beet, in dem Wildpflanzen und Kräuter wachsen und gedeihen, ist eine kleine grüne Lunge inmitten der Stadt. Das erfreut Mensch und Tier und verhindert vor allem eine weitere Versteinerung, wie sie in so vielen Vorgärten zu beobachten ist. Da wird Zierkies in Zierkies geschüttet und mit dem Zirkel bearbeitet, bis ein perfekt symmetrischer schwarzer Kreis im weißen Bett zu sehen ist, wo die Natur doch so viel Schöneres und Wilderes zu bieten hat. Dass die Pflege dann auch noch zum Miteinander der Kulturen wird - umso schöner. Das hast du gut gemacht, Dillingen . Wirb doch mit dem Slogan: Grüne Lunge , wildes Herz.