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Dillingen: Benefizspiel 04 Bayer Leverkusen gegen ehemalige Profispieler

Benefizspiel fürs Hospiz : „Zuerst die Kinder, dann die Eintracht“

Trainer-Legende Dragoslav Stepanovic beim Benefiztag für schwer kranke Kinder in Dillingen: 16 000 Euro kamen an Spenden zusammen.

„Der Linienrichter hat den entscheidenden Fehler gemacht. Ich glaube, der kriegt den Arm nicht mehr hoch zum Winken. Ich fordere den Videobeweis“, sagte die Fußballtrainer-Legende Dragoslav Stepanovic am Samstag im Dillinger Parkstadion, als sein Team, die Cura4Kids-Mannschaft das 0:5 gegen die Traditionsmannschaft von Bayer 04 Leverkusen kassierte. 550 Zuschauer waren amüsiert von der lockeren Art des 70-Jährigen. Die Cura Versicherungsvermittlung GmbH hat am vergangenen Samstag zum großen Benefiztag zugunsten des Kinderhospiz und Palliativteam Saar eingeladen.

Um 13.30 Uhr spielte die E-Jugend des FV Diefflen gegen den TV Asberg aus Hessen das Vorspiel. Anschließend die Cura4Kids-Elf, die aus Versicherungsangestellten und ehemaligen Profis bestand, gegen Bayer Leverkusen. „Die Ergebnisse sind völlig zweitrangig. Wir wollen ein bisschen Fußball sehen, aber in erster Linie wollen und müssen wir Kindern helfen“, sagte Stepanovic, der nach dem Spiel von Wolfgang Gauf in den Arm genommen wurde. „Stepi ist einfach ein Wahnsinns-Typ. Er hat durch seine Kontakte sehr vieles möglich gemacht. Ein großer Dank geht auch an die Stadt Dillingen und an den FV Diefflen, der sich um das ganze Drumherum gekümmert hat“, sagte Wolfgang Gauf. Der Cura-Vertriebsdirektor hatte die Idee des Benefiztages für Kinder. Er war vor einigen Jahren in einem Hospiz und hat todkranke Kinder erlebt. Seitdem will er helfen. „Petrus hat uns heute leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. 36 Grad sind einfach zu viel. Wir haben mit 2000 Zuschauern gerechnet“, bedauerte Gauf.

Auch die Spieler auf dem Platz hatten mit der Hitze zu kämpfen. „Der größte Gegner ist die Hitze. Und natürlich Stepi. Ich bin mal gespannt, ob er noch eine Idee hat“, sagte Jürgen Luginger, der ehemalige Leverkusen-Spieler, der heute Trainer des Regionalligisten FC Homburg ist. Dem Griechen Minas Hantzidis schien die Hitze gerade zu beflügeln. Der 52-Jährige, der mit Bayer Leverkusen den Europacup gewann und von 2000 bis 2002 für den Regionalligisten SV Elversberg spielte, erzielte ein Tor und bereitete eins vor. Dies gelang auch dem ehemaligen Nationalspieler Ulf Kirsten, der sich genau wie Stepanovic nach dem Spiel vor Autogramm- und Fotowünschen kaum retten konnte. „Es ist ein schönes Gefühl, dass man so lange nach dem Ende der Karriere immer noch solch eine Anerkennung erfährt. Ich habe 2011 meine Trainerkarriere an den Nagel gehängt und gründe im August mit ein paar Freunden zwei Startup-Unternehmen“, erzählte Ulf Kirsten. Auch die beiden Saarländer und ehemaligen Leverkusener Jörg Reeb und Philipp Wollscheid kickten mit. „Mit solch einem Spiel vielen Kindern helfen zu können, ist eine tolle Sache. Da macht man gerne mit“, sagte Wollscheid, der bereits mit 30 Jahren in der Leverkusener Traditionsmannschaft kickt.

Unmittelbar nach dem Spiel, das Bayer übrigens mit 7:0 gewann, überreichten beide Teams dem Kinderhospiz und Palliativteam Saar einen Scheck über 16 000 Euro. Geld, das Wolfgang Gauf bei vielen Versicherungen eintrieb und durch die Einnahmen des Tages noch aufgestockt wurde. „Es kommt nicht alle Tage vor, dass wir so große Summen gespendet bekommen. Wir können das Geld für unser Geschwisterprojekt sehr gut gebrauchen“, sagte Heidi Weihe, die Leiterin des Kinderhospizes. Die Geschwister von sehr kranken oder auch schwerbehinderten Kinder leiden oft sehr stark, da ihr kranker Bruder oder ihre kranke Schwester 24 Stunden am Tag alle Aufmerksamkeit von den Eltern bekommt. Dafür soll im kommenden Jahr ein neues Projekt gestartet werden, bei dem sich intensiv um diese Geschwister gekümmert wird.

Am Ende freuen sich alle über das schöne Spenden-Ergebnis. Foto: Heiko Lehmann
Wolfgang Gauf (links) und Fußballtrainer-Legende Dragoslav Stepanovic Foto: Heiko Lehmann

Nach dem Benefizspiel in Dillingen haben alle Helfer und die beiden Mannschaften noch zusammen gegrillt und gefeiert. Außer einer, der musste sofort weg. Dragoslav Stepanovic gehört zum Club der Legenden bei Eintracht Frankfurt, und die Eintracht feierte am Samstagabend ihr 120-jähriges Bestehen. „Zuerst die Kinder und dann die Eintracht“, sagte Stepi als er zum Auto ging. Dann drehte sich der 70-Jährige noch einmal um, winkte und rief. „Lebbe geht weiter.“ Ein Spruch, der seine Karriere als Bundesliga-Trainer prägte.