Dieffler Derby-Wahnsinn

Die 550 Zuschauer des Oberliga-Derbys zwischen dem FV Diefflen und Röchling Völklingen sahen am Samstag ein Wahnsinns-Spiel und eine irre Aufholjagd. Die Hausherren lagen Mitte der zweiten Hälfte bereits mit 0:3 hinten, am Ende hieß es aber 3:3.

Dominic Selvaggio konnte sein Glück kaum fassen. Mit zwei späten Toren hatte der 29-Jährige seinem FV Diefflen am Samstag im Oberliga-Derby gegen den SV Röchling Völklingen einen Punkt gerettet. Zunächst traf Selvaggio per Foulelfmeter in der 78. Minute zum 2:3-Anschlusstor für sein Team. Dann gelang ihm in der dritten Minute der Nachspielzeit mit einem Freistoß aus fast 40 Metern das 3:3. "Unfassbar, die Freude bei mir ist riesengroß", jubelte Selvaggio. Dass ich zwei Tore in einem Spiel mache, kommt ja nicht so oft vor. Und in der Oberliga schon mal gar nicht", so der Mittelfeld-Akteur grinsend.

Die Freude war umso größer, weil Diefflen in einer eigentlich schon verloren geglaubten Partie noch punktete. Über eine Stunde lang waren die Hausherren gegen stark spielende Völklinger hoffnungslos unterlegen. Schon nach zwei Minuten nutzte Röchling ein Missverständnis in der FV-Abwehr zum Führungstreffer. Torwart Enver Marina und Spielertrainer Thomas Hofer waren sich nicht einig, wer klären soll, Marcel Linn spritzte dazwischen und schoss zur Gästeführung ein.

Röchling blieb auch danach am Drücker. In der 34. Minute schlenzte Nico Zimmermann einen Freistoß aus 18 Metern zum 2:0 in den Winkel. Fünf Minuten nach der Pause schlug Zimmermann zum zweiten Mal zu. Dieses Mal drückte er eine Hereingabe von Linn aus kurzer Distanz zum 3:0 über die Linie.

Diefflen schien zu diesem Zeitpunkt mausetot. Auch nach dem 1:3-Anschlusstreffer durch einen Kopfball von Fabian Poß nach einer Freistoß-Hereingabe von Selvaggio (63.) hatte kaum einer der Zuschauer das Gefühl, dass den Hausherren noch eine Aufholjagd gelingen würde. "Wir haben ein ganz schlechtes Spiel gemacht", gab auch FVD-Spielertrainer Thomas Hofer zu. "Ich bin nach 70 Minuten über den Platz gelaufen und habe mir überlegt, wie ich mich in der Pressekonferenz bei unseren Fans für die Niederlage entschuldige."

Doch zu einer Niederlage kam es nicht - weil Völklingen bei den warmen Temperaturen den Vorsprung über die Zeit schaukeln wollte und überhaupt nichts mehr machte. "Das Spiel war eigentlich gelaufen, aber wir haben die letzte halbe Stunde aufgehört, Fußball zu spielen. Nach einer 3:0-Führung ist dieses Ergebnis eine Katastrophe für uns", ärgerte sich Röchling-Trainer Günter Erhardt.

In der 78. Minute gelang Diefflen das 2:3, weil sich Völklingens Jeremy Groß zu einem unnötigen Foul gegen Lukas Latz im Strafraum hinreißen ließ. Der Ball war schon weg, als Groß Diefflens Außenverteidiger an der Außenlinie umsenste. Eine Standardsituation führte dann auch zum Ausgleich in der Nachspielzeit. Diefflen erhielt auf der linken Seite fast 40 Meter vor dem Tor einen Freistoß zugesprochen. Die geplante Freistoß-Hereingabe von Selvaggio wurde lang und länger - und schlug unter Mithilfe von SV-Torwart Sebastian Buhl, der mit den Händen nicht richtig rankam, zum 3:3 im Winkel ein.