Die Eisenbahnfreunde Dillinger bauen ihr eigenes Hüttenwerk

Eisenbahnfreunde : Selbst Staub ist der Realität nachempfunden

Hüttenwerk-Besitzer zu sein, hat für die Dillinger-Aktionäre sicher seinen Reiz. Den Dillinger Eisenbahnfreunden geht das nicht viel anders.

Mit Liebe zum Detail bauen die Eisenbahnfreunde Dillinger ihr eigenes Hüttenwerk. Aber dort rollen nicht bloß Züge. An ferngesteuerten Lastwagen leuchten die Lampen, an einer Werkhalle blitzt es bei Schweißarbeiten, auf der Schlackenhalde glüht die abgelassene Masse am Hang.

Auf knapp 17 Metern ist die Hüttenanlage im Format H0 aufgebaut, im Maßstab 1:87. Zwölf einzelne Module mit einer Breite von rund 90 Zentimetern sind aneinander gestellt. Für ihren Transport kommen je drei bis vier davon übereinander in Gestelle. Denn die ausgeklügelte Bahnanlage reist demnächst nach Erfurt, sagt der Vorsitzende, Uwe Braun, im Clubheim am Weißkreuzstadion. Für die Ausstellung „Modell Leben“ vom 20. bis 22. Februar. Und am 2. April gehe es zur „Intermodellbau“ nach Dortmund. „Das ist die größte Messe weltweit für Modellbau.“ Beide Termine ergaben sich aus der Mitgliedschaft im Modellbauverband Deutschland.

Kern der Dillinger Anlage war ein Hüttenwerk von Mitte der 1990er Jahre. Damals neun Meter lang, mit zwei Hochöfen und einem Elektrostahlwerk. 2001 wuchs es auf zwölf Meter an. Mit vier Hochöfen in Reihe, wie bei der Dillinger Hütte in den 70er Jahren. Durch Schäden beim Abbau war diese Anlage ab 2005 aber nicht mehr funktionsfähig. 2010 kaufte der Verein sie vom verstorbenen Besitzer auf.

Auch infolge falscher Lagerung war die Anlage laut Braun „nur noch Schrott“. Ab 2011 hat der Verein dann Modul für Modul neu aufgebaut und erweitert. Aus neun Metern wurden 16 Meter. Unter anderen mit Hochöfen, Stahlwerk, Schlackenhalde und Verwaltungsgebäuden. „Die Anlage wird nie fertig“, sagt Braun schmunzelnd. „Wir bauen jetzt noch eine komplette Kokerei. Vielleicht auch einen Hafen.“ Dann sei man wohl bei um die 25 Metern.

Viel Material sei das gar nicht, sagt Braun zu Bahnanlage und Technik. Um die 400 Meter Gleise, knapp ein Kilometer Kabel. Die erforderlichen Steuerleitungen und Kabelbündel hat Lutz Heike im Griff. „Ich bin meist unter der Platte“, sagt der Elektriker. Zu Hause wird überlegt, wie das zu machen ist. Beispielsweise die Beleuchtung der Hochöfen. Dann geht es an die Umsetzung en miniature. Was jetzt im Clubheim steht, „das wäre vor 30 Jahren alles nicht machbar gewesen“, stellt Braun fest.

Einzelne Teilbereiche hätte man sogar noch vor wenigen Jahren technisch nicht umsetzen können. Beispielsweise den Schlacken-Waggon. Dessen runde Pfanne dreht sich kippend zur Seite. Das machen Nano-Servo-Motoren möglich, „so groß, wie ein Fingernagel“. Dazu kommt spezielle Steuersoftware einer Firma aus Dudweiler. „Damit laufen alle großen Schauanlagen in Deutschland.“ Die Steuerung ist intelligent und sucht sich die Strecke für die Züge selbst. „Da kann man drei Stunden davor stehen, und es ist nie dasselbe.“

„Ich gebe die grobe Richtung vor“, sagte Braun zum Bau der Anlage. Aber das Projekt sei immer eine Gemeinschaftsarbeit. 70 Mitglieder hat der 1984 gegründete Verein. Etwa 30 davon sind aktiv eingebunden. Und von denen habe jeder schon an der Anlage gearbeitet. „Wir brauchen nichts mehr von der Stange zu kaufen“, sagt Andreas Johann. Er fertigt passgenau Teile mittels 3-D-Drucker. „Wir machen Fotos vom Original, die werden dann maßstabgerecht auf CAD übertragen und ausgedruckt.“

Das sind beispielsweise verwinkelte Rohrleitungen, Treppen und große Ventile. Frisch aus dem Drucker sind sie schneeweiß. Bis sich Daniel Wax damit beschäftigt. „Das ist eine spezielle Patina-Farbe“, sagt Wax mit Pinsel und Farbtöpfchen in der Hand. Damit verleiht er den Bauteilen ihren typischen rostbraunen Hüttencharakter. Gleiches bei einer Lok vom Typ MAK 1206, die im Original Waggons über das Hüttengelände zieht. Als Modell war sie ursprünglich strahlend gelb. Wax hat ihr ein rußgeschwärztes Äußeres verpasst.

Unter der Plane eines Modell-Lkw stecken Akku und Steuerung. „Der fährt funkgesteuert über die Straßen“, erklärt Mike Burda. Dabei leuchten Scheinwerfer und Rücklichter auf. Andere Fahrzeuge werden von einem Draht unter der Fahrbahn gesteuert. Diese Autos, erläutert Dieter Meilchen, rollen später infrarotgesteuert. Dazu kommen 15 Rauchgeneratoren, die „ordentlich Nebel“ in die Werkhallen und Hochöfen bringen. Sogar das röhrende Signal des original Hüttenbären dröhnt auf Knopfdruck über die Anlage.

Es gebe noch ein paar andere Industrieanlagen in Deutschland, sagt Uwe Braun. Aber mit diesem Umfang und komplett vom Erz bis zum fertigen Stahlblech „haben wir ein Alleinstellungsmerkmal“. Mit Sicherheit.

Ein Blick auf das Werk der Eisenbahnfreunde ist möglich zu den Öffnungszeiten, jeweils dienstags und freitags, ab 18 Uhr am Weißkreuzstadion in der Werderstraße.

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