Das Schachfieber ist ansteckend

Schach ist nicht gerade der beliebteste Sport bei Jugendlichen. Bei der DJK Dillingen sieht das neuerdings anders aus: Mit der Schach-AG an der Sophie-Scholl-Schule kamen immer mehr Schüler auch zum Verein.

Gebannt starren sechs Augenpaare auf das Schachbrett. Stille. "Läufer", murmelt einer. Sechs Jungs warten gespannt auf den nächsten Zug. Da zieht Weiß, der Läufer ist weg. Dass ausgerechnet der Schachsport ein paar Zwölfjährige begeistert, ist für Karl Imhof gar nicht verwunderlich. Der 74-Jährige ist glühender Anhänger des Sports und tut sein Bestes, auch andere dafür zu begeistern. Dass gerade ein Sport, der ein etwas angestaubtes Image hat, in Dillingen nun so viele junge Fans hat, dass sogar ein größerer Raum her musste, ist sein Verdienst.

Schach-AG zog Kreise

Die Schachsparte des Sportverein DJK Dillingen gibt es schon seit 1959. Doch wie bei allen Schachvereinen fehlte in den vergangenen Jahren insbesondere der Nachwuchs. "Der Schwund war dramatisch, landesweit", erzählt Imhof. Eine Fusion mit dem Schachclub "Turm Siersburg" 2011 brachte nur kurze Entspannung. Doch da hatte Imhof, der seit über 50 Jahren im Verein ist und inzwischen auch Vorsitzender der DJK, eine Idee: Er bot der Sophie-Scholl-Gemeinschaftsschule Dillingen eine Schach-AG an. Die läuft nun im dritten Jahr. "Und über die Schule kamen die Kinder auch zum Verein", erinnert er sich, "das zog Kreise: Als sich ein paar anmeldeten, kamen immer mehr." Auch vom Albert-Schweitzer-Gymnasium kamen plötzlich Schüler zum Training. Inzwischen hat Imhof eine stabile Truppe von rund 20 Kindern und Jugendlichen, zwischen 7 und 17 Jahren alt, zusammen. "Jetzt fangen wir auch an, Turniere zu spielen", freut sich Imhof.

35 Jahre lang spielte die DJK im Kath. Pfarrheim in Dillingen . Nachdem dieses verkauft wurde, zog die Schachsparte zunächst in die Weißkreuzstraße um. Doch wegen des Lärms der Fußballer im Stadion konnten sich die Spieler schlecht konzentrieren, und Imhof suchte eine neue Bleibe. Die fand er schließlich bei den Pfadfindern am Saardom, inzwischen üben die Schachspieler auch in der Krypta. Jeden Donnerstag und jeden Freitag, außer in den Ferien, treffen sich Jungs und Mädchen dort ab 18 Uhr. Zwischendurch wird gekickert oder geredet.

Vorteile für Schüler

Jerome Amann, 17, aus Dillingen spielt schon seit vier Jahren im Verein. "Mir gefällt, dass ich beim Schach runterkommen kann, ich konzentriere mich dann ganz auf das Spiel." Wenn er nicht selbst spielt, schaut er den Jüngeren über die Schulter und macht sie auf Fehler aufmerksam.

Ganz klare Vorteile sieht Imhof im Sport für Schüler : "Die meisten Schachspieler können besser rechnen, das bestätigen auch die Lehrer", erzählt er. "Schach fördert die Disziplin, sie müssen still sitzen und warten, und vor allem: Sich konzentrieren."

Johannes Maffart, 13, aus Hemmersdorf ist schon angesteckt vom Schachfieber: "Da kann man sich Strategien entwickeln und muss immer gut überlegen." Auch Pascal Gehl, 10, aus Beckingen kommt jede Woche zum Training. "Ich spiele auch mal zu Hause gegen den Computer, aber gegen Menschen spielen macht einfach mehr Spaß."

Meinung:

Die Vereine müssen umdenken

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Da könnten sich andere Vereine mal ein Beispiel nehmen: Anstatt immer zu jammern, dass wegen der Ganztagsschulen kein Nachwuchs mehr zum Training kommt, sollten die Vereine lieber in die Schulen gehen. Warum nicht eine Tischtennis-, Handball- oder Chor-AG anbieten? Die Schulen und die Träger der freiwilligen Ganztagsschulen sind offen für Kooperationen. Nur müssen Vereine eben dahin gehen, wo Kinder und Jugendliche sind. Für die Eltern entfallen zudem die Transportprobleme. Dass sogar ein Randsport wie Schach davon profitieren kann, hat die DJK bewiesen.