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Ausstellung
Das Erlebnis der Malerei an sich

Vorwiegend in Schwarz und Weiß hat der Künstler Julius Grünewald seine Waldbilder, hier die Wildschwein-Köpfe, gemalt.
Vorwiegend in Schwarz und Weiß hat der Künstler Julius Grünewald seine Waldbilder, hier die Wildschwein-Köpfe, gemalt. FOTO: / Thomas Seeber
Dillingen. Im Alten Schloss Dillingen präsentiert der Maler Julius Grünewald seine Werke unter dem Titel „Der Wald, der sieht“. Von Jutta Stamm

Seine Leidenschaft ist die Malerei. Stillleben, Porträts und Landschaften dienen ihm als Grundlage für sein Anliegen: das Erlebnis der Malerei an sich. Sein Pinselduktus ist gestisch ungestüm, zum Teil explosiv, wobei er sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion bewegt. Er lässt den Entstehungsprozess seiner Bilder unmittelbar sichtbar werden. Dies gilt auch für die Tierdarstellungen, die Gegenstand seiner Ausstellung im Alten Schloss Dillingen sind. Immer bleibt die Bildwelt der eigenen Kindheit das Thema, so auch die Jagd, die er als Sohn eines Weingutbesitzers miterlebte. „. . . , eigentlich scheint nichts passender, als eben mit Bildern von Wildtieren eine Ausstellung in einem alten Wasserschloss zu bestreiten, bei dem es mit Sicherheit illustre Jagdgesellschaften gegeben hat“, sagt Kunsthistorikerin Beate Kolodziej in ihrer Laudatio.



Bekannt wird der 1965 in Worms geborene Julius Grünewald durch seine abstrahierten Interieurs, insbesondere die seines Elternhauses. Möbelstücke oder Gegenstände sowie der Raum selbst scheinen sich in vermischten oder vernebelten Farben aufzulösen. Nach seinem Studium an der Akademie in Karlsruhe (1987 bis 1994), Aufenthalten in Budapest und Köln lebt und arbeitet Grünewald seit 1998 in Berlin und Osthofen in der Pfalz. Werke sind in öffentlichen Sammlungen wie im Saarland-Museum zu finden. 2008 erhält er das EHF-Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung, 2010 wird er mit dem Art-Karlsruhe–Preis ausgezeichnet, 2016 mit dem Preis der „Wolfgang-Blanke-Stiftung“ der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Das erste Tier, das Grünewald porträtiert, ist der Auerhahn. Sein Kopf mit auffallend gelbem Schnabel ist mittig ins Bild gesetzt. Dieser sei vom Großvater in jungen Jahre geschossen worden und hing seitdem als Trophäe ausgestopft an der Wand, erfahren die Ausstellungsbesucher. „Nun hängt er eben als gemalte Öl-auf-Leinwand-Version des Enkels im Dillinger Schloss“, sagt Kolodziej.

Grünewald malte das Tier sechsmal. Er arbeitet gerne seriell. So füllen zwei Wände im zweiten Raum eine Reihe von Wildschweinen, die mitunter nicht wirklich freundlich aussehen: Von 48 Bildern im gleichem Format werden 20 gezeigt: zwölf schwarz gerahmt, acht ungerahmt, in Zweierreihen übereinander gehängt, von vorn und vorwiegend in Schwarz und Weiß gemalt. „Einzelne Partien wurden zur Akzentuierung mit Braun gehöht“, erläutert Kolodziej.

Mehr Farbe wird den Feldhasen zuteil, die ab 2012 als zentrales Motiv in Grünewalds Werk auftauchen. Sie zeigen sich in erdigem Kolorit, mal leicht rosa eingefärbt, vor grünlichem Hintergrund. An die 70 Hasenbilder sollen existieren. 2013 folgt eine Reihe mit Fasanen. Nur einmal gibt es den großen schwarzen (Familien-)Hund, der Charakter zeigt. Er war selbst Jäger. Jetzt bewacht er die Ausstellung.

Öffnungszeiten: Freitag und Samstag von 16 bis 19 Uhr. Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Finissage: 3. Dezember, 16 Uhr, mit einer Führung des Künstlers.