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Ehemaliger Europa-Palast
Große Pläne für das alte Dillinger Kino

So soll die Fassade des neuen Kino-Hotels in der Hüttenwerkstraße Dillingen aussehen.
So soll die Fassade des neuen Kino-Hotels in der Hüttenwerkstraße Dillingen aussehen. FOTO: Rolf Schäfer
Dillingen. Europa-Palast wird ab 2019 zum Boutique-Hotel mit Gastronomie umgebaut – Nostalgischer Kinosaal bleibt erhalten. Von Nicole Bastong

Große Pläne für die Dillinger Innenstadt hat der Architekt und Diplom-Ingenieur Rolf Schäfer vorgestellt: Schäfer hat im Juni das ehemalige Kino in der Hüttenwerkstraße 16 bis 18 gekauft, gemeinsam mit seiner Frau will er ein Boutique-Hotel und Restaurant mit dem Thema Cinema dort eröffnen, außerdem eine Brasserie, und auch ein Kino weiterbetreiben.


Der Gebäudekomplex besteht aus einem Vorder- und Hinterhaus, ist dreigeschossig, die oberen Etagen wurden als Wohneinheiten genutzt. Das ehemalige Kino wurde in den 50er Jahren erbaut, „es war nach dem Krieg das größte Gebäude der Stadt“, berichtet Schäfer. Äußerlich wird nur die Fassade verändert.

Doch innen soll der einstige Europa-Palast ab Sommer 2019 komplett umgekrempelt und neu genutzt werden: In dem gesamten Komplex sollen eine Brasserie mit Außenterrasse, ein Hotel mit 18 Zimmern, ein Restaurant mit 90 Plätzen und ein Kinoraum mit 80 Plätzen entstehen sowie eine Dachterrasse über dem großen Kinosaal, „eine Oase mitten in der Stadt“. Investor Schäfer legt beim Umbau Wert auf „größtmögliche Barrierefreiheit aller öffentlichen Bereiche“.



Die oberen drei Etagen des Vorderhauses sollen zum Hotel umgebaut werden, mit jeweils sechs Gästezimmern höheren Standards. „Das Thema Kino soll sich auch in der Gestaltung der Zimmer spiegeln.“ Das nostalgische Kino-Foyer, „das hat mich immer fasziniert“, schwärmt Schäfer, soll im Stil der 50er zwar nicht erhalten, aber „interpretiert“ werden. Im Erdgeschoss, auf gut 800 Quadratmetern, soll rechts die Hotelrezeption entstehen, das Ladengeschäft links wird zur kleinen Brasserie, mit gutbürgerlicher Küche, „als Mittagstisch und für das Kino“, plant Schäfer. Denn das nostalgische Kino 2, „das mit dem roten Plüsch“, soll im Zwischengeschoss erhalten bleiben und „mit Wohnzimmeratmosphäre“ weiterbetrieben werden. Saal 3 wird zu einem Seminarraum. Im Erdgeschoss des Mitteltraktes werden zudem Sanitäts- und Lagerräume sowie ein Pausenbereich eingerichtet.

Das Hinterhaus, der große Kinosaal, soll ein „Eventrestaurant“ für bis zu 90 Gäste werden. Neben hochwertigen Speisen und Getränken soll es dort auch dezente künstlerische Darbietungen geben, „das können etwa Stummfilme auf der großen Leinwand sein, mit Pianomusik untermalt“, beschreibt der Architekt. Die Küche, am hinteren Ende des Saals, soll laut Schäfer „auf hohem Niveau“ kochen, „vielleicht am Ende sogar mit einem Stern“, ergänzt er selbstbewusst.

Das Paar plant Umbau und Innenarchitektur selbst und will den Komplex auch selbst führen. „Wir wollten immer schon ein Hotel haben“, sagt der gebürtige Dillinger, der Jahrzehnte in Berlin lebte, „und das ist das passende Objekt.“ Dass die Hüttenstadt ein hochwertiges Hotel mit Gastronomie und auch ein Kino braucht, davon sind die Investoren überzeugt. „Dillingen ist die Stadt im Saarland, die alles hat, die Schnittstelle zwischen Industrie und Natur.“ Stilvolle, inhabergeführte Hotels, als Gegensatz zu Business-Hotels, „davon brauchen wir mehr“, meint Schäfer, „und wir wollen auch den Tourismus-Trend in der Region nutzen.“ Eröffnen könnte das Hotel, das noch keinen Namen hat, nach gut eineinhalb Jahren Bauzeit voraussichtlich im Frühjahr 2021.

Die Pläne, die am Donnerstagabend dem städtischen Bauausschuss vorgestellt worden waren, stießen bei den Ratsmitgliedern auf breite Zustimmung, berichtete Bürgermeister Franz-Josef Berg. Die Stadtspitze selbst begrüßt das Vorhaben sehr: „Das ist eine enorme Aufwertung für unsere Innenstadt“, freute sich Berg. Das alte Kino, in den vergangenen Jahren großes Sorgenkind in der Dillinger Innenstadt, stand seit April 2016 endgültig leer; einen Pächter oder Käufer suchte der Vorbesitzer lange vergebens.