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Dammam, Kafka oder etwas ganz anderes

Dammam, Kafka oder etwas ganz anderes

Die Performance-Künstlerin Elodie Brochier spielte in der Premiere von „Josefines Gesang“ im Theater im Viertel. Ein experimentelles Stück, das als Collage aus einem Kafka-Stück und einem Text der Autorin Nima Nematizade erscheint und den Zuschauer eher ratlos zurücklässt.

"Wenn du es nur früher gesagt hättest, hätte ich vielleicht etwas machen können...", sagt der iranische Dammambauer auf das Band des Anrufbeantworters. Aber jetzt ist es zu spät. Die schwangere Technikerin, gespielt von Elodie Brochier, gerät in Bedrängnis. Sie entschließt sich, den von einem Kunden bestellten Dammam selbst zu bauen.

Der Dammam ist ein iranisches Schlaginstrument aus Ziegenhaut und spielt die entscheidende Rolle in dem Theaterstück "Der Dammam" von Nima Nematizade, die auch Regie führte. Die kleine Bühne im Theater im Viertel ist hierfür gerade groß genug. Nur Elodie Brochier ist auf der Bühne. "Es ist die richtige Nummer, aber leider bin ich nicht da", ertönt es andauernd aus ihrem Anrufbeantworter in der Bühnenecke. Einmal ruft der Kunde an, der den Dammam unerwartet früher haben möchte. Oder es ist doch wieder der iranische Dammambauer, der Elodie ausreden will, den Dammam selbst zu bauen. "In deinem Zustand ist es schlecht zu bauen. Mit dem dicken Bauch", spricht er auf den Anrufbeantworter.

Begleitet wird diese Geräuschkulisse von dem Radio. Scheinbar zufällig ist hier Kafkas Geschichte "Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse" zu hören. Es geht um den Ruhm und Fall der mäßig begabten Sängerin Josefine. Eine Geschichte, die auch Kafkas Selbstzweifel in seiner letzten Schaffensphase widerspiegelt.

Der Dammam nimmt Gestalt an. Aus einer alten Tonne, Metallrohren, einer Wäscheleine und Tüchern entsteht die Trommel. Als der Dammam fertig gebaut ist, endet auch die Geschichte von Josefine im Radio. Die schwangere Technikerin verschwindet mit dem Dammam von der Bühne. Daraufhin kommt ein Mann mit Dammam auf die Bühne und sucht nach der Frau. Ein letztes Mal geht der Anrufbeantworter an; der Kafka-Leser aus dem Radio ist zu hören: "Ich hab' mit dem Redakteur gesprochen. Er will dein Stück nicht spielen. Die Musik ist nicht stark genug. Jetzt bin ich dieser ehrliche Blödmann, der dir das sagen muss." Das Licht geht aus.

Und nun? Seltsam. Soll die schwangere Technikerin auch gleichzeitig die Josefine aus Kafkas Stück darstellen? Auch das zögerliche Klatschen aus dem Publikum zeigt, dass noch Fragen offen bleiben. Wer Theater als Anregung zum Nachdenken sieht, dem seien die weiteren Aufführungen des Stückes empfohlen.

Weitere Aufführungen von "Josefines Gesang" am 5., 6. und 7. September, jeweils um 20 Uhr, im Theater im Viertel am Landwehrplatz. Karten zu 12/7 Euro unter Tel. (06 81) 3 90 46 02 oder karten@dastiv.de

dastiv.de