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Classics Night
Grandiose Glanzleistung beim Geburtstagsfest

Alle Solisten der ClassicsNight 2018 im Lokschuppen Dillingen kamen zum großen Finale auf die Bühne; vorne im Bild Gospel-Pastor Kirk Smith.
Alle Solisten der ClassicsNight 2018 im Lokschuppen Dillingen kamen zum großen Finale auf die Bühne; vorne im Bild Gospel-Pastor Kirk Smith. FOTO: Thomas Seeber /
Dillingen. Zum zehnten Mal füllte die Dillinger ClassicsNight zwei Abende lang den Lokschuppen. Restlos ausverkauft waren die Karten, restlos begeistert die Zuhörer: Ein Höhepunkt folgte auf den anderen. Von Jutta Stamm

Ein grandioses Konzert, das kaum zu toppen ist, krönte den zehnten Geburtstag der ClassicsNight, die ein Highlight an das andere reihte und damit das Publikum von den Stühlen riss.


Das musikalische Spektakel reichte von Ohrwürmern wie Elgars „Pomp and Circumstances“ über Opernarien und das hinreißende Adagio des Klarinettenkonzerts von Mozart bis hin zum „Halleluja“ von Cohen, das offiziell den Schlusspunkt setzte. Aufgeheizt wurde die ohnehin bereits überschäumende Stimmung mit zwei Zugaben, dem „Oh happy day“ und dem bekannten Party-Song „Music“, der Horst Friedrich und alle Mitwirkenden noch einmal auf die Bühne rief. Seine bewegliche Stimme wechselt zwischen Piano und Forte, wobei er gerne auch mal übertreibt. So geriet das „Barcelona“ von Mercury, das er leidenschaftlich mit Charlotte Dellion, der lyrischen Sopranistin aus Bouzonville, vortrug, doch etwas zu laut und forciert. Allerdings mussten sich die beiden auch gegen einen massiven Orchesterklang durchsetzen. Neben dem ClassicsNight-Orchester, das in allen Sparten erstklassig aufspielte, kann auch die dreiköpfige Band nicht genug gelobt werden.

Weitere Mitwirkende überraschten aufs Neue, denn bis auf wenige waren alle, jede(r) für sich ein Stern am Himmel der ClassicsNight: Anja Becker (aus dem Anderen Chor) sang das berührende „Hamsafar“ von Tin, die farbige Mezzosopranistin Kim Sanders beeindruckte gleich mehrfach mit ihrer wunderbaren Stimme und ihrer zauberhaften Ausstrahlung, egal ob sie einen Song von Whitney Houston oder die Titelmelodie von „Gold Finger“ interpretierte. Anne Kathrin Gratz, im Opernchor des Saarländischen Staatstheaters zu hören, sang lyrisch-ausgefeilt Puccinis bekannte Sopranarie „Oh mio babbino caro“, während der Saarbrücker Bariton Stefan Röttig, Mitglied des Staatstheaters, sich sichtlich wohlfühlte in der Rolle des wilden Stierkämpfers, der im „Toreador Song“ von Bizet mit brodelnder Melodik besungen wird, oder des verkannten Figaro, der im „Largo al factotum“ aus dem „Barbier von Sevilla“ von Rossini im virtuos-witzigen Plauderton Beschwerde führt. Eine herausragende Persönlichkeit ist der amerikanische Gospel-Pastor Kirk Smith, ein begnadeter Sänger, der seiner Kirchengemeinde in Berlin vorsteht, aber offensichtlich auch seine Auftritte auf offener Bühne genießt. Er begeistert mit Temperament, Bühnenpräsenz und seiner Stimme, die von eigener Schönheit und Ausdrucksstärke ist.



Und wer im Raum Saarlouis kennt nicht Tobias Rößler, den Kopf von „Fourtissimo“ und „Dreierpatsch“? Das musikalische Allround-Talent spielte am Klavier und trug in kabarettistischer Manier und mit guter Stimme das „Lied ohne Sinn“ vor, das er selbst komponierte. Auch Sophie Kockler, ehemalige Klavierschülerin von Thomas Bernardy, spielte hinreißend. Mit dem Adagio aus dem Klarinettenkonzert von Mozart berührte sie die Herzen der Konzertbesucher. Ebenso virtuos beherrscht Vilmas Kaliunas, Mitglied der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern und des ClassicsNight-Orchesters, bekannt auch als Dirigent des Kreissinfonieorchesters Saarlouis, beherrscht sein Instrument, die Klarinette. Ein kleines Debüt gab Patrick Ries mit dem Saxophon und sorgte damit für Überraschung. Er leitete das „Halleluja“ von Cohen ein, in das alle Mitwirkenden inbrünstig einstimmten.

Fantastisch war‘s; und das dank Thomas Bernardy, im Hauptberuf Organist am Saardom. Er studierte das Konzert nicht nur ein. Souverän dirigierte er seine Instrumentalisten sowie den von ihm hervorragend geschulten (Anderen) Chor und begleitete alle Musiker meisterlich am Klavier. Dazu animierte er immer wieder das Publikum, mitzusingen, und stellte in humoriger Art jeden einzelnen Künstler vor. Eine Glanzleistung, die mit nicht enden wollendem Applaus und stehenden Ovationen belohnt wurde.