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Christas Classics im Lokschuppen Dillingen

Christmas classics : Klatschorgien bei den „Christmas Classics“

Nach zwölf erfolgreichen Jahren lud „The New Generation“ (TNG) wieder an zwei Abenden zu den „Christmas Classics“ in den Lokschuppen nach Dillingen ein. Arrangeur und Bandleader Georg Fritz brachte mit seinem Orchester und Solisten Weihnachtsstimmung auf die Bühne.

Gedämpfte Beleuchtung, geschmückte Tannenbäume, Glitzerwerk unterm Sternenhimmel: Das 20-köpfige TNG-Orchester mit Streichern, Bläsern, elektrischen Gitarren, einer groovigen sechsköpfigen Rhythmusgruppe und Pauken sowie ein Begleitchor (Walter Dietrich, Nicole Geier, Anika Hoff) und die beiden Pianisten, Bandleader und Arrangeur Georg Fritz und Daniel Krüger, haben ihre Plätze eingenommen, als das Schlagzeug mit markigen Schlägen einsetzt. Leider sind nicht nur die Konzertgäste des Öfteren nachhaltig mit der Lautstärke des Schlagwerks überfordert, sondern auch die Gesangssolisten. Streicher werden in den Schatten gestellt. Dann erhebt Svenja Meyer aus Wadern ihre wunderbare Stimme. Sie singt „O come Emanuel“. Die Rockröhre bietet Reibeisen zwischen Rock und Poesie par excellence und stellt ihr musikalisches Talent mehrfach unter Beweis. Nach einer klassischen Ausbildung hat sich die junge Sängerin mit ihrem enormen Stimmvolumen und ihrer attraktiv-dynamischen Bühnenpräsenz fest in der Szene etabliert. „The New Generation“ schon lange verbunden ist ebenfalls der dunkelhäutige Bernard „Smitty“ Smith aus Miami, der in Kaiserslautern zu Hause ist und mit seiner eigenen Band dem Blues und Soul huldigt. Smittys Lieblingsliteratur sind gefühlvolle Balladen. Dass ihm auch der Swing nicht fremd ist, zeigt er bei der Aufführung des Ohrwurms „White Christmas“, den er mit sanfter und warmer Stimme singt. Hinzu kommt Sabine Becker aus Saarlouis, die facettenreiche Musical-Stimme. Zusammen mit dem Orchester inszenieren beide den Song so überschäumend, dass man das Tanzbein schwingen möchte. Allerdings strapaziert Becker ihre Stimmbänder, da sie es mit dem Orchester aufnimmt.

Mal wenig motiviert, mal kraftvoll-dynamisch genießt Martin Herrmann aus Losheim seine Auftritte, die er trefflich mit Bonmots und Scherzen würzt. Der Mann hat Entertainerqualitäten. Im Morgenrock mit Schlaflämmchen auf der Schulter bemüht er das Lied „Der perfekte Moment“, um das Publikum wissen zu lassen: „Heut mach ich gar nichts ...“ Zur Hochform läuft der klassisch ausgebildete Sänger mit dem zu Herzen gehenden Lied „O Holy Night“ auf, das er mit fester Stimme inbrünstig vorträgt – sparsam von Klavier, Geige und Glockenspiel untermalt. Sehr viel andächtiger hätte man sich das Adeste Fideles („Herbei, o ihr Gläubigen“) gewünscht. Einen einmaligen Soloauftritt hat Annika Hoff aus dem Backgroundchor, die mit guter Stimme, doch eher etwas brav das „Ave Maria“ von Bach interpretiert.

Ein weiterer Gesangsstar im Bunde ist die farbige Sängerin Ty LeBlanc aus Louisiana. Mit ihrer Soul- und Gospelstimme zieht sie alle in ihren Bann, fasziniert mit den Songs „Little Drummer Boy“, „I dreamed a dream“ und „Rudolf Red Nose“, behauptet sich im Duett mit Sabine Becker und bei gemeinsamen Auftritten mit den anderen Sängerinnen und Sängern. Leider geraten auch „The First Noel“, das zu den leiseren Weihnachtsliedern gehört, sowie der mitreißende Gospelsong „Oh Happy Day“ wieder zu laut. Das Publikum ist jedoch so elektrisiert, dass es aufsteht und enthusiastisch klatscht.

Nach der Pause begeistern „Smitty“ mit „Santa Claus is coming to Town“, Svenja Meyer mit „Please come home for Christmas“. Das traditionelle „Oh du fröhliche“ wird festlich von ihr und Herrman vorgetragen. Mit großer Andacht und gleich in mehreren Sprachen singen alle das „Silent Night“ (Stille Nacht, Heilige Nacht). Nachdem Martin Herrman mit „Ihr von Morgen“ eine Hommage an Udo Jürgens gerichtet hat, geht das Konzert dank heftiger Klatschorgien mit zwei Zugaben zu Ende.

Auch dieses Mal bereichert Margit Reinhard-Hesedenz mit professioneller Diktion die Veranstaltung vom Sofa aus mit sehr schönen und auch außergewöhnlichen Weihnachtsanekdoten.