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TWG: Aus aller Welt nach Dillingen

TWG : Aus aller Welt nach Dillingen

Das TWG Dillingen nimmt im aktuellen Schuljahr Gastschüler aus Japan, Ecuador und Mexiko auf.

„Alles fing damit an, dass unsere Tochter mit damals gerade einmal 15 Jahren ein Auslandsjahr in Japan machen wollte“, erinnert sich Manuela Ellersdorfer aus Niedaltdorf. Wie wohl die meisten Mütter dachte sie „Oh Gott“ – informierte sich aber dennoch über Möglichkeiten eines Schüleraustauschs. „Eine Nachbarin hatte eine Gastschülerin aus Japan, so sind wir auf die Organisation YFU (Youth for understanding) aufmerksam geworden.“ Recht schnell war die Idee geboren, statt die Tochter in ferne Länder reisen zu lassen, die Welt doch lieber zuerst einmal nach Niedaltdorf zu holen.

Das ist jetzt fünf Jahre her – Familie Ellersdorfer hatte seither in jedem Jahr einen Jugendlichen zu Gast. Die kamen aus Japan, Chile, Ecuador und Thailand. Mit Camilla Salazar aus Ecuador bietet sie nun einer 18 Jahre alten angehenden Studentin Kost und Logis. Beim ersten Besuch der Gastschule, das war für sie Ehrensache, begleitete sie Camilla nach Dillingen. In den kommenden Wochen und Monaten wird sie zusammen mit dem 16 Jahre alten Franco Munoz aus Mexiko und der 18 Jahre alten Miwa Obata aus Japan am Technisch-Wissenschaftlichen-Gymnasium (TWG) die Schulbank drücken.

Zum Einstieg gab es für die Gruppe, denn die Gastschüler waren in Begleitung ihres Sprachkurses in die Schule gekommen, erst einmal eine kurze Begrüßung durch Schulleiter Herbert Jacob. Sichtlich erleichtert zeigten sich die Jugendlichen, als Konrektorin Linda Machwirth die netten Worte ins Spanische übersetzte. Denn sie alle kommen ganz ohne deutsche Sprachkenntnisse nach Deutschland.

Vor so viel Mut in jungen Jahren zeigte selbst Schulleiter Jacob großen Respekt. Vor allem die Praktikumsräume, in denen Technik unterrichtet wird, zeigte er den Schülern. Anschließend ging es in eine erste Spanisch-Stunde mit Lucia Belmonte Rubio. Zusammen mit ihrem Kurs – „Redet bitte langsam, meine Schüler haben erst im dritten Jahr Spanisch-Unterricht“, war das Eis sehr schnell gebrochen, die Kommunikation funktionierte bestens. Mitgebracht hatten die jungen Leute aus Südamerika ihren Stundenplan, es galt in einer ersten Fragestunde, sie mit dem deutschen Schulsystem zu vergleichen.

Aber nicht nur die Schule, auch der Alltag verblüfft derzeit die Schüler. „Hier gibt es den ganzen Tag Brot und es wird immer Bier getrunken“, berichtete Camilla von ihren ersten Eindrücken. Ein bisschen Heimweh, verriet sie, habe sie so weit weg von zu Hause schon, vor allem nach ihrem sechs Jahre alten Bruder. „Da ist es wichtig, dass die Gasteltern die Jugendlichen in das Familienleben aufnehmen, ihnen die Möglichkeit geben, Freunde zu finden“, erklärte Ellersdorfer. Sie hat Camilla bereits im Karnevalsverein angemeldet, Anfang September geht es zum ersten Training.

„Man muss nicht viel investieren, Kost und Logis gewähren, dazu gastfreundlich sein. Doch dafür bekommt man unendlich viel von den Gästen zurück, lernt so die Welt kennen“, schwärmt sie. Sehr gerne würde sie auch andere Eltern mit ihrer Begeisterung anstecken. „Die Nachfrage, Gasteltern für ein Jahr zu sein, geht immer weiter zurück. Deshalb suchen wir händeringend nach Gastgebern“, sagt sie.

Jährlich kommen rund 500 Schüler durch YFU nach Deutschland, etliche warten noch auf die passende Gastfamilie, um ausreisen zu können, erklärt sie. Für Camilla, Franco und Miwa beginnt in diesem Tagen ein großes Erlebnis. Sie werden die Schule und den Alltag in und um Dillingen kennerlenen – und die Saarbrücker Zeitung wird sie dabei in regelmäßigen Abständen begleiten.

„Zu Hause die Welt entdecken“ – unter diesem Motto wirbt die Organisation YFU _ Youth for Understanding, Internationaler Jugendaustausch um Gasteltern. Die Organisation mit Sitz im Hamburg sorgt bereits seit 1957 für gemeinnützigen Schüleraustausch. Weitere Informationen, wie man Gastgeber werden kann, gibt es unter Telefon (040) 2 27 00 27 78.

www.yfu.de/gastfamilien