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Auch bei Essstörungen gibt es Selbsthilfe

Auch bei Essstörungen gibt es Selbsthilfe

Dillingen. Die einen essen und können nicht mehr aufhören. Die anderen denken den ganzen Tag ans Essen, kontrollieren jeden Bissen, den sie zu sich nehmen, und sind so Sklaven eines Diätplanes oder einer Ernährungsweise geworden. Andere essen und erbrechen das, was sie gegessen haben

 Die Caritasklinik ist dienstags Treffpunkt der Selbsthilfegruppe. Foto: Becker&Bredel
Die Caritasklinik ist dienstags Treffpunkt der Selbsthilfegruppe. Foto: Becker&Bredel

Dillingen. Die einen essen und können nicht mehr aufhören. Die anderen denken den ganzen Tag ans Essen, kontrollieren jeden Bissen, den sie zu sich nehmen, und sind so Sklaven eines Diätplanes oder einer Ernährungsweise geworden. Andere essen und erbrechen das, was sie gegessen haben. Dann gibt es wiederum Menschen, die vor allem in Stresssituationen nichts zu sich nehmen können und dabei regelrecht abmagern. Allen gemeinsam ist, dass das Essen, der Gedanke ans Essen oder auch das Nicht-Essen-Dürfen zur Last geworden ist und oft das Denken beherrscht.Seit etwa zehn Jahren gibt es in Dillingen eine Selbsthilfegruppe der "Overeaters anonymous" (OA). In dieser Gruppe finden solche Menschen Unterstützung und Hilfe. Gerlinde, 59 Jahre alt und seit langem Mitglied der Gruppe, erklärt die Idee, die hinter dem Konzept der OA steht. "Der erste Schritt ist es, sich selbst die Unfähigkeit einzugestehen, das zwanghafte Essen kontrollieren zu können. Zwanghaft zu essen, nicht essen, sich überessen oder die Bulimie ist eine Sucht." Die OA sind eine 10-Schritte-Gruppe, ähnlich den Anonymen Alkoholikern. Das Ziel der Mitglieder der OA ist es, abstinent zu bleiben. Abstinenz bedeutet nun keinesfalls, überhaupt nichts mehr zu essen. "Wir nehmen drei regelmäßige Mahlzeiten am Tag zu uns", erläutert Gerlinde. Dabei gelten einige einfache Regeln: Sich keinen Nachschlag holen, beispielsweise. Sich nicht überessen, zwischen den Mahlzeiten nichts essen. Damit das auch klappt, arbeiten die Mitglieder der OA durchaus mit Tricks. "Nach der Mahlzeit gleich aufstehen, Zähne putzen, und wenn der Drang etwas zu essen ganz schlimm wird, jemanden aus der Gruppe anrufen." "Unser Ziel ist es, unser Leben in Freiheit zu gestalten, in Freiheit vom Zwang zu essen und von den Gedanken ums Essen", sagt Gerlinde. Dazu gehört dann auch, sich selbst etwas Gutes zu tun, beispielsweise sich einfach einmal in die Sonne zu legen, etwas zu lesen oder einfach aus dem Haus zu gehen und etwas zu tun, was man schon lange einmal tun wollte. Vor allem gehört dazu, seine Gefühle zu akzeptieren. "Denn viele Menschen benutzen das Essen als Ersatz, weil sie ihre Gefühle nicht ertragen können." Freude, Schmerz, Trauer, alles dies sind Gefühle, die viele Menschen durch Essen kompensieren, weiß Gerlinde. Diäten sind verboten bei den OA. "Wer eine Diät macht, denkt ständig übers Essen nach", weiß Gerlinde aus eigener Erfahrung. Und das ist etwas, was in klarem Gegensatz zu den Zielen der Gruppe, nämlich der Freiheit von den Gedanken ans Essen steht. "Wenn die Gedanken ständig ums Essen kreisen, dann ist das nicht normal. Viele Menschen sehen es heute allerdings als normal an, ständig Diät halten zu müssen, viele leiden aber auch darunter". Oft brauchen die Menschen sehr lange, bis sie eine Gruppe aufsuchen. "Man sagt sich, man isst halt zu viel", sagt Gerlinde dazu. "Aber dass das Essen irgendwann zum Problem geworden ist, gesteht sich kaum jemand ein."Die OA-Gruppe trifft sich an jedem Dienstag von 18 bis 20 Uhr im Konferenzraum des Dillinger Caritas-Krankenhauses. Oberstes Gebot in der Gruppe ist die Anonymität. Jeder ist willkommen und es gibt keine Kosten oder Mitgliedsbeiträge.