Am Anfang war es noch schwer

Das Zertifikat haben sie jetzt in der Tasche, aber Aussprache und Satzstellung beweisen es ohnehin: Richtig gut können die jungen Syrer jetzt Deutsch sprechen und verstehen – nach einem Jahr im intensiven Kurs.

"Ohne Sprache sind die Fächer einfach alle sehr schwierig, jetzt geht es", erklärt Bashar Shwa, Schüler der Einführungsklasse am technisch-wissenschaftlichen Gymnasium (TWG) in Dillingen . Stolz hält er sein Sprachzertifikat in der Hand, mit 100 Prozent im Bereich "Sprechen" in Niveau B1 hat der 17-jährige Syrer, der im vergangenen Jahr als unbegleiteter Flüchtling ins Saarland kam, allen gezeigt, was er in einem Jahr gelernt hat.

"Jeden Tag an der Schule hatten wir vier Stunden Sprachunterricht , dazu habe ich zu Hause die ganze Zeit gelernt", erzählt er und freut sich über das gute Ergebnis. Zusammen mit acht weiteren Absolventen erhielt Bashar die Zertifikatsprüfung als Einstieg in die schulische oder berufliche Ausbildung in Deutschland. Möglich gemacht hat das eine Art Pilotprojekt am TWG, gestrickt von Schulleiter Herbert Jacob und seinem Team.

Rückblick: Die ganze Geschichte, erzählt Jacob, begann vor gut einem Jahr, als die KEB Dillingen anfragte, ob man Interesse an einer Zusammenarbeit mit minderjährigen syrischen Flüchtlingen hätte. "Zunächst dachten wir an Freizeitaktivitäten, doch schnell wurde daraus die Idee, die jungen Männer zu Gastschülern zu machen", erklärt der Schulleiter. Mit der Teilnahme am regulären Unterricht allein, zeigte sich, war es nicht getan - die größte Barriere war die Sprache. "Das stellte uns vor zwei Herausforderungen: Personal und Finanzen", sagt Jacob. Für beides fand er eine Lösung.

Da Herbert Jacob sich seit vielen Jahren bei der Lions-Hilfe in Saarlouis engagiert, überzeugte er seine Kollegen von den Projekt Gastschüler am TWG "nicht zuletzt, da es eine gute Möglichkeit ist zu sehen, wohin das Geld geht", betont er. Mit Marina Hargarter und Lucia Belmonte-Rubio wurden zwei engagierte Sprachenlehrerinnen gefunden.

"Es war gar nicht einfach, vor allem am Anfang", erklärt Belmonte-Rubio. Vier Stunden täglich wurde die Sprache vom einfachsten Niveau an vermittelt, einfache Konversation geübt, Briefe geschrieben, Themengebiete bearbeitet. "Es war ein riesiges Themenfeld, das da vor uns lag", sagt sie. Dazu sollte nicht nur die Sprache erlernt werden, sondern individuell auch ein Augenmerk auf die Zukunftswünsche der Schüler gelegt werden. "Bei all dem sind wir immer realistisch geblieben, haben die Schüler berufsorientiert beraten", sagt sie.

Für Bashar soll es nach dem Abitur am TWG, das er anstrebt, in den kaufmännischen Bereich gehen. Auch Feras Al-Ghazi strebt das Abitur am TWG an. "Die Mitschüler hier sind alle sehr freundlich und nett und der Sprachunterricht war sehr gut", lobt er.

Die Kosten des international anerkannten Zertifikats hat der Landkreis Saarlouis als Schulträger übernommen. "Ein Kurs nutzt den Schülern, doch ein Zertifikat ist eine schriftliche Bestätigung der Leistung, um den weiteren Weg besser gestalten zu können", erklärt Landrat Patrik Lauer .

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Absolventen Niveau A1: Amar Abo Alsmack, Mohamed Bakri, Niveau A2: Mohammed Malaz Al-Dalati, Mohamad Kher Aljabrah, Niveau B1: Feras Al-Ghazi, Abo Bakr Alsowidani, Abdulrahman Obeid, Mulham Sallouha, Bashar Shwa. cim