Als Bomben auf Lebach fielen

Lebach. Vor 68 Jahren, am 18./19. März, nahmen Streitkräfte der US-Armee das von deutschen Truppen geräumte Lebach ein. Drei Tage, nachdem sie das ganze Saargebiet besetzt hatten, war der Krieg für die Bewohner zu Ende. Lebach, obwohl in der so genannten Etappe gelegen, blieb als wichtiger Verkehrsknoten und als Garnison von Kriegseinwirkungen nicht verschont

Lebach. Vor 68 Jahren, am 18./19. März, nahmen Streitkräfte der US-Armee das von deutschen Truppen geräumte Lebach ein. Drei Tage, nachdem sie das ganze Saargebiet besetzt hatten, war der Krieg für die Bewohner zu Ende. Lebach, obwohl in der so genannten Etappe gelegen, blieb als wichtiger Verkehrsknoten und als Garnison von Kriegseinwirkungen nicht verschont. Ab Anfang 1944 war die Stadt mehrere Male das Ziel alliierter Bomber- und Jagdbomberverbände.

Im Januar und Februar 1945, als die Saar zur Hauptkampflinie wurde, richteten auch Artilleriegranaten große Schäden an - Menschen kamen um und etliche Gebäude wurden in Schutt und Asche gelegt. Richard Hoffmann, ein Lebacher Bub des Jahrgangs 1930, erinnert sich noch ganz genau an den Angriff amerikanischer Jagdbomber, damals "Jabos" genannt, vom 18. November 1944 auf den Bereich um den Bahnhof und den heutigen Bitscher Platz. Zwei Lebacher Männer kamen dabei ums Leben. Der Künstler erzählt: "Ich sah von meinem Elternhaus in der Kirchstraße aus, wie alliierte Jagdbomber von Osten anflogen und ihre Bomben über der Lebacher Innenstadt abwarfen. Ich suchte Schutz im Keller, bis die Detonationen aufhörten. Von Neugier getrieben, lief ich in Richtung Bahnhof, um zu sehen, was passiert war." Dem damals 15-Jährigen boten sich grausige Bilder. Neben dem Gebäude eines Landhandels war ein Mann von einem Betonteil erschlagen worden, ein weiterer hatte überlebt, obwohl er durch die Bombenexplosion durch die Luft gewirbelt wurde. Ein Stück weiter fanden Sanitäter Teile eines weiteren Opfers. Anhand der Geldbörse mit Ausweispapieren konnte die getötete Person identifiziert werden - es war ein Schulfreund von Richard Hoffmann. Einige Tage später, so berichtet Hoffmann weiter, sei ein Bagger angerückt, um unter den Trümmern nach einem vermissten Ingenieur zu suchen - jedoch erfolglos.

Dieses erschütternde Erlebnis und Kriegsschicksale in der eigenen Familie haben Hoffmann veranlasst, bis heute Berichte und Bilder über die großen Kriege zu sammeln. Sein Vater Jakob, der im Ersten Weltkrieg schon als Soldat bei Ypern im Einsatz war, erlitt im Dezember 1944 bei einer Explosion im Bahnhof Primsweiler eine schwere Augenverletzung. Fast schon genesen wurde er bei der Rückfahrt aus der Klinik durch einen Jabo-Angriff erneut schwer verletzt, er überlebte jedoch ein zweites Mal. Richards Bruder Emil fiel 1944 als 17-Jähriger in Italien und kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner in Lebach wurde das Haus der Hoffmanns durch eine Artilleriegranate schwer beschädigt.

Heute erinnert außer den Gräbern der Kriegsopfer auf dem Friedhof nichts mehr in der Stadt an jene schlimme Zeit des großen Krieges. Genau 68 Jahre später, erhält der Bereich vor dem Bahnhof, der zuerst als Busbahnhof und später mit dem Namen "Bitscher Platz" als Marktplatz angelegt worden war, ein völlig neues Gesicht. aki