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Preis
Schoch forscht am Down-Syndrom 

Dr. Justine Lisa Schoch erhielt den Alois-Lauer-Förderpreis 2018 von (von links) Dieter Saasen, Thomas Martin und Dr. Lambert Holschuh.
Dr. Justine Lisa Schoch erhielt den Alois-Lauer-Förderpreis 2018 von (von links) Dieter Saasen, Thomas Martin und Dr. Lambert Holschuh. FOTO: Johannes Bodwing
Dillingen. 25-jährige Ärztin aus Karlsruhe wird in Dillingen mit dem Alois-Lauer-Förderpreis ausgezeichnet. Von Johannes Bodwing

Um Leben und Tod geht es fast täglich im menschlichen Körper. Immunzellen ringen Krankheitserreger nieder, auch wenn davon nichts zu spüren ist. Mit dem Abwehrsystem bei Kindern mit Down-Syndrom beschäftigte sich Dr. Justine Lisa Schoch. Die 25-Jährige aus Karlsruhe ist Preisträgerin des Alois-Lauer-Förderpreises 2018 für Medizin, stellte der Stiftungsvorsitzende Thomas Martin dar. Sie ist eine von zehn Bewerbern und bekam am Standort der Alois-Lauer-Stiftung in Dillingen Urkunde und 5000 Euro Preisgeld überreicht.


„Quantitative, phänotypische und funktionelle Charakterisierung der zellulären Immunität bei Kindern mit Down-Syndrom“, lautet der Titel ihrer Untersuchung. Die betrieb sie vier Jahre parallel zum Studium am Universitätsklinikum Homburg. Der Abschluss erfolgte mit summa cum laude. Vereinfacht ausgedrückt beschäftigte sich Dr. Schoch mit möglicherweise geänderten Reaktionen von Immunzellen bei Kindern mit Down-Syndrom. Ihre Ergebnisse sind inzwischen in einer renommierten Fachzeitschrift erschienen. Auf mehreren Fachkongressen hat Schoch sie vorgestellt.

Schafft es ein Erreger bis in den menschlichen Körper, hat das Immunsystem eine Reihe von Abwehrzellen parat. Darunter T-Zellen, Killerzellen, humorale und adaptive Zellen. Die Einen schlagen gleich zu mit ererbten Eigenschaften. Andere brauchen eine Weile, um sich auf spezielle Erreger einzustellen. Dr. Schoch fragte sich, ob das Down-Syndrom die Immunreaktion beeinträchtige. Dieser Gendefekt führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Fehlbildungen. Ursache ist eine Mutation. Dadurch liegen entweder das gesamte 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vor (Trisomie 21).



Die frisch gebackene Medizinerin untersuchte vorrangig T-Zellen (T-Lymphozyten) gesunder und behinderter Kinder. Wenige Mikrometer groß finden sich die Zellen in weißen Blutkörperchen und sind für die angeborene Immunabwehr verantwortlich. Sie prüfen die Zellmembran auf ungewollte Veränderungen. Erkennen sie Antigene, aktivieren sie eine Abwehrreaktion. Dafür braucht eine T-Zelle zwei Rezeptoren an der Zelloberfläche. Manchmal fehle so ein Rezeptor, stellte Dr. Schoch dar. Oder er wirke hemmend für die Immun-

abwehr. „Es gab keinen Unterschied bei den T-Zellen“, sagte sie zum Vergleich gesunder Kinder mit solchen mit Down-Syndrom. Doch sie fand bei Down-Syndrom eine erhöhte Anzahl Effektor-T-Rezeptoren. Dies könne ein Effekt sein, um eine geringere Leistungsfähigkeit von T-Zellen zu kompensieren, vermutete sie. Oder auch eine Reaktion auf die erhöhte Infektionsanfälligkeit bei Down-Syndrom. Für eine Klärung seien weitere Forschungen nötig.

Mit der Preisverleihung setzte die seit 1984 bestehende Stiftung den Gedanken ihres Gründers, Alois Lauer, fort. Der Unternehmer und Ehrenbürger Dillingens wollte die Gesundheit der Bevölkerung im Kreis Saarlouis fördern sowie medizinische Forschung. Für Letzteres verleiht die Stiftung seit 2000 den Alois-Lauer-Förderpreis. „Wir wollen Sie damit motivieren, auch bei der Bundeswehr zu forschen“, sagte Vorstandsmitglied Dr. Lambert Holschuh. „Sie können das.“ Denn Dr. Schochs Studium erfolgte über die Bundeswehr in Homburg. Sie wechselt nun zum Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz. Die junge Medizinerin ist derzeit Leutnant und auf dem Weg zum Stabsarzt. Ihr künftiges Fachgebiet sei die Urologie, sagte Dr. Schoch. Aber auch um weiterhin Forschung zu betreiben, seien die ersten Schritte unternommen.