Alles so klein hier

Viele tausend Kilometer von der Heimat enfernt verbringen Eliza Coronel und Alejandro Velzquillo ein Schuljahr auf dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Dillingen. Den Austausch für die beiden 17-Jährigen hat „Youth for Understanding“ organisiert.

Aus lateinamerikanischen Metropolen auf den Saargau. "Es ist alles so klein", sind sich die 17-jährigen Austauschschüler Eliza Coronel aus Ecuador und Alejandro Velazquillo aus Mexiko einig. Beide sind in den Hauptstädten ihrer Heimatländer, sie in Quito, er in Mexiko-Stadt, zu Hause und waren, als sie ankamen, ziemlich verduzt über die Größe ihrer neuen Heimatdörfer. "Hier hast du nur Haus, Kuh, Haus, Kuh", lacht Eliza.

Alejandro ergänzt grinsend: "Ich habe Fürweiler von zu Hause aus in Google Maps nicht einmal gefunden."

Aber trotz anfänglichen Kulturschocks haben sich die Jugendlichen im Saarland sichtlich super eingelebt. Während des Gesprächs albern sie mit ihren Gastmüttern, schwärmen vom sicheren Bus- und Bahnsystem in Deutschland und erzählen belustigt von den ersten Interaktionen mit Einheimischen. "Mit uns Ureinwohnern", wie Elizas Gastmutter Manuela Ellersdorfer fröhlich einschiebt. Ellersdorfer aus Niedaltdorf ist an diesem Mittag mit Eliza zu Besuch bei Familie Schütz in Fürweiler, wo Alejandro wohnt. "Der saarländische Dialekt war für mich wie eine Fremdsprache", beschreibt Alejandro die erste Begegnung mit der Gastgroßmutter.

Er hatte im Vorfeld ein Jahr Deutschunterricht, Eliza sogar nur einen dreiwöchigen Deutschkurs.

Mittlerweile sprechen beide neben Deutsch auch fast fließend Saarländisch und sind auch im Herzen kleine Saarländer geworden. Alejandro schwärmt vom Schwenker: "Ich finde es echt blöd, dass man im Winter nicht schwenken kann." Und Eliza ist besonders begeistert von unseren Laugenstangen. "So leckere gibt's bei uns in Ecuador nicht", meint sie.

Überrascht waren beide anfangs auch vom deutschen Schulsystem. Eliza findet vor allem die viele Freizeit bemerkenswert "Der Lehrer kommt, macht Sachen und geht wieder; wir haben so viele Freistunden", wundert sie sich. "Sau gudd", kommentiert Alejandro schmunzelnd.

Winter ? Schlafen!

In dieser Freizeit reisen die Austauschschüler mit ihren Familien viel, treffen sich mit ihren neuen deutschen Freunden und treiben Sport in Vereinen. "Aber wenn es regnet, lauf ich nicht. Im Winter ist das Wetter zum Schlafen", kommentiert Alejandro die zurückliegende kalte Jahreszeit. Der Höhepunkt von Elizas Freizeitaktivitäten waren definitiv die Fastnachtsfeiern im Saarland, an denen sie in einer Garde teilnahm. "Fasching ist supercool", strahlt sie.

Die Familien und ihre Gäste haben ein richtiges Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. "Es wird schwerer zu gehen, als herzukommen. Sie sind wie meine echte Familie", sagt Eliza - ein wenig wehmütig, da Alejandro und sie Anfang Juli wieder nach Hause fliegen. "Gastfamilie zu sein ist einfach toll. Die Welt verkleinert sich dermaßen", sagt Manuela Ellersdorfer.

"Nur anfangs allein"

Alejandro würde eine solche Auslandserfahrung - er lebt bei Familie Schütz in Fürweiler - sofort weiterempfehlen. "Anfangs fühlt man sich alleine", sagt er, "aber meine Familie hat mir sehr viel geholfen. Ich habe sehr viel über meine eigene Persönlichkeit gelernt und fühle mich jetzt supergut." Den Kontakt wollen die Familien und ihre Austauschschüler aufrecht erhalten; es sind sogar schon Rückbesuche geplant.

Zum Thema:

HintergrundYouth For Understanding (YFU) ist eine gemeinnützige Schüleraustausch-Organisation. Über diese kommen Ende August dieses Jahres über 500 Jugendliche aus Lateinamerika , Asien, Europa und den USA für ein Austauschjahr nach Deutschland. YFU sucht noch aufgeschlossene Gastfamilien, die sich die Welt nach Hause holen möchten. dnsInteressierte Familien können sich bei YFU melden unter Telefon (0 40) 22 70 02-0 oder per E-Mail: gastfamilien@yfu.de oder info@yfu.de.yfu.de