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Ali hilft bei Sprach- und Mentalitätsproblemen

Ali Nabo (vorne rechts) unterstützt die Neuankömmlinge am TGBBZ Dillingen. Foto: Thomas Seeber
Ali Nabo (vorne rechts) unterstützt die Neuankömmlinge am TGBBZ Dillingen. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Dillingen. Das TGBBZ Dillingen hat inzwischen drei Klassen mit rund 50 Flüchtlingen. Berufsschüler Ali Nabo bot kurzerhand seine Hilfe an: Als Übersetzer und Ratgeber hilft der Syrer den Neuen, sich zurechtzufinden. Nicole Bastong

In sechs verschiedenen Sprachen steht "Herzlich Willkommen" auf der Bank, die Lehrer Karl Ripplinger mit seiner Flüchtlingsklasse gebaut hat. Zum Beispiel auf Persisch, Oromo und Tigrinya oder Arabisch, der Muttersprachen der neuen Schüler am Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrum (TGBBZ) Dillingen .

Die Berufsschule mit rund 1800 Schülern hat inzwischen auch drei Flüchtlingsklassen gebildet. Die neuen Schüler kommen aus den verschiedensten Ländern, sie sind zwischen 15 und 18 Jahren alt und damit schulpflichtig, erklärt der stellvertretende Schulleiter Patrick Saar: "Inzwischen wurden uns rund 50 zugewiesen, aber es werden noch mehr." Mit dem Problem, die neuen Schüler , die kein Deutsch und nur manchmal Englisch sprechen, zu unterrichten, ständen die Schulen erstmal allein da. Bei der Betreuung der Flüchtlingsklassen werden sie zwar unterstützt von den Trägern der Jugendhilfe und zusätzlichen Deutschlehrern, doch "es ist eine Herausforderung", schildert Saar.

Eine willkommene Unterstützung ist deshalb am TGBBZ der Schüler Ali Nabo, der selbst vor einigen Jahren aus Syrien ins Saarland kam. Der 27-Jährige hatte seine Heimat Aleppo 2010 nach dem Abitur verlassen, er sprach ein paar Brocken Deutsch und gut Englisch, erzählt er. Leicht war sein Start trotzdem nicht, erzählt er. Eine Ausbildung hatte er nicht, neben der Schule hatte er in der Autowerkstatt seines Vaters ausgeholfen. So arbeitete er zunächst bei einer Fastfood-Kette in Saarlouis und besuchte einen Deutschkurs. "Der Job bei Burger King hat mir sehr geholfen", berichtet Nabo schmunzelnd, "ich habe dort sehr viel gelernt, auch über die Gesellschaft. Morgens Sprachkurs, abends arbeiten - das war eine gute Kombination, so konnte ich gleich alles anwenden."

Ganz anderes Schulsystem


Dann entschloss sich Nabo, in Deutschland wieder die Schulbank zu drücken und eine Ausbildung zu machen. "Der Bereich Metall war irgendwie klar", sagt er. Also lernte er Metallbauer, im Januar legt er die Gesellenprüfung ab. "Danach kann ich mich noch spezialisieren."

Dass man immer noch etwas Neues anfangen kann - das ist komplett anders in Deutschland, erklärt Nabo. Und auch Lehrer M'hamed Flitti sagt: "Das Schulsystem zum Beispiel in Syrien ist komplett anders als in Deutschland. Wenn man die Schule verlässt, ist man fertig. Die jungen Leute kennen das nicht, dass man auch mit 25 oder 30 noch mal eine Ausbildung macht oder studiert oder seinen Abschluss nachholt."

Das ist es auch, was Nabo den Neulingen an der Schule als Lotse vermitteln will: Sie können hier noch viel aus sich machen, "und der Schlüssel dazu ist die Sprache", betont er. Als Ansprechpartner steht er für die Schüler der Flüchtlingsklassen bereit, beantwortet Fragen oder übersetzt. "Ich habe das ja selbst erlebt, ich weiß, wie sie sich fühlen", sagt er. Viele kennen ihn schon und sprechen ihn auf dem Flur an. "Ich kann nun ein bisschen davon zurückgeben, was ich bekommen habe."

Typische Fragen betreffen etwa Bürokratie, das Verhalten in der Schule oder "Mentalitätskonflikte". Ein eher lustiges Beispiel dafür nennt Flitti: "Wenn ein Schüler zu spät zum Unterricht kommt, ärgere ich mich und frage ihn, warum er zu spät kommt. Und er versteht das nicht: ,Fünf Minuten zu spät, das ist doch nicht schlimm! Eine halbe Stunde ist schlimm.'"