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Aktion Wunschbaum Dillingen verteilt Geschenke

Geschenkaktion : Hinter jedem Stern steht ein Schicksal

Glückliche Kinder sind der Lohn, den sich die Helferinnen verdient haben. Die Aktion Wunschbaum verteilte wieder Geschenke.

Der zweijährige Max (Name geändert) strahlt über das ganze Gesicht: Das Geschenk ist fast so groß wie er selbst. Die kleinen Fingerchen haben schon ein Stück des bunten Geschenkpapiers aufgerissen. Und der Knirps hat es schon erkannt: Das ist die Parkgarage, die er sich gewünscht hat, und Autos sind auch dabei. Auch seine Mutter ist überrascht und freut sich sehr: „Das hätte ich ja im Traum nicht gedacht, dass das klappt!“

Die älteren Geschwister sind ebenfalls nicht leer ausgegangen: Der elfjährige Bruder hat sich Knete gewünscht, und es hat geklappt. Die 13-jährige Schwester staunt über eine kleine Gitarre für Anfänger: Spielen kann sie noch nicht, aber das will sie jetzt lernen, erzählt die Mutter stolz. „Es ist echt super, dass es so eine Aktion gibt“, findet die Dillingerin, „eine schöne Feier!“

Zu Hause bekommen die Kinder zwar auch noch ein Geschenk an Heiligabend, sagt sie: „Aber nur etwas Kleines.“ Das Geld ist knapp, und Wünsche sind teuer. Bei einigen fehlt das Budget für Geschenke, weiß die dreifache Mutter: „Man kennt hier schon viele, von der Tafel zum Beispiel.“

Was einst mit 36 Sternen als Aktion Wunschbaum begann, hat sich längst verzehnfacht: Rund 350 Kinder aus der Stadt Dillingen erhalten an inzwischen zwei Tagen in der Römerhalle ihre liebevoll verpackten Geschenke. Erstmals musste das Team in diesem Jahr die Altersgrenze absenken auf 14 Jahre, zu groß war der Andrang. Aber die Hilfsbereitschaft der Dillinger ist groß, freut sich Elsbeth Haas, die Initiatorin der Aktion, die unter dem Dach der Pfarrei Heilig Sakrament läuft: Fast alle Sterne am Wunschbaum im Saardom sind abgepflückt worden. Einige nehmen sogar gleich mehrere mit. Die wenigen, die hängen bleiben, besorgt das Wunschbaum-Team selbst.

Auf den Wunschzetteln steht fast immer Spielzeug: Fußbälle oder Lego, auch Puppen und Brettspiele – die Klassiker eben. Der kurioseste Wunsch, an den Haas sich erinnert: „Ein lebendiger Wellensittich! Den ging meine Tochter gleich nach der Feier mit dem Kind kaufen.“ Was sie nachdenklich macht: „Viele wünschen sich auch Kleider oder neue Schuhe, das sagt schon etwas aus.“Elektronische Spielzeuge, Videospiele oder ähnliches gibt es nicht; „aber Gutscheine“, erzählt Haas, „die Kinder suchen sich dann selbst was aus“.

Das ganze Jahr über ist ein Team aus fünf bis sechs Helfern aktiv; für die Übergabefeiern mit einem großen organisatorischen Aufwand werden Familie und Freunde mobilisiert. Auch Stadt und Feuerwehr unterstützen die Feiern, außerdem der Verein „Biker für Kinder“ und eine Schülergruppe des Albert-Schweizer-Gymnasiums in Dillingen. Helferin Trudi Maaß ist schon von Anfang an dabei. „Das Schönste ist, wenn sich die Kinder so super freuen“, sagt sie. „Ich erinnere mich an so einen Kleinen, der bekam ein Dreirad und ist dann gleich damit durch die Halle geflitzt, der war so glücklich.“

Was ihr in den zwölf Jahren bewusst wurde: „Es gibt schon viel Not, die man nicht direkt sieht. Man bekommt hier allerhand mit.“ Aber der Wunschbaum, findet sie, ist auch eine gute Möglichkeit, auf diese alltägliche Not direkt vor unserer Haustür aufmerksam zu machen. Einige Familien zeigen ihre Dankbarkeit: „Die schicken uns eine Weihnachtskarte und bedanken sich. Oder sie backen uns etwas.“

Es gibt ein Kuchenbuffet, Pizza und Würstchen, auch der Nikolaus schaut noch vorbei. Aber die vielen Kinder in jedem Alter können es kaum erwarten, bis ihre Sternnummern aufgerufen werden und sie vorne an der Bühne ihr Päckchen empfangen. Manche packen gleich aus, bei anderen bleibt das Geschenk bis Weihnachten zu. „Das entscheiden die Eltern, manche sind da streng“, weiß Maaß.

Nicht so die Mutter der neunjährigen Julia (Name geändert): Stolz zeigt das Mädchen ihr neues Spielzeug, eine Plastikpüppchen im Ei, ein sogenanntes „L.O.L. Surprise“. „Das haben die Mädels jetzt alle“, seufzt die Mutter, „sie wollte das auch so gerne.“ Am selben Tisch freut sich noch ein blonder Achtjähriger über neue Pokemon-Karten und eine Zwölfjährige über einen Gutschein für ein Elektro-Geschäft.

„Es gibt viel mehr Bedarf in Dillingen als wir je gedacht haben“, meint Helfer Walter Engel, ebenfalls von Anfang an dabei. Werden Geschenke nicht in der Römerhalle abgeholt, weil ein Kind krank ist, weil die Eltern sich doch nicht trauen, fährt Engel die Päckchen auch zu den Kindern nach Hause: „Da sieht man schon so einiges, wo und vor allem wie die Leute wohnen.“ Kinderarmut ist mitten unter uns, betont Organisatorin Haas: „Und sie hat viele Facetten. Was mich manchmal fast zornig macht, ist, dass Armut ausschließt, von Freizeitangeboten zum Beispiel.“

Während Haas in der Halle unterwegs ist, schüttelt sie überall Hände, grüßt, wechselt ein paar Worte. Ein Spiel mit einem Huhn hat die fünfjährige Leonie (Name geändert) auf dem Schoß ihrer Oma ausgepackt. Die Familie ist zum ersten Mal beim Wunschbaum dabei. Aufgrund einer Behinderung kann das Mädchen nicht sprechen – über sein neues Spielzeug freut es sich aber sichtlich.

„Man soll auch mal irgendwo eingeladen sein, irgendwo willkommen sein“, erklärt Haas, warum sie bewusst einen feierlichen Rahmen zur Übergabe gewählt hat. „Wir wollen einen Anschluss an die Gesellschaft erreichen. Deshalb geben wir auch weit über die Hälfte unseres Etats für Nachhilfe aus.“ Und das fruchtet, freut sie sich: „Zwei unserer Wunschbaum-Kinder haben schon Abitur!“

Hinter jedem Stern steht auch eine Geschichte, ein Schicksal. Viele der Familien kennt sie inzwischen persönlich. Dass auch welche darunter sind, die keine Christen sind, zum Beispiel Kopftuch tragen, ist ihr völlig egal, sagt die energische 64-Jährige: „Unsere Unterstützung ist an keine Pfarreiengrenze oder Konfession gebunden.“

Auch wenn immer mehr Kinder vom Wunschbaum beschenkt werden, reichten die Spenden „bisher immer gerade aus“, sagt Haas: „Wir mussten noch kein Kind enttäuschen.“ Sie hofft weiterhin auf eine breite Unterstützung der Aktion. Und vielleicht empfinden ja noch mehr Menschen wie sie: „Ich möchte von all dem Glück, das das Leben mir geschenkt hat, etwas zurückgeben.“