Achterbahnfahrt der Gefühle

Nach der erfolgreichen Premiere am Donnerstag präsentiert das Merziger Musical-Ensemble an diesem Samstag zum letzten Mal „Z-The Musical of Zorro“. Unter den Premierengästen war der amerikanische Autor und Komponist des Stücks Robert W. Cabell. SZ-Mitarbeiterin Sophia Paulus hat mit ihm gesprochen.

Welche Eindrücke nehmen Sie aus der Merziger Premiere von "Z-The Musical of Zorro" mit?

Robert W. Cabell: Die Show begann vor vollbesetzten Reihen und endete mit leeren Stühlen, da das Publikum vor Begeisterung aufgesprungen war, um die Darsteller zu feiern. Ich hatte, um ehrlich zu sein, die Größe und das Kaliber der Produktion unterschätzt. Es war eine sehr aufwändige Show, um die sich manches Broadway-Theater reißen würde, mit einem umwerfenden und überaus talentierten Ensemble. Man spürte die Euphorie und die ungebremste Leidenschaft der Darsteller in jeder Sekunde.

Wie fanden Sie die Umsetzung ihres Stücks?

Cabell: Regisseurin Christa Kaspar-Hort hat viel von sich in das Stück eingebracht. Ich bin immer gespannt darauf, wie meine Stücke interpretiert werden, was weggelassen oder hinzugefügt wird. Der Merziger "Zorro" enthielt viele moderne Elemente, wie Videoprojektionen, von denen ich normalerweise absehe, da sie vom Bühnengeschehen ablenken können. Doch hier sind sie genau richtig eingesetzt, um das Bühnengeschehen emotional zu unterstreichen. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Liebe, Freude, aber auch Hass und Kummer wurden so echt transportiert, dass ich wirklich tief berührt war. Das zeichnet gutes Theater aus.

Wie entstand die Idee zum Musical?

Cabell: Meine Familie gehört zu den ältesten Familien Amerikas. 1600 kamen meine Vorfahren aus England nach Virginia. Mein Bruder hat ein Mädchen aus der ältesten Familie Boliviens geheiratet. Ich habe "Zorro" geschrieben, um diese spanisch-amerikanische Vereinigung zu würdigen. Das Musical ist meinen Nichten gewidmet, die beide Kulturen in sich vereinen und das Erbe dieser beiden alten Familien forttragen.

Wie begann ihre Karriere als Musical-Autor und Komponist?

Cabell: Mit 12 hatte ich meine erste professionelle Anstellung als Musical-Darsteller. Ich war fast 1,80 Meter groß, hatte starken Bartwuchs und alle hielten mich für über 20. Beim Casting hatte ich durch meinen Gesang und mein Gitarrenspiel überzeugt. Damals hatte ich schon eigene Songs komponiert. Die Angebote prasselten danach nur so auf mich ein. Ich habe das Metier nie gelernt oder studiert und hatte damals auch keine Ahnung, wie das läuft, aber ich habe wohl intuitiv immer alles irgendwie richtig gemacht.

Waren ihre Eltern mit einer so jungen Karriere einverstanden?

Cabell: Zuhause hatten alle einflussreiche Positionen als Banker oder Anwälte. Meine Familie war nicht begeistert davon, dass ich ins Showbusiness wollte. Mein Zwillingsbruder, heute ein erfolgreicher Geschäftsmann, war darüber sehr unglücklich. Wenn ich mal wieder von einem erfolgreichen Casting nach Hause kam, stand er auf und schrie mich wütend an. Meine Mutter stellte sich dann schützend vor mich. Solange ich gute Noten in der Schule hatte, war sie zufrieden. Insgeheim freute sie sich. Und ich glaube, sie wollte immer meine Kostüme nähen.